Das durchgehend geöffnete Spaßmobil wird 50

Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen.

Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig zu Lebzeiten Flops gewesen sein. Aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers. In unregelmäßiger Folge wollen wir ab sofort unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" Old- und Youngtimer aus dem Nebel des Vergessens holen.

Minimalistische Strandautos sind eine französische Spezialität. Als 1971 die Fertigung des kultigen Renault 4 Plein Air ausläuft, müssen Frischluftfreunde nicht traurig sein, denn bereits seit einem Jahr ist als designierter Nachfolger der Renault 4 Rodéo auf dem Markt.

Mit ihm können sie weiterhin unter freiem Himmel die Strandpromenaden der Côte d‘Azur entlangcruisen. Das Konzept ähnelt dem zwei Jahre zuvor präsentierten Citroën Méhari: Simple Großserientechnik plus eine reduzierte Kunststoffkarosserie.

Renault Rodeo (1970-1987)

Seine wahre Bestimmung findet der Renault 4 Rodéo aber auf Baustellen und Bauernhöfen, im Entwicklungsdienst und sogar beim französischen Militär. Dafür sorgen die bewährt robuste Basis des Renault 4 Fourgonnette, extra lange Federwege für bucklige Pisten und die unempfindliche Kunststoffkarosserie, bei deren Konzeption mehr praktische als ästhetische Belange den Ausschlag gaben.

Die Fertigung des Rodeo erfolgt in den Ateliers de Construction du Livradois (ACL) in Arlanc, weshalb die frühen Versionen auch das ACL-Logo tragen. Der Renault 4 Rodéo ist in fünf Varianten erhältlich: als offene Pritsche ohne Verdeck und Türen ("Evasion") und mit Stoffdach-Fahrerkabine und Pick-up-Ladefläche ("Chantier").

Oder auch mit durchgängigem Stoffdach über Sitzen und Ladefläche ("Coursière"), mit zusätzlichen Seitenteilen in Textil, Seitenfenstern vorne und hinten sowie Kunststofftüren ("Quatre Saisons") und mit rundum blickdichter Stoffhaube ("Artisanale").

Renault Rodeo (1970-1987)

Nennenswerte Komfortausstattung gibt es mit Ausnahme der Heizung für den "Quatre Saisons" keine, dafür lässt sich alles, was nach getaner Arbeit an Spuren bleibt, einfach mit dem Gartenschlauch wegspritzen. Auf Wunsch baut die Firma Sinpar den Renault 4 Rodéo zum Allradfahrzeug um, was das Einsatzspektrum des Minimalisten nochmals erhöht.

Unter der Haube des 640 Kilogramm leichten Renault 4 Rodéo werkelt ein Benzinmotor mit 845 Kubikzentimetern und 25 kW (34 PS) Leistung. Ab Herbst 1972 wurde auch ein Rodéo 6 angeboten, der sich durch eine modifizierte Karosserie und den größeren Motor vom Rodéo 4 unterschied. Er hatte die 1108-Kubik-Maschine des R6.

Ab Oktober 1980 wurde ein verbesserter 1289-Kubik-Motor aus dem R12 eingebaut, der im Rodéo 32,5 kW (45 PS) erzielte. Es wurde die Bodengruppe des R6 verwendet. Die Karosserie besteht aus Fiberglas. 1981 endet die Fertigung von Rodéo 4 und Rodéo 6 zugunsten des Rodéo 5. Bis 1987 entstehen gut 60.000 Rodéo aller Baureihen.

Bildergalerie: Renault Rodeo (1970-1987)