Kein Diesel für dieses S-Modell, Herrschaften ...

Ja, es ist tatsächlich schon wieder gut zwei Jahre her, dass Audi die Öffentlichkeit mit seinem aktuellen A8 beglückte. Bereits im letzten Jahr erspähten unsere Erlkönigjäger komplett ungetarnte Prototypen des zugehörigen S8 auf dem Nürburgring. Das Sport-Schlachtschiff sollte also eigentlich längst unter uns weilen. Aber Audi hat sich - aus welchen Gründen auch immer - dann doch nochmal ordentlich Zeit gelassen. Sei's drum, denn jetzt ist die Zeit für Ingolstadts neuen Herrscher über die Autobahn gekommen. Begrüßen Sie mit uns den 2019er Audi S8 inklusive aller seiner 571 PS.

Freunde des V8 dürfen sich freuen, mussten sie beim A8 doch bisher mit sechs Töpfen auskommen. Auch in S6 und S7 gibt es ja jetzt V6-Dieselpower statt achtzylindrigen Benziner-Spaß. Der S8 liefert nun den bekannten 4,0-Liter-Biturbo-Achtzylinder. Bei der Leistung bleibt er hinter dem alten S8 plus zurück, der es auf 605 PS brachte. Dafür hat er 50 Nm mehr Drehmoment. 800 Nm sind es insgesamt. Klingt nach mächtigem Bumms. Zu Gewicht und Fahrleistungen schweigen sich die vier Ringe allerdings noch aus. Dafür wissen wir: Auch im neuen S8 installiert Audi ein 48-Volt-Mildhybrid-System inklusive Riemen-Startergenerator und Lithium-Ionen-Batterie. Das ermöglicht einen erweiterten Start-Stopp-Bereich und das Segeln mit abgeschaltetem Motor. Die Verbrauchseinsparung soll bis zu 0,8 Liter auf 100 km betragen. Zudem verfügt das Auto über eine Zylinderabschaltung. 

Viel Kraft verlangt nach viel Kontrolle, weshalb Audi den neuen S8 mit einer ganzen Armada an superschlauer Fahrwerkstechnik ausrüstet. Zum Serienumfang gehört neben einer Allradlenkung und dem Sportdifferenzial an der Hinterachse auch ein vorausschauendes Aktivfahrwerk. Es arbeitet mit der Luftfederung zusammen und ist in der Lage, jedes Rad über elektromechanische Aktoren einzeln hochzuziehen oder nach unten zu drücken. Eine Frontkamera scannt dabei die vorausliegende Straße, erkennt Unebenheiten und regelt die Lage der Karosserie entsprechend. Auf diese Art sollen Wankbewegungen beim Beschleunigen oder Bremsen reduziert werden. 

Fünf Fahrstufen hält Audi für den S8 bereit. Im Dynamik-Modus beispielsweise sollen die Wankwinkel in schnellen Kurven 2,5 Grad betragen, gegenüber 5 Grad beim herkömmlichen Fahrwerk. Neu ist der Modus "Comfort+", bei dem sich die Karosserie in Kurven um bis zu 3 Grad nach innen neigt, um die auf die Fahrgäste wirkende Querbeschleunigung einzudämmen. Apropos Komfort: Müde Leiber profitieren beim Aktivfahrwerk auch vom sogenannten Komforteinstieg. Hier wird die Karosserie beim Öffnen der Türen um bis zu 50 mm nach oben gefahren, damit man würdevoller in den S8 hineinplumpsen kann.

Gegen Aufpreis kommt der neue S8 mit einer Karbon-Keramik-Bremse samt 10-Kolben-Sätteln und 420-mm-Scheiben an der Vorderachse. Trotz seiner Monumentalität ist das System 9,6 Kilo leichter als die serienmäßige Stahlbremse. 

Von außen gibt sich der S8 gewohnt dezent. Wenn man bei diesem Grill von dezent sprechen kann. Die Änderungen gegenüber einem herkömmlichen A8 sind aber minimal. Es gibt leichte Anpassungen an Frontstoßfänger, Seitenschwellern und Spiegelkappen. Am Heck kommt der S8 mit vier Endrohren. Das Auto rollt ab Werk auf 21-Zöllern. Im Interieur präsentiert Audi ein neues Dekor namens "Carbon Vektor" inklusive 3D-Effekt. Außerdem gibt es die üblichen S-Sportsitze mit Diamantsteppung, Belüftungs- und Massagefunktion. Das Cockpit ist natürlich auch hier vollgestopft mit Bildschirmen und Hightech. Laut Audi verfügt ein vollausgestatteter S8 über 38 Assistenzsysteme. Neu sind Amazon Alexa und die Ampelinformation, eine Art "Grüne-Welle-Assistent", der in immer mehr europäischen Stätten Informationen vom zentralen Ampel-Rechner erhält und sie an den Fahrer weitergibt.

Der S8 bringt es in der Standardversion auf 5,17 Meter Länge. In Märkten wie China oder den USA wird das Auto aber erstmals nur in der 12 Zentimeter längeren Langversion angeboten. Zu den Preisen hat sich Audi noch nicht geäußert. Der Vorgänger war mindestens 117.000 Euro teuer. Der neue S8 dürfte - nicht zuletzt aufgrund der besseren Serienausstattung - darüber liegen.

Bildergalerie: Audi S8 (2019)