Seit 1990 gab es vier Generationen des kleinen Franzosen. Bald startet die fünfte

Der brandneue Renault Clio wird erstmals Anfang März 2019 auf dem Genfer Autosalon live zu sehen sein. Zum Debüt der fünften Generation blicken wir zurück auf die Modellgeschichte des beliebten Kleinwagens.    

Es braucht Mut, den Namen seines erfolgreichsten Modells zu ändern - knapp neun Millionen Renault 5 verkaufte die Marke zwischen 1972 und 1996. Renault wagte dieses Glücksspiel im Jahr 1990, als man den Clio auf den Markt brachte. Aber es führte kein Weg daran vorbei: In der Pariser Zentrale wurde beschlossen, dass die bisherigen Zahlen als Identifikation der Renault-Modelle zugunsten von Namen entfielen. Und so taufte man den Kleinwagen nach der Muse der Geschichtschreibung in der griechischen Mythologie.

Was kaum einer ahnte, als der Clio zum "Auto des Jahres" 1991 gekürt wurde: Teile der Technik übernahm er vom 1984 gründlich renovierten Renault 5. Die Kundschaft störte es nicht, auch auf dem deutschen Markt kam der Clio gut an. 

Die erste Clio-Generation, intern Typ 57 genannt, wurde von Mai 1990 bis September 1998 gebaut. Die Modellreihe durchlief zwei Überarbeitungen und unterteilt sich daher in drei Bauphasen. Die ersten geringen Modifikationen erfolgten im März 1994. Die Stoßfänger waren nun generell in Wagenfarbe lackiert. Geändert wurden auch die Heckleuchten und die Außenspiegel. Die optisch auffälligste Überarbeitung war das Facelift im September 1996 mit veränderten Frontscheinwerfern und einer serienmäßigen dritten Bremsleuchte.

Der sportlichste Clio der frühen 1990er-Jahre war unbestritten der 16V mit 137 PS und fast 210 km/h Höchstgeschwindigkeit. Von Mitte 1991 bis Frühjahr 1994 entstanden etwa 30.000 Einheiten. Danach folgte der auf 5.000 Exemplare limitierte "Clio Williams" mit Zweiliter-Maschine, 147 PS und 215 km/h Spitze.

Renault Clio, le foto storiche

Clio II: 8 Jahre später, 7 cm länger

Im Jahr 1998 erschien die zweiten Generation des Renault Clio. Sie war sieben Zentimeter länger und basierte auf einer neuen Plattform. Dadurch geriet das neue Modell nicht nur geräumiger, sondern auch ausgereifter im Fahrverhalten: Verbesserter Komfort und Straßenlage plus optimierte Sicherheit, für die unter anderem mit ein optionales ABS sowie Front- und Seitenairbags sorgten.

Renault Clio, le foto storiche

Das krasseste Teil auf Basis des Renault Clio II war fraglos der Clio V6. Seine Publikumspremiere hatte das Temperamentsbündel als Concept Car auf dem Pariser Automobilsalon 1998. Eigentlich wollte Renault mit dem Mittelmotorboliden nur die Reaktionen des Publikums testen, doch bei den Automobilenthusiasten wurden sofort Erinnerungen an die glorreichen Tage des Renault 5 Turbo wach. Zahlreiche Kunden wollten sich spontan ein Exemplar sichern, viele boten sogar Anzahlungen an, so dass sich Renault ab dem Jahr 2000 zur Auflage einer Kleinserie entschloss. Entwickelt wurde der Clio Renault Sport V6, so der offizielle Name, in nur 18 Monaten zusammen mit den erfahrenen Experten der britischen Rennwagenschmiede TWR (Tom Walkinshaw Racing). Motoren und Karosserieteile kamen aus Frankreich, die Endmontage erfolgte im TWR-Werk im schwedischen Uddevalla und bei Alpine im französischen Dieppe.

Für eindrucksvollen Vortrieb sorgte ein quer hinter Fahrer- und Beifahrersitz eingebautes, 226 PS starkes 3,0-Liter-V6-Triebwerk mit 24 Ventilen. Der Sechszylinder katapultierte das Kraftpaket in 6,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h verursachte auf der Autobahn ungläubiges Staunen bei Fahrern leistungsstarker Nobellimousinen.

Renault Clio, le foto storiche

Nach dem Facelift des Clio II stand im April 2003 stand die zweite Generation des Monster-Kleinwagens am Start. Während der Name auf Renault Clio V6 reduziert wurde, legte die Leistung auf 254 PS und die Höchstgeschwindigkeit auf 250 km/h zu. Den Spurt von 0 auf 100 km/h erledigte der Mittelmotor­sportler jetzt in 5,8 Sekunden. In fünf Jahren entstanden insgesamt 2.935 Fahrzeuge.

Clio III: Der Qualitätssprung

Wahrscheinlich wird der Clio III von 2005 am wenigsten geschätzt, wenn es um Ästhetik geht. Auf der anderen Seite investierte Renault damals massiv in die Qualität und Wertigkeit. 3,99 Meter lang, wog der Clio III 130 Kilogramm mehr als sein Vorgänger. Das Mehrgewicht wanderte unter anderem in Komfort und Geräuschdämmung. Belohnt wurde die Anstrengung mit der Wahl zum "Auto des Jahres" 2006.

Renault Clio, le foto storiche
Renault Clio, le foto storiche

Der Clio III, der auf der gleichen Plattform wie Renault Modus, Nissan Micra und Nissan Note basiert, war der erste Clio, den es auch als Kombi gab. Die sportliche Tradition wurde vom RS mit Zweilter-Sauger und 200 PS fortgeführt. Fun Fact: Der Clio wird in Japan als Renault Lutecia (benannt nach dem alten römischen Namen von Paris) verkauft, weil es dort bereits in den 1980er-Jahren einen Honda Clio gab.

Clio IV: Der schicke Kleine

Der Vergleich von Autos verschiedener Generationen ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Wir würden aber doch sagen, dass neben der ersten Generation des Clio die vierte die ästhetisch erfolgreichste ist. Die Hand des Niederländers Laurens van den Acker sorgte für einen lange frisch wirkenden Entwurf, der ohne massives Facelift erfolgreich ist: Noch 2018, 6 Jahre nach seinem Debüt, gehörte der Clio zu den Top 5 der meistverkauften Autos in Europa.

Renault Clio, le foto storiche
Renault Clio, le foto storiche

Erneut gab es ihn auch als Kombi namens Grandtour, womit der Clio in der Kleinwagen-Klasse so gut wie einzigartig ist. Gewissermaßen das Gegenteil verkörpert der R.S. (die Buchstaben stehen für Renault Sport) mit Doppelkupplungsgetriebe und 200 PS Leistung.

Ein interessanter Fakt zum Schluss, ehe Ihr euch unserer üppigen Clio-Bildergalerie hingeben könnt: Auf der technischen Basis des Clio wird seit 2013 der Mini-SUV Captur produziert. Ebenso beruhen der Dacia Sandero der ersten Generation (2008) und der Dacia Sandero der zweiten Generation (2012) auf dem Clio (ersterer auf dem Clio III, letzterer auf dem Clio IV). Seit 2013 basiert der Dacia Logan II auf dem Sandero der zweiten Generation und damit indirekt auf dem Clio IV. 

Bildergalerie: Renault Clio: Die Modellgeschichte im Überblick