Katia Bassi, Gründerin des Lamborghini FAB (Female Advisory Board) und erster weiblicher Lamborghini-Vorstand im Interview

2018 war für Lamborghini ein sehr wichtiges Jahr: Mit der Einführung des SUV Urus betrat das Unternehmen aus Sant'Agata Bolognese komplettes Neuland. Ein großer Schritt, der den Sportwagenbauer nicht nur hinsichtlich der Stückzahlen nachhaltig verändern wird. Aber nicht immer sind die wichtigsten Neuerungen auch die offensichtlichsten. Bei Lamborghini hat sich 2018 auch hinter den Kulissen ein Wandel vollzogen.

Ein eher stiller, aber starker Wandel. Ein kultureller vor allem, der seine Auswirkungen auf die Zukunft des Unternehmens haben wird. 2018 wurde nämlich das Lamborghini FAB (Female Advisory Board) aus der Taufe gehoben. Die Gründerin dieses Projekts ist Katia Bassi. Sie kam im September 2017 zu Lamborghini und übernahm die Position des Chief Marketing Officer. Nach Stationen bei Aston Martin, der NBA, Inter Mailand und Ferrari ist sie die erste Frau im Vorstand von Lamborghini. Wir trafen sie und sprachen mit ihr über die Hintergründe des FAB.

Was ist FAB?

Katia Bassi: "Dieser Beirat ist eine Gemeinschaft von etwa 150 Frauen, die man weltweit und aus allen Altersgruppen ausgewählt und eingeladen hat. Mit dem neuen Urus erweitert Lamborghini, typischerweise stark männlich geprägt, seine Zielgruppe auf das weibliche Universum. Und das will daher freilich kennengelernt, verstanden und eingehend untersucht werden. Lamborghini will Frauen verstehen und Frauen wollen Lamborghini verstehen. Darüber hinaus gehen aktuelle Marktstudien (JWT) davon aus, dass bis 2025 weibliche "Selfmade-Millionäre" 38% des gesamten Wohlstands auf sich vereinigen werden. Frauen wurden zu informellen Treffen eingeladen, das erste im Dezember 2017 in Singapur, das letzte vor einigen Tagen in Mailand, dazwischen waren wir auch in Los Angeles, Sydney, Dubai, Tokio, London, New York und Macau.

Es handelt sich um Unternehmerinnen verschiedener Branchen. Immobilien, Finanzen, Sport, Mode, Digitales, Startup-Gründerinnen und so weiter. Sie sind aufgerufen, verschiedene Themen zu diskutieren, von der Rolle der Frauen heute bis zu den Grenzen von Luxus und Innovation. Lamborghini wurde mit einer sportlichen DNA geboren und man kann "Vertrautheit" mit Sportwagen schaffen, indem man mit Frauen spricht und versucht zu verstehen, was sie von Sportwagen erwarten. In der FAB gibt es Frauen, die bereits einen Lamborghini haben, einige, die andere Supersportwagen haben, einige, die gar kein Interesse an derartigen Autos haben. Ode Sie haben es vielleicht und wissen es nur noch nicht.

Lamborghini Huracán Performante Spyder

Letztere sind sehr sensibel für Themen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit. Und sie sind leidenschaftlich, wenn sie erfahren, dass die Ergebnisse der bei Lamborghini durchgeführten Forschung und Entwicklung auch in anderen Bereichen, beispielsweise in der Medizin, eingesetzt werden."

Welche Wirkung hat FAB?

Katia Bassi: "FAB ist unser #metoo ohne eine Protestbewegung sein zu wollen. Eher im umgekehrten Sinne. Diejenigen, die Karriere gemacht und es geschafft haben, sich in bestimmten Bereichen und in bestimmten Ländern zu etablieren, sind bereits eine Art persönliches #metoo. Sie zeigen, dass es Frauen gibt, die es schaffen und dass sie Vorbilder sein können.

Bei unseren gemeinsamen Abenden entdecken wir, dass alle Frauen überall auf der Welt mit den gleichen Schwierigkeiten konfrontiert sind. Das weibliche Gefühl ist homogen und die Herausforderungen sind praktisch für alle gleich. Bei diesen Treffen entwickeln wir nicht das perfekte Auto, sondern entdecken den gemeinsamen Nenner dessen, was ein Auto für alle Frauen ist - eine Erweiterung des Arbeitsplatzes oder des Wohnraums. Ein Ort, an dem Sie sich wohlfühlen müssen, wie auf Ihrer eigenen Couch. Und dieses Auto kann auch ein Huracán oder ein Urus sein. Das Wichtigste ist, dass du dich gut fühlst."

Welche Auswirkungen hat FAB auf die Unternehmenskultur?

Katia Bassi: "FAB wurde auch geboren, weil die Automobilwelt sehr männlich ist und Lamborghini will ein aktiver Teil des Wandels sein, aber ohne Quoten oder Zwang. Dieses Projekt wird sehr ernst genommen und vom gesamten Vorstand mitgetragen, ohne Ausnahmen. Um einen kulturellen Wandel dieser Größenordnung zu vollziehen, braucht es Zeit und Natürlichkeit. Deshalb hat Lamborghini eine Politik der Integration und Unterstützung umgesetzt, die sowohl Männer als auch Frauen betrifft.

Die Frauen im Unternehmen haben wichtige Rollen. Für die Leitung der gesamten Logistik ist zum Beispiel eine Frau zuständig. Es gibt keine wirtschaftliche Diskriminierung beim Arbeitsentgelt. Zudem kriegen Frauen, die Mutterschutz in Anspruch nehmen, nun nicht mehr 30 sondern 60% Prozent ihres Gehalts weiterbezahlt. Das ist ein Ansatz, der absolut nichts mit dem Geschlecht zu tun hat, sondern der auf persönlicher Leistung und dem Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen beruht."

2018 Lamborghini Urus

Von den Frauen, die im Unternehmen arbeiten, kommen wir zu denen, die Lamborghinis kaufen. Derzeit machen sie weniger als zehn Prozent der Gesamtkundenzahl aus.

Was macht Lamborghini-Kundinnen aus?

Katia Bassi: "Es sind Frauen mit einigen Gemeinsamkeiten: Sie haben eine sehr starke Persönlichkeit, sie fühlen sich wohl in ihrer Haut und sie kaufen keinen Lamborghini, um gesehen zu werden, um eine Marke zu präsentieren. Auf der anderen Seite gibt es Frauen, die so sehr in die Marke verliebt sind, dass sie zwei Aventador haben."

 

Als wir Katia zum Abschluss fragen, an welche Frau sie am liebsten einen Lamborghini verkaufen möchte, kommt ihre Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Michelle Obama, nicht aus politischen Gründen, sondern aufgrund ihrer Persönlichkeit. Sie verkörpert perfekt die Persönlichkeit der Lamborghini-Frauen."

 

Bildergalerie: Lamborghini SC18