Auf Tuchfühlung mit Italo-Technik in der „Accademia di Guida“

Was gibt es Neues bei Alla Romeo? Feinschliff im Detail statt eines ganz neuen Modells: Die Italiener überarbeiten zum Modelljahr 2019 das Angebot der Baureihen Giulia und Stelvio. Zudem beabsichtigt Alfa die Einrichtung einer sogenannten „Accademia di Guida“. Dahinter verbirgt sich eine Art Fahrschule, allerdings nicht, um das richtige Einparken zu üben. Vielmehr möchte man hier interessierten Kunden die Technik von Giulia und Stelvio in Theorie und Praxis näherbringen.

Beschäftigen wir uns also auch zunächst mit der Theorie: Die Motoren der Giulia und des Stelvio erfüllen nun die Emissionsnorm Euro-6d-Temp. Die Leistung der beiden Einsteigervarianten des 2,2-Liter-Turbodiesels wurde für beide Modelle auf 160 PS beziehungsweise 190 PS angehoben, ein Plus von zehn PS. Alle Giulia-Aggregate sind jetzt serienmäßig mit dem Achtgang-Automatikgetriebe kombiniert, was auch den relativ hohen Einstiegspreis von 37.000 Euro erklärt.

Bei 41.000 Euro liegt übrigens der günstigste Stelvio, auch hier ist künftig nur noch die Automatik im Programm. Das Angebot des SUVs wird erweitert um die Ausstattungsniveaus Lusso und B-Tech. Die Giulia steht nun in insgesamt acht serienmäßigen Ausstattungen bereit. Neu sind die Versionen B-Tech, Lusso und Veloce Ti.

Sehen wir sie uns kurz an. Zur Giulia B-Tech gehören unter anderem dunkel lackierte Leichtmetallfelgen im 18-Zoll-Format, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht und glänzendschwarz lackierte Karosseriedetails, darunter der V-Rahmen von Kühlergrill und Fenstern, die Abdeckkappen der Außenspiegel, die Schriftzüge, die Radnabenkappen sowie die Endrohre der Abgasanlage. Zur Wahl stehen der Turbobenziner mit 200 PS und der 190-PS-Diesel.

Die Giulia Lusso setzt passend zum Namen mehr auf Luxus: achtfach elektrisch verstellbare Ledersitze, Dekoreinlagen in Echtholz sowie Lederverkleidungen der Armaturentafel und Türen sind hier serienmäßig. Das Motorenangebot umfasst auch hier 200 und 190 PS, wobei der Diesel wahlweise mit Hinterradantrieb oder Q4-Allradantrieb bestellt werden kann.

Die betont sportliche Optik ist das Kennzeichen der grundsätzlich mit Allradantrieb ausgerüsteten Alfa Romeo Giulia Veloce. Noch einen drauf setzt der Veloce Ti, für den ebenfalls der Turbobenziner mit 280 PS und der Top-Diesel mit 210 PS Leistung zur Wahl stehen. Das fahrdynamische Potenzial wird durch die aktive Radaufhängung „Alfa Active Suspension“, das mechanische Q2-Sperrdifferenzial und 19-Zoll-Leichtmetallfelgen weiter gesteigert. Für eine exklusive Optik sorgen Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht und dynamischem Kurven- und Abbiegelicht (AFS), dunkle Schriftzüge sowie aus Kohlefaser gefertigte Spiegelkappen, Heckspoiler, Seitenschweller und der V-Rahmen vom Kühlergrill. Der Innenraum versprüht mit Einstiegs- und Dekorleisten aus Kohlefaser, dunkel verkleideten Dachhimmel und Dachsäulen sowie Lederverkleidungen für Armaturentafel und Türen ebenfalls einen Hauch von Motorsport. Mit einer Kombination aus Leder und Alcantara bezogene, achtfach elektrisch verstellbare Sportsitze halten Fahrer und Beifahrer in Position.

 


Topmodell bleibt die Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio, kurz Q, und zwar ohne „Verde“, obwohl das grüne Kleeblatt auf dem Kotflügel prangt. Zackige 307 km/h und 3,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 markieren im wahrsten Wortsinne die Spitze. Verantwortlich für diese überlegenen Fahrleistungen ist unter anderem das 510 PS leistende 2,9-Liter-V6-Bi-Turbo-Triebwerk mit Ferrari-Genen. Zur Serienausstattung gehören außerdem das aktive Sperrdifferenzial an der Hinterachse mit Active Torque Vectoring, Active Aero Splitter aus Kohlefaser, eine Brembo-Bremsanlage sowie eine intelligente zentrale Steuereinheit, die alle elektronisch adaptierbaren Komponenten von Fahrwerk, Antriebsstrang und Motor miteinander vernetzt. Einen Allradantrieb sucht man vergebens: Die Alfa Romeo Giulia Q wird mit einer Gewichtsverteilung von 50:50 ausschließlich über die Hinterräder angetrieben.

Vergleicht man die Giulia Q in der Praxis auf der hauseigenen FCA-Teststrecke im italienischen Balocco (1961 eröffnet, 5,5 Kilometer lang, das Layout inspiriert von Monza und Zandvoort) mit dem Stelvio Q, zeigen sich schnell die Unterschiede zwischen beiden Autos. Unfassbar schnell sind sie beide, dazu kommt die unter Last erstaunlich rotzige Tonlage des Sechszylinders. Doch je enger die Kurven werden, desto mehr merke ich die Wuchtigkeit des Stelvio. Alfa möge jetzt kurz weghören: Er ist schon ein Koffer. Im direkten Vergleich mit der Giulia spürt man das Mehrgewicht (plus 210 Kilogramm) und die 26 Zentimeter Höhenunterschied.

Beeindruckend ist beim Q-Doppel jeder auf seine Art und Weise, noch präziser und feinfühliger im Handling ist aber die Giulia. Dort steige ich nach meiner 510-PS-Erfahrung um auf den Basisdiesel mit 160 PS und komme mir im direkten Vergleich vor, als würde ich stehen. Doch solch einen Umstieg macht kaum ein Alfisto, zudem ist der Selbstzünder im Alltag bedeutend sparsamer die Giulia Quadrifoglio.

Wie so oft ist die goldene Mitte am besten: Im Fall der Giulia bedeutet das den Turbobenziner mit 280 PS und Allradantrieb. Mit 5,2 Sekunden auf Tempo 100 ist er nicht so sehr viel langsamer als der Quadrifoglio, aber für mittelmäßig talentierte Sportfahrer wie meinereiner sauberer zu beherrschen. Hier kann ich mich auf der Rennstrecke linear ans Limit herantasten, während der Q auch mangels Allrad schneller in den Grenzbereich kommt. Letzterer sorgt in kundiger Hand für massiven Fahrspaß, verzeiht aber kaum Fehler.

Meine persönliche perfekte Alfa-Mischung ist also die Giulia Veloce. 90 Kilogramm leichter als die Giulia Q und satte 27.000 Euro günstiger. Zugegeben: 52.000 Euro sind noch immer eine Menge Holz, im Gegenzug ist aber viel Ausstattung an Bord. Ob sich die 7.500 Euro Aufpreis für die neue Giulia Veloce Ti lohnen? Ich formuliere es mal so: Wer regelmäßig in engen Kurven nach maximalem Fahrspaß schnuppert, wird die aktive Radaufhängung und das mechanische Sperrdifferenzial zu schätzen wissen.