Die achte Elfer-Generation wird breiter, schneller, digitaler ... und kriegt seltsame Türgriffe

Ganz ehrlich, der neue Porsche 911 Carrera (interner Code: 992) war wohl eines der am schlechtesten gehüteten Geheimnisse des Jahres. Diverse Erlkönigbilder zeigten den Elferholics über die letzten Monate bereits deutlich mehr vom neuen Auto als sie verhüllten. Jetzt aber ist es endlich auch offiziell! Am Vorabend der Los Angeles Auto Show 2018 zog Porsche die Tücher von der achten Generation seiner Ikone. Wir haben alle Infos. 

Das Wichtigste vorne weg: Falls Sie recht puristisch veranlagt sein sollten, können Sie aufatmen - die große 911-Revolution bleibt beim 992 aus. Vorerst zumindest. Ja, die Elektrifizierung der Legende steht auf der To-do-Liste. Aber das hat noch Zeit bis die Batterie-Pakete eine für Sportwagen erträgliche Größe und Schwere erreicht haben. Vom Vierzylinder werden Sie im neuen Elfer ohnehin verschont bleiben. Wie zuletzt lautet das Antriebsrezept also: Dreiliter-Sechszylinder-Boxer mit zwei Turbos im Heck. Zum Start gibt es lediglich den Carrera S und den allradelnden Carrera 4S. Leistung: 450 PS und 530 Nm Drehmoment. 30 PS und 30 Nm mehr als bisher. Der 0-100-km/h-Sprint gelingt fortan in 3,7 Sekunden (3,6 Sekunden beim 4S), 0,4 Sekunden schneller als beim 991. Die Höchstgeschwindigkeit liegt mit Heckantrieb bei 308 km/h, mit Allrad bei 306 km/h. Den Verbrauch gibt Porsche mit 8,9 bzw. mit 9,0 Liter an.

Diese Werte gelten für alle Elfer, die das neu entwickelte 8-Gang-PDK an Bord haben. Die Doppelkupplung verfügt also über einen Gang mehr als bisher. Der zugehörige Mini-Schalthebel verkümmert dabei im Prinzip zum schick anzusehenden Accessoire. Wer selber Gänge wechseln will, wird dies künftig ausschließlich am Lenkrad tun müssen. Doch bevor bei den echten Enthusiasten direkt Schnappatmung einsetzt - ein Siebengang-Handschalter ist weiterhin verfügbar. Der wird irritierenderweise - wenn überhaupt noch - in den USA geordert. Hierzulande spielt er quasi überhaupt keine Rolle mehr. Also mosern Sie bloß nicht über die "gute alte Zeit".

Weitere Motor-Optionen? Der Basis-Carrera mit 385 PS dürfte zeitnah folgen. Und natürlich wird auch das 992-Portfolio Schritt für Schritt um Turbo, GTS sowie GT2, GT3 und die zugehörigen RS-Varianten ergänzt. Cabrio? In Kürze. Und auch einen Targa wird es wieder geben.

Porsche 911 Carrera (992) 2019
Porsche 911 Carrera (992) 2019

Wenig überraschend sieht der neue Porsche 911 aus wie ein Porsche 911 eben auszusehen hat. Die Fans freuen sich, dass die Front mit den neuen LED-Scheinwerfern und der gerade abschließenden Haube wieder mehr aussieht wie beim 993. Hinten sorgt ein sehr akkurat getrimmtes Leuchtenband für ein wenig Sci-Fi-Optik. Außerdem fällt der ausfahrbare Heckspoiler merklich breiter aus. Dazu hat man die dritte Bremsleuchte ins Lüftungsgitter verfrachtet und die beiden Endrohre mittiger in eine ziemlich opulente Blende gepackt. Größter Schocker sind vermutlich die neuen Türgriffe, die nun elektrisch ein- und ausfahren. 

Um den ewigen Nörglern weiteres Futter zu geben, muss der 992 sicher beträchtlich aus dem Leim gegangen sein, oder? Nun ... ähm ... nein, eigentlich nicht. Er wird zwei Zentimeter länger und ist mit 1,85 Meter nun immer so breit wie der alte GTS. Sprich: Alle Elfer haben jetzt den dicken Hintern, nur der Turbo kriegt noch ein wenig breitere Hüften. Der Radstand bleibt mit 2,45 Meter gleich, das Gewicht wird - ich traue es mich kaum zu sagen - ein wenig nach oben gehen. Vorne ist der neue 911 genau 45 Millimeter breiter als der alte. Die vordere Spurweite wächst in ähnlichem Maße, was die letzten Anflüge der Bauart-bedingten Einlenk-Untersteuerneigung beseitigen soll. Im Zuge dessen kann auch der Hinterachs-Stabilisator weicher ausfallen, was die Traktion an den 305er-Heckwalzen weiter verbessert. Vorne fährt der Elfer nun serienmäßig  auf 20-Zöllern, hinten werden 21-Zöller montiert.

Porsche 911 Carrera (992) 2019

Wie es bei einem neuen Auto an der Schwelle zum Jahr 2019 Usus ist, passieren auch beim neuen Porsche 911 die größten Änderungen im Innenraum. Der Elfer wird digital. Und (was bei einem Sportwagen sicher das Allerwichtigste ist) auch ein gutes Stück autonomer. Laut Porsche erinnert das neu gestaltete Cockpit wieder mehr an die Vorfahren aus den 1970er-Jahren. Als markantes Hauptinstrument bleibt der große, mittig platzierte Drehzahlmesser erhalten. Umgeben ist er von je zwei Digital-Displays pro Seite. Im Armaturenbrett thront nun ein 10,9 Zoll großer Infotainment-Touchscreen, wie man ihn aus Panamera, Cayenne und Co. kennt. Darunter befinden sich fünf Tasten für die wichtigsten Fahrdynamik-Funktionen. Auch die Mittelkonsole hat man rigoros entrümpelt. Von der einstigen Knöpfchenflut bleibt lediglich eine kompakte Einheit für die Klimabedienung über. 

Digitalisierung bedeutet beim neuen Elfer: Serienmäßige, Schwarmdaten-basierte Online-Navigation und das sogenannte Porsche Connect Plus mit den aus anderen neuen Porsches bekannten Online-Diensten. Die Fahrhilfen umfassen einen adaptiven Abstandstempomaten, einen Spurhalteassistenten, einen neuen Notbremsassistenten sowie eine Nachtsicht-Funktion. Ganz neu und wohl eher für ungeübte (oder sehr schüchterne) 911-Piloten hat man den sogenannten Wet-Mode entwickelt. Erkennen spezielle Sensoren Wasser auf der Straße, werden die Regelsysteme vorbereitet und der Fahrer wird gewarnt. Auf Tastendruck kann er dann veranlassen, dass das Autos extrem sicherheitsbetont agiert.

Der neue Porsche 911 Carrera ist ab sofort bestellbar. Der Marktstart erfolgt im Frühjahr 2019. Der Carrera S startet bei 120.125 Euro und ist damit knapp 8.000 Euro teurer als bisher. Der Carrera 4S ist ab 127.979 Euro zu haben.     

Bildergalerie: Porsche 911 Carrera (992) 2019