Auf Tuchfühlung mit der Neuauflage der Legende

Die Mercedes G-Klasse: Sie war immer als solche zu erkennen, stärker als jeder Trend. Und laut Baureihenleiter Gunnar Guethenke soll sie genau diese zeitlose Ikone bleiben. Nur besser. Aus diesem Grund nimmt Mercedes zahlreiche Neuerungen vor, die technisch wie formal die größten Veränderungen in der fast 40-jährigen Geschichte des Modells zur Folge haben. Wie es sich künftig in dem Begründer der G-Unit logiert und was man von dem neuen Interieur erwarten kann, habe ich jetzt bereits herausfinden können. Nehmen Sie mit mir in der neuen G-Klasse Platz.

Vom Geländegänger zum Lifestyle-Produkt
Für Mercedes ist der G ein echter Glücksfall. 1979 entwickelt, mussten seither immer nur kleinere Updates an dem Wagen vorgenommen werden, damit er stets auf dem neuesten Stand und immer am Zahn der Zeit blieb. Anfangs waren vor allem Menschen an dem Fahrzeug interessiert, die drei Sperren, eine Geländeuntersetzung oder einen robusten Leiterrahmen mit Starrachsen zu schätzen wussten – Jäger, Offroadfreaks oder Militärs. Erst als 1999 die erste AMG-Ausführung auf den Markt kam, konnte sich die G-Klasse langsam aber sicher zu einem echten Lifestyle-Produkt mausern. Ein Fakt, der sich äußerst positiv auf die Verkaufszahlen auswirkte. So wurden alleine 2016 insgesamt rund 20.000 Exemplare der insgesamt etwa 300.000 Fahrzeuge verkauft. Tendenz steigend.

Mehr Platz gleich mehr Komfort
Weil Mercedes darum weiß, dass der typische G-Klasse-Kunde heute eher ein solventer Zahnwalt aus den oberen Zehntausend und nicht unbedingt ein Forstwirt ist, wird die Neuauflage vor allem eines werden: komfortabler. Bein- und Schulterraum in der ersten Reihe werden um knapp vier Zentimeter vergrößert, die Ellenbogenfreiheit verbessert sich hier außerdem um knapp sieben Zentimeter. Der Platz im Fond schwillt ebenfalls an: Der Schulterraum legt hier um rund drei Zentimeter zu, die Ellenbogenfreiheit um knapp sechs Zentimeter. Den Vogel schießt jedoch die Beinfreiheit in der zweiten Reihe ab. Hier konnten ganze 15 Zentimeter zusätzlich gewonnen werden.

Offroad-Expertise trifft auf Massagesitze
Ich mache es mir nacheinander auf allen Plätzen bequem. Mit meiner Körpergröße von knapp 1,90 Meter logiere ich jetzt auf allen Sitzen erstaunlich gut. Das beengte Gelände-Nutzfahrzeug-Flair ist also passé. Eine Lederausstattung ist immer serienmäßig. Dazu gesellen sich auf Wunsch Annehmlichkeiten wie Sitzheizung, Sitzkühlung und eine Massagefunktion. Ich könnte mich in der nächsten G-Klasse also tatsächlich massieren lassen, während ich den Schöckl – den Hausberg von Graz und Gratmesser für die Geländefähigkeiten des G – in Angriff nehme. Dass auch die neue G-Klasse diese Offroad-Erprobung gemeistert hat, zeigt übrigens die Schöckl-Plakette am Fuß der B-Säule.

Äußere Elemente für den Innenraum
Kommen wir zur Cockpitgestaltung: Wie Sie nach dem Betrachten der Bilder vielleicht schon bemerkt haben, wird das neue Interieur noch viel weniger mit dem pragmatischen Offroad-Innenraum einer klassischen G-Klasse gemein haben. Auf Wunsch sind zwar noch normale Rundinstrumente mit echten Zeigern zu haben, die IMAX-Kino-ähnliche Displaylandschaft aus den E- oder S-Klassen hat es mittlerweile aber auch schon auf das Armaturenbrett mit dem typischen Haltegriff für den Beifahrer geschafft. Nett: Die seitlichen Belüftungsdüsen ergeben zusammen mit dem umrahmenden Element den Look des Scheinwerfers und dessen Einfassung, die Lautsprecherboxen auf dem Armaturenbrett erinnern an die aufgesetzten Blinker.

Infotainment und Assistenten
Die zwei 12,3-Zoll-Displays legen außerdem nahe, dass die neue G-Klasse nicht nur komfortabel, sondern auch in Sachen Technik-Features einen gehörigen Satz ins 21. Jahrhundert macht. Erkunden konnte ich die Tiefen des Infotainment-Systems zwar noch nicht, berührungssensitive Touch-Oberflächen am Lenkrad (in der AMG-Line auch als unten abgeflachte Version erhältlich) mit haptischen sowie akustischen Impulsen verheimlicht Mercedes aber genauso wenig wie geplante Fahrassistenzsysteme. Hier kann man wahrscheinlich davon ausgehen, dass die G-Klasse nicht nur den Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug, sondern auch die Spur halten kann.

Die ersten Exterieurdetails vor der Enthüllung
Klingt nach vielen Neuerungen. Im Kern soll aber alles wie gehabt bleiben. Und so wird die kantige Silhouette schon nicht verloren gehen. Wie das neue Modell wirklich aussehen wird, werden wir erst bei der Premiere auf der North American International Auto Show 2018 (14. bis 29. Januar) in Detroit erfahren. Ein paar handfeste Zusicherungen zur Exterieurgestaltung machte Mercedes aber schon: Die legendären Türgriffe zum Draufdrücken sollen demnach genauso erhalten bleiben wie das charakteristische Schließgeräusch, die Form der Rundscheinwerfer, die kleinen Rückleuchten, die robusten Außenschutzleisten, das exponierte Ersatzrad an der Hecktür sowie die augenfälligen Blinker an der Front. Es bleibt also spannend.

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