Regierungs-Karosse und erster Turbodiesel in Europa

Vor 40 Jahren sorgte Peugeot mit dem 604 für einiges Aufsehen. Das war nicht nur seiner Länge von 4,72 Meter geschuldet, sondern auch dem ersten französischen Sechszylinder-Otto der Nachkriegszeit. Der 604 trat in die Fußstapfen des 601, der in den 1930er Jahren als Luxusautomobil galt. Die ,6" im Namen bekam er von seinem ebenfalls sechszylindrigen Motor.

Design von Pininfarina
Zu seiner Zeit war der 604 der mit Abstand größte Peugeot. Nach heutigen Maßstäben würde man ihn in die obere Mittelklasse einordnen, bei seinem Erscheinen 1975 galt er als Oberklasse-Automobil, das in einer Reihe mit BMW 7er und Mercedes S-Klasse gesehen wurde. Er entstand auf Basis des 504, für das vergleichsweise sachliche Design war Pininfarina verantwortlich. Unter der Haube steckte der erwähnte Sechszylinder, dessen Erscheinen in Frankreich viel Beachtung fand: Schließlich wollte man mit dem V-Motor, der 1974 zuerst im Peugeot 504 Coupé debütierte, in die Oberklasse zurückkehren. Die wurde bis zum Zweiten Weltkrieg maßgeblich von französischen Marken geprägt.

Ursprünglich als V8 geplant
Der leichte Aluminium-Motor wurde von Peugeot gemeinsam mit Renault und Volvo entwickelt, er ist deswegen auch als ,PRV-Motor" oder ,Europa-V6" bekannt. Ursprünglich sollte er als V8 in Serie gehen, doch nach der Energiekrise von 1973/74 stand auch in diesem Segment die Kraftstoff-Effizienz ganz oben im Lastenheft. Zwei Töpfe fielen dem Rotstift zum Opfer – heute würde man von Downsizing sprechen. Das Aggregat wurde als 2,7-Liter-V6 realisiert, der im Peugeot 604 SL 136 PS leistete. Laut Peugeot nahm sich die Maschine durchschnittlich 12,1 Liter Super aus dem Tank, das war vor 40 Jahren nicht viel.

Zum Schluss 150 PS
1977 bekam der V6 im Peugeot 604 TI eine K-Jetronic-Einspritzanlage. Die Leistung stieg auf 144 PS, der Verbrauch sank. Die Kraft wurde von einer Fünfgang-Schaltung übertragen, die serienmäßig an Bord war. Bis zum Ende der Produktionszeit wurde die Maschine weiterentwickelt, das Spitzenmodell zum Schluss war der 604 GTI mit auf 2,8-Liter Hubraum vergrößertem V6 und 150 PS. Ende der 1970er Jahre wurde der 604 auch mit einem Zweiliter-Vierzylinder ausgeliefert, der aber den französischen Behörden vorbehalten war.

Erster Turbodiesel-Pkw in Europa
1979 fuhr der Peugeot 604 D turbo vor. Mit dem 80 PS starken 2,3-Liter-Vierzylinder präsentierte Peugeot den ersten Turbodiesel-Pkw, der in Europa verkauft wurde. In den USA hatte Mercedes bereits seit 1977 den 300 SD mit Fünfzylinder-Turbodiesel am Markt. Mit der zwangsbeatmeten Maschine wurde der große Löwe immerhin fast 160 km/h schnell.

Bis zu 62 Zentimeter mehr Radstand
Bekannt geworden ist der große Peugeot vor allem als Staatslimousine. Hier wurden vor allem Exemplare genutzt, die von französischen Carrossiers Heuliez und Chapron zu Langversionen und Landaulets umgebaut wurden. So gab es den 604 HLZ mit bis zu 62 Zentimeter mehr Radstand. Diese Heuliez-Version hatte zusätzliche Klappsitze im Fond, Fernseher, eine Bar und Bürokommunikations-Technik. Besonders der frühere französischen Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing empfing mit der größten Limousine der Löwenmarke viele Staatsgäste. Auch die politische und gesellschaftliche Prominenz anderer Nationen mochte das Peugeot-Flaggschiff, selbst DDR-Staatschef Erich Honecker hatte einen 604 in seinem Fuhrpark.

508 als größter Peugeot-Pkw
Die Rolle des größten Peugeot-Pkw hat heute der 4,83 Meter lange 508 übernommen, den es als Limousine und Kombi gibt. Bei ihm spielen die Dieselmotoren ebenfalls eine wichtige Rolle: Es werden drei Vierzylinder-Aggregate mit 120, 150 und 180 PS angeboten. Auf der Ottoseite ist nur ein 1,6-Liter-Vierzylinder mit 165 PS zu finden.

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