Brutaler Breitbau-Benz

Die G-Klasse von Mercedes-AMG ist ein Relikt längst vergangener Geländewagen-Tage. Wo heute rundgelutschte SUVs mit ihrer angeblichen Geländetauglichkeit werben – und scheitern – schaltet die kantige G-Klasse noch einen Gang hoch und pflügt durch das nächstgelegene Feld. Für alle Tankstellenbesitzer und Öl-Scheichs hat Mercedes-AMG den G 63 im Programm. Mit 544 PS aus 5,5 Liter Hubraum. Der Ruhrpott-Tuningschmiede Brabus aus Bottrop ist das nicht extrem genug. Deshalb gibt es dort jetzt ein neues Tuningprogramm für den Gelände-Kasten. Damit wird aus dem G 63 der Brabus 850 6.0 Biturbo Widestar.

Denn Hubraum ist durch nichts zu ersetzen
Um beim Motortuning eine vernünftige Grundlage zu haben, wird der ursprünglich 5,5-Liter-große Motor erstmal auf knapp sechs Liter aufgebohrt. Passend dazu halten größere Schmiedekolben ins Aggregat Einzug. Weiterhin werden Spezialpleuel und eine feingewuchtete Kurbelwelle verbaut – beides aus dem Vollen gefräst – und die Zylinderköpfe strömugstechnisch optimiert. Dazu kommen zwei neue Turbolader, eine größere Verdichtereinheit und modifizierte Auspuffkrümmer. Alle Ansaug- und Ladeluftrohre bekommen zudem eine schicke ,Gold Heat Reflection"-Beschichtung, um den Temperaturhaushalt des G 63 im Zaum zu halten. Damit der G-Klasse vor lauter Kraft nicht die Puste ausgeht, wird im Motorraum ein neues Luftfiltergehäuse mit vergrößertem Ansaugquerschnitt verbaut, das durch eine Carbon-Lufthutze auf der Motorhaube mit Frischluft versorgt wird.

Leistung bis zum Abwinken
Um dem Motor zu mehr Stimme zu verhelfen – als wäre das nicht serienmäßig schon übertrieben genug – gibt es eine Edelstahl-Klappen-Abgasanlage mit Metallkatalysatoren. Der Fahrer kannn so zwischen einem ,leisen" (absichtlich in Anführungszeichen) Coming-Home-Modus und dem vollen Donnergrollen wählen. Heraus kommt der Sound aus jeweils zwei Rohren, die rechts und links vor den Hinterrädern enden. Als Endergebnis des Motortunings stehen statt serienmäßig 544 PS deren 850 zu Buche. Noch extremer fällt der Zuwachs beim Drehmoment aus: Der Serienwert von – keinesfalls schwachen – 760 Newtonmeter konnte auf 1.450 Newtonmeter angehoben werden. Die Beschleunigung von null auf hundert schafft die G-Klasse jetzt in 4,0 statt in 5,7 Sekunden und der Topspeed steigt von 213 km/h auf elektronisch abgeregelte 260 km/h.

Breitbau und LED-Technik
Von außen sieht man der G-Klasse die Leistung definitiv an. Brabus spendiert dem kastigen Design das Widestar-Bodykit mit zwölf Zentimeter mehr Fahrzeugbreite. Dazu gehören Kotflügelverbreiterungen mit Radhausentlüftungen, die sich bis auf die Türen fortsetzen, ein Frontspoiler samt Blende unter dem Kühlergrill, ein angedeuteter Unterfahrschutz und ein Dachspoiler. Außerdem stecken an allen Ecken und Enden jetzt LED-Lichter. In der Front zieht ein neues Lichtsystem mit schwarz getönten Xenon-Scheinwerfern und LED-Tagfahrlicht ein. Durch dessen integrierte Blinkerfunktion sind die charakteristischen Blinker auf den Kotflügeln überflüssig und werden durch Carbon-Blenden ersetzt. Am Heck finden sich rechts und links jeweils eine Nebelschlussleuchte und ein Rückfahrlicht im Stoßfänger.

Größer, breiter, härter
Die riesigen Radhäuser werden von 23-Zoll-Monoblock-Rädern ausgefüllt. Vier verschiedene Designs stehen zur Auswahl. Auf die Felgen mit den Maßen 11Jx23 werden wahlweise Reifen von Continental, Pirelli oder Yokohama in der Größe 305/35R23 montiert. Das Ride-Control-Fahrwerk, das Brabus zusammen mit Bilstein entwickelt hat, verfügt rundum über zweifach elektrisch verstellbare Dämpfer. Zwei verschiedene Fahrprogramme werden entweder vollautomatisch oder über einen Knopf in der Mittelkonsole ausgewählt.

Leben wie Gott in Bottrop
Im Innenraum hat sich besonders im Fond viel getan. Die Rückbank weicht zwei vielfach verstellbaren Einzelsitzen mit Heizung und Lüftung. Auf dem Kardantunnel thront nun eine Multimedia-Mittelkonsole, aus der auf Knopfdruck zwei Edelholztische ausfahren. Außerdem beinhaltet sie eine iPhone-6-Ladestation, mehrere USB- und 12-Volt-Anschlüsse sowie eine Kühlbox. Im Fahrzeughimmel ist ein 15,6-Zoll-LCD-Monitor untergebracht, der über ein Touchpad in der Mittelkonsole ausfährt und von einem Blu-Ray-Player gespeist wird. Internet ist durch einen WLAN-Router mit 4G-Technologie ebenfalls an Bord. Um eine angenehme Atmosphäre zu gewährleisten, gibt es eine spezielle Ambiente-Beleuchtung und zwei ausfahrbare Leselampen.

Teurer Spaß
Die Ganze Sache hat nur einen Haken: Wer das gesamte Programm kauft, muss erst mal 322.436 Euro zur Seite legen. Allein das Motortuning kostet schon 83.181 Euro, das Bodykit liegt inklusive Montage und Lackierung bei 38.901 Euro. Aber wer sich den Sprit für den 850 6.0 Biturbo Widestar leisten kann, der schafft bestimmt auch das.

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