Kia Sorento HEV (2026) im Test: Taugt der Hybrid für die Langstrecke?
Von Berlin nach Stockholm im großen SUV mit kleinem Motor: Wir sind auf große Fahrt gegangen - und waren überrascht
Vier Personen, Gepäck für zwei Wochen und eine Strecke, bei der irgendwann selbst die Musik-Playlist kapituliert. Wir fahren mit dem Kia Sorento Hybrid von Berlin nach Stockholm und anschließend durch Schweden. Genau dafür sollte ein knapp 4,82 Meter langes SUV mit sieben Sitzen eigentlich gemacht sein. Doch taugt der 239 PS starke Vollhybrid tatsächlich als großer Familien-Reisewagen oder wird ausgerechnet der kleine 1,6-Liter-Benziner auf der Langstrecke zum Problem?
Karosserie/Design | Innenraum/Bedienung | Fahreindruck/Antrieb | Preis/Konkurrenten | Fazit
Bildergalerie: Kia Sorento HEV 2026 Test
| Schnelle Daten | Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD Platinum |
| Antrieb | 1,6-Liter 4-Zylinder-Turbobenziner mit Elektromotor, permanenter Allradantrieb |
| Getriebe | 6-Gang-Automatik |
| Systemleistung | 176 kW (239 PS) |
| 0 - 100 km/h | 9,0 Sek. |
| Höchstgeschwindigkeit | 196 km/h |
| Verbrauch (WLTP) / CO2-Emission | 7,0 l/100 km / 159 g/km |
| Basispreis | 65.690 Euro |
Karosserie/Design
Der aktuelle Sorento ist kein Neuling mehr. Das Facelift hat ihm aber eine Front verpasst, die ihn deutlich näher an die aktuelle Kia-Familie rückt. Vertikale Scheinwerfer, die eigenwillige Tagfahrlichtsignatur und der gewaltige Tiger-Nose-Grill sorgen gemeinsam mit der hohen Motorhaube für ziemlich viel Präsenz. Im Rückspiegel des Vordermanns dürfte der Sorento jedenfalls kaum mit einem Picanto verwechselt werden.
Trotzdem wirkt er angenehmer zurückhaltend als die jüngsten Modelle der Marke. EV3, EV4, EV5 oder der neue Seltos pflegen inzwischen einen ziemlich kantigen Star-Wars-Look. Der Sorento kommt weniger Darth Vader und Stormtrooper, dafür etwas familiärer daher. Seine Seitenlinie ist geschwungener, Chrom und mattsilberne Elemente lockern die großen Flächen auf. Uns gefällt das auch Jahre nach der Markteinführung noch ausgesprochen gut.
Beim Hybrid stehen unabhängig von der Ausstattung 19-Zöller in den Radhäusern. Groß wirken die allerdings nicht, denn die 235/55er-Reifen bringen ordentlich Gummi mit. Das ist optisch vielleicht weniger spektakulär, erweist sich auf unserer Reise aber noch als echter Vorteil. Auch das überarbeitete Heck mit seiner neuen Leuchtengrafik und dem angedeuteten Unterfahrschutz hält den Sorento frisch.
Innenraum
Spätestens beim Beladen in Berlin zeigt sich, warum man sich so ein Auto überhaupt vor die Tür stellt. Unser Sorento besitzt die optionale dritte Sitzreihe, die für 990 Euro zwei zusätzliche Plätze, eine eigene Klimasteuerung, USB-Anschlüsse und sogar Isofix mitbringt. Für Erwachsene sind diese Plätze allerdings nur eingeschränkt empfehlenswert. Der Zustieg ist mühsam und hinten geht es ziemlich eng zu.
Für unsere Reise zu viert bleibt die dritte Reihe deshalb versenkt. Dann stehen je nach Position der verschiebbaren zweiten Reihe 608 bis 813 Liter Kofferraum zur Verfügung. Das reicht locker für das Gepäck einer zweiwöchigen Schweden-Reise. Werden auch die Sitze der zweiten Reihe umgelegt, sind maximal 1.996 Liter drin. Mit allen sieben Plätzen in Benutzung bleiben dagegen nur 179 Liter.
In Reihe zwei lebt es sich ausgezeichnet. Die Bank lässt sich längs verschieben und die Lehnenneigung verstellen, Knieraum gibt es reichlich. Dazu kommen Sonnenschutzrollos, Getränkehalter in den Türen und USB-Anschlüsse direkt in den Lehnen der Vordersitze. Das klingt nach Kleinkram, ist aber spätestens nach einigen hundert Kilometern mit Familie deutlich wichtiger als die zehnte Animation im Infotainment.
Ausgerechnet der Fahrersitz wird auf dem Weg nach Stockholm trotzdem zum größten Komfortproblem. Die Lehne ist angenehm, die Sitzfläche aber schlicht zu hart. Über die Luftkammern lässt sich daran wenig ändern, außer man pumpt sich zwei zusätzliche Druckstellen unter den Hintern. Nach mehreren Stunden wissen wir ziemlich genau, welches Körperteil zuerst eine Pause verlangt. Für einen ausgewiesenen Langstreckenwagen ist das ärgerlich.
Vorne präsentiert sich der Sorento seit dem Facelift erheblich moderner. Das große Curved Display integriert zwei 12,3-Zoll-Bildschirme und die Kia-Bedienlogik gehört inzwischen zu den besseren Lösungen am Markt. Große Icons, klare Strukturen, wenig optischer Zirkus. Auch die umschaltbare Touchleiste darunter gefällt uns. Mal steuert sie die Klimatisierung, mal dient sie als Schnellzugriff. Nach kurzer Eingewöhnung klappt das problemlos.
Die Navigation ist ordentlich, bei den Verkehrsdaten ziehen wir trotzdem Google Maps vor. Schön ist die Split-Screen-Darstellung, bei der gleichzeitig eine detaillierte Karte und die Übersicht der Route sichtbar bleiben. Apple CarPlay und Android Auto funktionieren kabellos. Das Head-up-Display ist nicht riesig, aber klar ablesbar.
Bei den Materialien zeigt Kia dagegen eine ungewohnte Schwäche. Im direkten Sicht- und Griffbereich fühlt sich vieles hochwertig an, weiter unten findet sich jedoch reichlich Hartplastik. Selbst die Einfassung des Head-up-Displays wirkt für ein Auto um 65.000 Euro überraschend simpel. Dafür ist die Verarbeitung tadellos. Nichts knarzt, nichts wackelt, die Bauteile sitzen sauber.
Auch die Ambientebeleuchtung trifft einen angenehmen Mittelweg. Feine Lichtlinien und indirekt beleuchtete Flächen wirken edel statt wie eine fahrende Diskothek. Unser Platinum besitzt Nappa-Leder, Sitzheizung und Sitzbelüftung. Das Premium-Paket ergänzt unter anderem die Ergo-Motion-Massagefunktion.
| Abmessungen | Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD Platinum, 7-Sitzer |
| Länge x Breite x Höhe (in mm) | 4.815 x 1.900 x 1.700 mm |
| Radstand | 2.815 mm |
| Kofferraumvolumen | 179 / 608 - 813 / 1.996 Liter |
| Leergewicht | 1.955 - 2.117 kg |
| Zulässiges Gesamtgewicht | 2.640 kg |
| Anhängelast (gebremst 12% / ungebremst) | 2.500 kg / 750 kg |
| Stützlast | 100 kg |
Antrieb/Fahreindrücke
Vor der Reise hatten wir ausgerechnet beim Antrieb die größten Zweifel. 1,6 Liter Hubraum, vier Zylinder und ein Elektromotor sollen ein großes Allrad-SUV samt Familie und Urlaubsgepäck durch halb Nordeuropa bewegen. Gemeinsam stehen 239 PS bereit, geschaltet wird über eine konventionelle Sechsgang-Automatik. Auf dem Papier klingt das eher vernünftig als souverän.
In der Praxis überrascht der Vollhybrid. In Eco und Smart versucht der Sorento konsequent, elektrische Fahranteile herauszuholen. Der Benziner schaltet sich zu, wenn Leistung benötigt oder die kleine Hybridbatterie geladen wird. Die Übergänge gelingen hervorragend. Kein Rucken, kein hektisches Hin und Her, selbst der Verbrenner bleibt akustisch meist dezent im Hintergrund.
Interessant wird es in Schweden. Wer sich dem dort auffallend entspannten Verkehrstempo anpasst, sieht Verbräuche von teilweise unter fünf Litern auf 100 Kilometer. Im normalen Mischbetrieb landen wir eher bei sechs bis 6,5 Litern. Für einen großen AWD-SUV ist das dennoch bemerkenswert.
Auf der Autobahn schwindet der Hybridvorteil erwartungsgemäß. Bei normaler Fahrweise stehen etwa sieben bis acht Liter im Display, bei flotter deutscher Autobahnfahrt können es neun Liter werden. Kia selbst gibt für den Hybrid AWD exakt 7,0 Liter kombiniert an. Unsere Reise zeigt damit ziemlich gut, wie stark das Ergebnis vom Einsatzprofil abhängt.
Und dann gibt es Sport. Mit einem Tastendruck scheint der Sorento seinen Charakter zu wechseln. Die Steuerung hält die Batterie stärker auf Ladung und nutzt den Elektromotor vor allem zum Boosten. Bei praktisch jedem kräftigen Gasbefehl schiebt er sofort mit an. Plötzlich fühlt sich der kleine Vierzylinder nach deutlich mehr Motor an.
Das macht überraschend viel Spaß und kostet nach unseren Beobachtungen ungefähr anderthalb Liter zusätzlich. Uns gefällt gerade diese Spreizung. Wer entspannt mit der Familie durch Schweden rollt, kann erstaunlich sparsam unterwegs sein. Wer auf der deutschen Autobahn Leistung möchte, bekommt sie ebenfalls. In Eco und Smart wirkt der Antrieb dafür gelegentlich etwas lethargisch.
| Technische Daten | Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD Platinum |
| Motor | 1,6-Liter 4-Zylinder-Turbobenziner, Direkteinspritzung |
| Hubraum | 1.598 cm³ |
| Leistung Verbrenner | 132,4 kW (180 PS) bei 6.000 U/min |
| Drehmoment Verbrenner | 265 Nm bei 1.500 - 4.500 U/min |
| Elektromotor | Permanentmagnet-Synchronmaschine |
| Leistung Elektromotor | 47,7 kW (64,8 PS) |
| Drehmoment Elektromotor | 250 Nm |
| Systemleistung | 176 kW (239 PS) |
| Hybridbatterie | Lithium-Ionen-Polymer, 1,49 kWh |
| Getriebe | 6-Gang-Automatik |
| Antrieb | permanenter Allradantrieb |
| 0 - 100 km/h | 9,0 Sek. |
| Höchstgeschwindigkeit | 196 km/h |
| Höchstgeschwindigkeit elektrisch | 120 km/h |
| Verbrauch kombiniert (WLTP) | 7,0 l/100 km |
| CO2-Emissionen kombiniert | 159 g/km |
| Tankvolumen | 47 Liter |
| Bereifung Testwagen | 235/55 R19 |
| Wendekreis | 11,6 m |
Zum Reisecharakter passt das Fahrwerk hervorragend. Die dicken Reifen bügeln kleinere Unebenheiten sauber weg, ohne dass der Sorento ins Schwimmen gerät. Gröbere Stöße kommen durchaus durch, insgesamt bleibt die Abstimmung aber komfortabel und kontrolliert. Auch die Seitenneigung hält sich angesichts von Größe und Schwerpunkt in vernünftigen Grenzen.
Die Lenkung ist in Eco und Smart angenehm leicht, ausreichend präzise und liefert mehr Rückmeldung, als wir bei einem solchen Familien-SUV erwarten würden. Im Sportmodus wird sie dagegen vor allem schwerer. Einen Individualmodus, mit dem wir den sportlichen Antrieb mit der leichteren Lenkung kombinieren könnten, gibt es leider nicht. Schade.
Bemerkenswert ist außerdem die Ruhe an Bord. Wind- und Abrollgeräusche bleiben selbst auf langen Autobahnetappen zurückhaltend, der Benziner drängt sich ebenfalls kaum in den Vordergrund. Nach 800 oder 1.000 Kilometern weiß man solche Qualitäten deutlich mehr zu schätzen als einen spektakulären 0-100-Wert.
Weniger überzeugend arbeitete der Spurfolgeassistent unseres Testwagens. Ab etwa 110 bis 120 km/h begann der Sorento zwischen den Fahrbahnmarkierungen zu pendeln. Da wir dieses Verhalten aus anderen Kia-, Hyundai- und Genesis-Testwagen so nicht kennen, spricht einiges für ein Problem unseres konkreten Fahrzeugs. Sehr gut gelöst ist dagegen die schnelle Stummschaltung von Tempo- und Spurwarnung über lange Tastendrücke am Lenkrad.
Nerviger bleibt der kamerabasierte Aufmerksamkeitsassistent, der sich hartnäckig und teilweise minutenlang akustisch meldet. Im Alltag stören außerdem Kleinigkeiten: Die schlüssellose Erkennung an den vorderen Türgriffen arbeitete nicht immer zuverlässig, hinten fehlen entsprechende Sensoren gleich ganz. Und an der elektrischen Heckklappe hätten wir gerne eine Taste, die beim Schließen gleichzeitig das Fahrzeug verriegelt.
Preis/Konkurrenten
Der Sorento Hybrid AWD Platinum startet laut aktueller Preisliste bei 65.690 Euro. Unser Auto besitzt zusätzlich die dritte Sitzreihe für 990 Euro und eine Metallic-Lackierung für 890 Euro. Damit landet der Testwagen bei 67.570 Euro.
Das ist viel Geld, zumal der Sorento beim Materialeindruck die Premiumklasse nicht vollständig erreicht. Dafür ist Platinum bereits umfangreich ausgestattet, unter anderem mit Nappa-Leder, Head-up-Display, Rundumsichtkamera, Bose-System, Sitzventilation und zahlreichen Assistenzsystemen.
Als Alternativen drängen sich vor allem Skoda Kodiaq, VW Tayron und Mazda CX-80 auf, konzernintern natürlich der Hyundai Santa Fe. Vergleichbar motorisiert startet der Skoda als 2.0 TSI 4x4 mit 204 PS bei 49.400 Euro, während der Mazda CX-80 als 327 PS starker Plug-in-Hybrid mindestens 57.550 Euro kostet. Noch näher am Sorento liegt der Hyundai Santa Fe Hybrid AWD mit ebenfalls 239 PS, der ab 62.750 Euro zu haben ist.
Damit gehört unser 69.160 Euro teurer Sorento definitiv nicht zu den Schnäppchen, punktet aber mit Platz, üppiger Ausstattung und seinem erstaunlich überzeugenden Vollhybrid. Und auf unserer Schwedenrunde mit real sechs Litern oder weniger bekommt das Wort Effizienz bei einem derart großen Auto tatsächlich Substanz.
Fazit 8/10
Berlin, Stockholm, zwei Wochen Schweden, vier Personen und entsprechend viel Gepäck: Genau auf einer solchen Reise ergibt der Sorento Sinn. Er ist kein Premium-SUV und versucht auch nicht krampfhaft, eines zu sein. Stattdessen liefert er Platz, Ruhe, Komfort und eine Hybridtechnik, die uns deutlich stärker überzeugt hat als erwartet. Ausgerechnet der Fahrersitz verhindert die ganz große Langstreckenliebe. Der Hintern beschwert sich früher als der Rest der Familie. Trotzdem würden wir die Tour mit dem Sorento jederzeit wieder antreten, denn selten schafft ein fast fünf Meter langer Familien-SUV den Spagat zwischen sechs Litern in Schweden und überraschend kräftigem Autobahnantritt derart überzeugend.
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