Die Optik wird erwachsener, doch er bleibt auf Kuschelkurs ...

Eigentlich trifft es der Ausdruck "Facelift" im Bezug auf den neuen Citroën C3 Aircross unglaublich gut auf den Punkt. Besser als sonst. Denn wenn wir ehrlich sind, dann hat der Hersteller genau hier die meiste Arbeit reingesteckt ... in eben dieses Lifting der Fahrzeugfront. Damit macht es Citroën nun ähnlich wie Opel mit der frisch überarbeiteten B-SUV-Segment-Verwandtschaft in Form des Crossland mit dem sogenannten Vizor.

Was ist das?

Wie? Man verändert das Antriebsangebot dezent, packt ein wenig zusätzliche Technik mit mehr Komfort in das Fahrzeug, erweitert das Personalisierungsangebot, verpackt alles hinter einem neuen Grill, einem neuen Stoßfänger und neuen LED-Scheinwerfern und schreibt "Facelift" drauf. Fair enough, denn der C3 Aircross kommt weiterhin gut an. Dafür sprechen zumindest die seit der Markteinführung im Jahr 2017 rund 330.000 verkauften Einheiten.

Der große Technologiesprung bleibt also vorerst aus und genau wie der Crossland muss auch der C3 Aircross noch bis zum Generationswechsel warten, bis PSA beziehungsweise Stellantis das Modell von der Kleinwagenplattform PF1 auch auf die elektrifizierbare CMP-Basis stellt. Hier genießen der DS 3 Crossback, der Opel Mokka und der Peugeot 2008 in diesem Segment erst einmal das Exklusivrecht im Konzern.

Citroën C3 Aircross (2021) Facelift
Citroën C3 Aircross (2021) Facelift

So ist es nicht verwunderlich, dass rein formell in C3-Aircross-Fragen eigentlich alles so bleibt wie es war. Und wenn sich schon nichts an den Abmessungen ändert, dann wird wenigstens die individuelle Gestaltungsmöglichkeit vergrößert. 70 Außenvarianten stehen jetzt zur Wahl. Um das zu erreichen, werden drei neue Farben eingeführt (Weiß, Voltaic-Blau oder Kaki-Grau – wie unsere Testwagen) und vier neue Style-Pakete (zwei davon mit neuen Farben) angeboten.

Dachfarben gibt es in Weiß und Schwarz. Zwei neue 16- und 17-Zoll-Felgen werden ebenfalls ins Programm aufgenommen. Da sollte für jeden was dabei sein. Was uns ein bisschen fehlt? Die Airbumps.

Citroën C3 Aircross (2021) Facelift

Im Innenraum fallen sofort die optionalen und neuen "Advanced Comfort"-Sitze auf. Sie sind mit 15 Millimeter dickem Schaustoff gepolstert und laut Pressemitteilung fühlen sie sich "angenehm weich an und bieten zugleich guten Halt".

Den ersten Teil der Aussage würden wir nach unserer Testfahrt sofort unterschreiben. Die Sitze sind unglaublich gemütlich und weich. Man fühlt sich sehr wohl und eigentlich kein Hersteller schafft es gut einen Sitz mit Loungesessel-Charakter in ein Fahrzeug zu integrieren. Seitenhalt dürfen Sie allerdings nicht viel erwarten. Komfort geht über Kurvenräuber-Eigenschaften.

Sonst hat sich auch hier nicht viel getan. Kopf- und Beinfreiheit bleiben überall identisch, der Kofferraum fasst weiterhin 410 bis 520 Liter (je nach Position der um 150 Millimeter verschiebbaren Rücksitzbank) und 1.289 Liter sind immer noch das maximale Ladevolumen bei umgeklappten Fond-Rücklehnen.

Diese Werte waren schon beim Vorfacelift-Modell gut. Und sie sind es immer noch. In Wo-ist-Waldo-Manier finden wir noch einen weiteren Unterschied: Die neue Mittelkonsole hat jetzt ein Fach, das mittels Schiebeelement verschlossen werden kann. Die Verarbeitung bleibt okay. An mehr Stellen auf Plastik zu verzichten, ist nicht gelungen. Auch okay.

Citroën C3 Aircross (2021) Facelift
Citroën C3 Aircross (2021) Facelift
Citroën C3 Aircross (2021) Facelift

Neben den neuen und großartigen Sitzen ist das neue 9-Zoll-Infotainmentsystem mit Touchscreen der wohl größte Zugewinn im Zuge des Facelifts. Es reagiert schneller und übersichtlicher als das Vorgängergerät und mit vernetzten Diensten für Assistenz, Navigation sowie der Verbindung mit Apple CarPlay und Android Auto am Zahn der Zeit.

Uns fehlt jedenfalls nichts. Mehr Assistenten wären natürlich cool gewesen, aber hier tut sich nichts. Die relevanten Features für passive Sicherheit sind zwar an Bord, Spurhalteassistenz mit Lenkeingriff und andere L2-Fahrhilfen sind auf dieser Fahrzeugplattform aber noch nicht vorgesehen.

Wie fährt er sich?

Unter der Haube scheint der Hersteller nach vier Jahren auf dem Markt nun zu wissen, was die C3-Aircross-Kundschaft gerne fährt und in Zukunft auf fahren will. Oder doch nicht?! Die 1,5-Liter-Dieselmotoren mit 110 oder 120 PS bleiben jedenfalls im Programm.

Der schwächere Selbstzünder wird mit der Sechsgang-Schaltung gekoppelt, die 10 PS stärkere Version kommt mit Sechsgang-Automatik vorgefahren. Angetrieben werden ausschließlich die Vorderräder. Warum der Diesel bleibt, obwohl Citroën selbst davon ausgeht, dass lediglich fünf Prozent der B-Segment-KäuferInnen ein solches Aggregat wollen? Ganz ehrlich? Wir wissen es nicht ... 

Citroën C3 Aircross (2021) Facelift

Okay ... die Diesel mit ihren 250 oder 300 Newtonmeter Drehmoment haben schon etwas mehr Druck als die beiden Benziner mit entweder 205 oder 230 Newtonmeter, aber gerade in der Warmlaufphase – aber auch auf Betriebstemperatur – fühlt es sich mittlerweile schon sehr komisch an, in einem Kompakt-SUV mit Dieselnageln zu sitzen.

Wir würden den Diesel jedenfalls nur wählen, wenn wir vorhätten, den C3 Aircross nur auf der Langstrecke einzusetzen. Dann sind rund fünf Liter Durchschnittsverbrauch nämlich nicht nur nicht schlecht, sondern auch möglich. Bei den Benzinern sollten Sie mit rund 1,5 bis 2,0 Litern mehr alle 100 km rechnen.

Trotzdem würden wir die Ottos vorziehen. Sie sprechen spontaner an und laufen trotz 3-Zylinder-Bauart ruhiger als die Selbstzünder. Dabei sollte es ihnen egal sein, ob Sie nun 110 oder 130 PS haben. Diesen Unterschied werden Sie nicht bemerken. Viel wichtiger ist die Frage, welches Getriebe es denn sein soll.

Und auch hier können wir Sie beruhigen. Beide Boxen sind am Ende die richtige Wahl und es kommt einzig auf Ihre Vorlieben und Ihren Geldbeutel an. Mehr nicht. Die Automatik weiß stets was sie tut und der Schaltstock lässt sich leicht durch die gut definierten Gassen führen. 

Was kostet er?

Bleibt die Frage nach dem Preis: Hier ändert sich genauso wenig wie überall sonst auch. Der Einstiegspreis ist natürlich etwas höher, da das Einstiegsmodell mit Saugbenziner wegfällt. Die 110-PS-Benzin-Version mit Schaltgetriebe kostet aber weiterhin 18.790 Euro. Mit ein wenig Style-Individualisierung und dem einen oder anderen Technik-Gadget landen Sie dann irgendwo mittig zwischen 20.000 und 30.000 Euro. Fair. 

Fazit: 7/10

Es ist zwar etwas schade, dass im Zuge des Facelifts nicht mehr bei Citroën C3 Aircross passiert ist, aber da da Modell auch schon vor der Überarbeitung ziemlich flexibel und ziemlich komfortabel war, kann man die behutsame Herangehensweise des Herstellers entschuldigen. Und schließlich ist das Fahrzeug ja auch nicht teurer geworden. Wenn Sie also auf die neuen Sitze, das neue Infotainmentsystem und die veränderte Optik scharf sind, ist der neue C3 Aircross sicher eine gute Wahl.

Wenn Sie auf die erwähnten Features, die neue Front und die umfangreicheren Personalisierungsmöglichkeiten verzichten können, machen Sie jetzt aber mit einem jungen Gebrauchten oder einem Jahreswagen aus der Modellreihe sicher ein gutes Schnäppchen und fahren am Ende (fast) genauso gut. 

Bildergalerie: Citroën C3 Aircross (2021) mit Facelift im Test

Citroën C3 Aircross PureTech 110

Motor 3-Zyl.-Turbobenziner
Getriebeart 6-Gang-Schaltgetriebe
Antrieb Frontantrieb
Leistung 110 PS bei 5.500 U/min
Max. Drehmoment 205 Nm bei 1.750 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 11,5 s
Höchstgeschwindigkeit 183 km/h
Länge 4.154 mm
Breite 1.824 mm (mit eingeklappten Seitenspiegeln)
Höhe 1.597 mm / 1.637 mm (mit Dachreling)
Leergewicht 1.254 – 1.410 kg
Zuladung 460 – 616 kg
Anhängelast 840 kg (gebremst bei 12% Steigung)
Kofferraumvolumen 410 – 1.289 l
Verbrauch 5,8 – 6,1 l/100km (WLTP)
Emission 132 – 138 g/km
Basispreis 18.790 Euro