Schlussbilanz nach knapp 6.000 Kilometern in drei Monaten

Unsere Zeit mit dem Sorento begann im Februar. Fünftausendneunhundertdrei Kilometer, knapp über fünfhundert Liter Diesel und neunzig Tage später hieß es dann Abschied nehmen. Was nicht leicht fiel, denn was Kia uns vor die Tür gestellt hatte, kann sich wirklich sehen lassen.

Markant bullige Optik, gepaart mit einem großzügigen Innenraum auf Oberklasse-Niveau und einem laufruhigen Selbstzünder – einzig der recht hohe Verbrauch (im Schnitt 7,90 Liter pro 100 Kilometer) jenseits der angegebenen Werte bleibt als Makel zurück.

Charakteristisch für den Sorento 2.2 CRDi AWD ist seine entschleunigende Fahrweise. Dank dem überaus komfortablen Fahrwerk und dem kultiviert laufendem 202 PS starken Vierzylinder, der selbst bei hohem Tempo dezent im Hintergrund verharrt. So entschleunigend der Kia auch wirkt – langweilig oder behäbig wären die falschen Worte, um ihn zu beschreiben. Eher besitzt er die perfekte Mischung aus gemütlichem Cruiser, schickem Lastenfahrzeug und bulligem Fullsize-SUV.

Kia Sorento 2.2 CRDi AWD (2021) im Dauertest, Teil 3

Das Achtgang-Automatik-Getriebe überzeugt mit kaum spürbaren Schaltvorgängen und sortiert die passenden Fahrstufen, je nach gewähltem Fahrmodus, verbrauchsoptimiert. Einzig bei höheren Geschwindigkeiten hat es aber schon mal Probleme, sich zwischen dem siebten und  achten Gang zu entscheiden. Doch laufen in der neuesten Generation die Kupplungen des Doppel-Kupplung-Getriebes in einem Ölbad, was laut Kia eine höhere Belastbarkeit verspricht. So lassen sich nun stolze 2,5 Tonnen Anhängelast ziehen – und die Kupplung soll für gut 300.000 Kilometer halten.

Allgemein sehr von unseren Testfahrern gelobt, wurden vor allem die bequemen Sitze und das intuitiv bedienbare Cockpit mit genau dem richtigen Verhältnis von Tasten- zu Touchbedienung. Alles findet sich dort, wo man es vermutet und auch die Verarbeitung steht der Konkurrenz à la BMW X5 oder VW Touareg in nichts nach. Die elektrisch einstellbaren Sitze sind straff und langstreckentauglich gepolstert. Sie lassen sich heizen und bei Fahrer und Beifahrer zusätzlich kühlen.

Kia Sorento 2.2 CRDi AWD (2021) im Dauertest, Teil 3
Kia Sorento 2.2 CRDi AWD (2021) im Dauertest, Teil 3

Das Navigationssystem mit dem 10,25 Zoll großen Monitor verfügt über eine fixe Routenberechnung und eine gute Kartendarstellung, während das Bose-Surround-Soundsystem mit externer Endstufe und Subwoofer den Lieblingssound auch über DAB+ abspielt. Mit an Bord ist auch das Kia-eigene System UVO-Connect, welches aktuelle Verkehrsdaten liefert und auf der eingestellten Route vor etwaigen Gefahrenstellen warnt. Nebenbei können über eine Internetverbindung auch Live-Informationen zu Verkehr, Wetter, Sehenswürdigkeiten und Parkmöglichkeiten angezeigt werden.

Und wer noch mehr "Vernetzung" erfahren möchte, lädt sich die UVO-App aus App Store oder Google Play herunter und kann mit seinem Smartphone verschiedene Fahrzeuginformationen abrufen oder einige Funktionen des Sorento fernsteuern. Dazu zählen zum Beispiel die Fernsteuerung der Klimaanlage wie auch der Türverriegelung, oder die Möglichkeit, geplante Routen vom Smartphone direkt an das Navigationssystem des Kia zu übertragen.

Apropos Parken: Über die Möglichkeit, den Sorento mittels Schlüssel in enge Parklücken zu manövrieren, hatte ich bereits in den ersten beiden Teilen unseres Dauertests geschrieben. Kann in manchen Situationen von Nutzen sein, genutzt wurde es von uns in den drei Monaten lediglich zwei Mal. Daneben bietet der Koreaner noch viele weitere Assistenzsysteme, genauer gesagt satte dreizehn weitere, wobei hier vor allem der aktive Totwinkelassistent, der Stauassistent und der Ausstiegsassistent hervorzuheben sind.

Beim aktiven Totwinkelassistent zeigt das 12,3 Zoll große Instrumentendisplay (in den Rundinstrumenten, wo normalerweise Tachometer und Drehzahlmesser dargestellt sind) beim Betätigen des Blinkers ein Live-Bild der in den Seitenspiegeln platzierten Kameras. Zugleich bleibt bei aktiver Anzeige der Kamerabilder die aktuelle Geschwindigkeit beziehungsweise Drehzahl für den Fahrer sichtbar. Dass der Kia Sorento außerdem auch Lenk- und Bremseingriffe durchführt, um eine Kollision mit dem Nachbarn zu vermeiden, ist selbstverständlich.

Kia Sorento 2.2 CRDi AWD (2021) im Dauertest, Teil 3
Kia Sorento 2.2 CRDi AWD (2021) im Dauertest, Teil 3

Der Stauassistent (Lane Follow Assist) ist eine "Level 2"-Technologie des autonomen Fahrens, wobei das System die Markierungen auf der Straße erkennt und den Sorento mittig in seiner Fahrspur hält. Darüber hinaus orientiert sich der Assistent mit Hilfe von Radarsensoren am vorausfahrenden Verkehr und übernimmt das Beschleunigen, Bremsen und Lenken.

In Verbindung mit der adaptiven Geschwindigkeitsregelanlage (ISLA), welche ausgeschilderte Tempolimits per Kamera erkennt, und der navigationsbasierten Geschwindigkeitsregelanlage (NSCC) – diese passt die Geschwindigkeit vor Kurven oder Ausrollstrecken an – kommt man sich fast so vor, als wenn man gar nicht mehr selbst fahren müsste.

Kia Sorento 2.2 CRDi AWD (2021) im Dauertest, Teil 2
Kia Sorento 2.2 CRDi AWD (2021) im Dauertest, Teil 2

Last but not least, und vor allem für geplagte Familienväter interessant, sei noch der Ausstiegsassistent erwähnt. Dieser verhindert, dass die hinteren Türen geöffnet werden können, falls sich ein Radfahrer oder ein anderes Fahrzeug nähert. Alle drei erwähnten Sicherheitsassistenten sind in der höchsten Ausstattungslinie "Platinum" ab Werk dabei, können aber bereits ab der zweitgünstigsten Ausführung "Vision" gegen Aufpreis geordert werden.

Vorbildlich von Kia: Der Lane Follow Assist in Kombination mit der navigationsbasierten und adaptiven Geschwindigkeitsregelanlage ist ab "Vision" bereits Serie – genauso wie der Autobahnassistent, das Navigationssystem und bei den Allrad-Modellen der All-Terrain Mode.

Kia Sorento 2.2 CRDi AWD (2021) im Dauertest, Teil 3
Kia Sorento 2.2 CRDi AWD (2021) im Dauertest, Teil 3
Kia Sorento 2.2 CRDi AWD (2021) im Dauertest, Teil 3

Für einen Ausflug abseits befestigter Straßen hält der Sorento als Allradmodell mit besagtem All-Terrain Mode drei verschiedene Offroad-Fahrprogramme bereit. Per Drehregler lässt sich der Allrad-Antrieb für Matsch, Schnee oder sandigen Untergrund einstellen, je nachdem welcher Modus den jeweiligen Bedingungen am besten entspricht.

Im "Snow"-Modus wird auf eisigen oder schneebedeckten Untergrund der Schlupf der Räder für eine höhere Fahrstabilität reduziert. Der "Mud"-Modus begrenzt auf schlammigem Untergrund das Hochschalten des Getriebes und sorgt damit für ein höheres Drehmoment. Zu guter Letzt bleibt noch der "Sand"-Modus, der das Eingraben der Räder auf losem Untergrund verhindert.

Bleibt noch der Preis, der für einen Kia dann doch recht ordentlich ausfällt. So steht der neue Sorento in der einfachsten Ausstattungsvariante "Edition 7" mit Frontantrieb und 202 PS starker Dieselmotorisierung ab 42.490 Euro beim Händler. Löblich: Bereits in der günstigsten Grundausstattung sind Frontkollisionswarner, Stauassistent, Spurhalteassistent, Parksensoren inklusive Rückfahrkamera, eine Klimaautomatik und noch einige weitere Ausstattungsdetails mit an Bord.

Kia Sorento 2.2 CRDi AWD (2021) im Dauertest, Teil 3

In der von uns getesteten Ausstattung "Platinum" mit Allradantrieb sind dann stolze 55.790 Euro fällig, wobei Kia hier fast alles an Ausstattungsdetails verbaut, was die Preisliste hergibt. An Extras sind dann nur noch verfügbar: ein Panorama-Glasdach plus LED-Innenraumbeleuchtung für 990 Euro, die in unserem Testwagen verbaute dritte Sitzreihe für ebenfalls 990 Euro und die Vorbereitung für eine abnehmbare Anhängerkupplung für 690 Euro. Kosten von 720 bis 920 Euro verursacht dann noch die Wahl der Außenlackierung, außer man gibt sich mit der Standardfarbe Schneeweiß zufrieden.

Was bleibt nach den drei Monaten als Fazit? Kia hat ein durchweg grandioses SUV mit dem neuen Sorento auf die Räder gestellt. Klar sind knapp über 55.000 Euro (in der Platinum-Ausstattung) für ein Import-Fahrzeug kein Pappenstiel, aber dafür erreicht der Sorento bei Verarbeitung, Innenraum-Wohlfühlcharme und technischen Assistenzsystemen deutsches Premium-Niveau – und toppt dies noch mit den markentypischen sieben Jahren Garantie.

Ein BMW X5 xDrive25d beginnt bei 68.700 Euro, wohlgemerkt "nackt" in der Basic-Ausstattung. Zwar bietet der X5 ein paar Pferdchen mehr und mag vielleicht auch mehr Prestige mit sich bringen, aber ist das mindestens 13.000 Euro zusätzlich wert? Subjektiv gesagt: Ich würde den Sorento nehmen und mir für die gesparten Scheinchen einen Picanto als Stadtflitzer zulegen – oder einen passenden Caravan für den nächsten Familienurlaub!

Bildergalerie: Kia Sorento 2.2 CRDi AWD (2021) im Dauertest, Teil 3

Bild von: Fabian Grass

Kia Sorento 2.2 CRDi AWD

Motor Vierzylinder-Turbodiesel, 2.151 ccm
Leistung 148 kW (202 PS) bei 3.800 U/min
Max. Drehmoment 440 Nm bei 1.750 - 2.750 U/min
Antrieb permanenter Allradantrieb
Getriebeart Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe
Beschleunigung 0-100 km/h 9,2 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 202 km/h
Länge 4.810 mm
Breite 1.900 mm
Höhe 1.700 mm (mit Dachreling)
Kofferraumvolumen 821 - 2.011 Liter
Anzahl der Sitze 7
Leergewicht 2.029 kg
Zuladung 706 kg
Anhängelast 2.500 kg (gebremst, bei 12 Prozent Steigung)
Bodenfreiheit 176 mm (minimal)
Böschungswinkel 16,8 Grad (vorne), 21,3 Grad (hinten)
Rampenwinkel 16,5 Grad
Verbrauch 5,7 - 6,0 Liter/100 km (WLTP)
Emission 150 - 158 g CO2/km (WLTP)
Basispreis 42.490 Euro
Preis des Testwagens 57.470 Euro