Bringt das 48-Volt-Mildhybrid-System handfeste Vorteile?

Alle guten Dinge sind elektrifiziert, und so erweitert Land Rover die Range-Rover-Palette. Nach den Plug-in-Hybrid-Versionen von Range Rover und Range Rover Sport folgt nun der Range Rover Sport mit Mildhybrid-System (mHEV). Anders als die Variante mit Stecker hat unser Testwagen einen Reihensechszylinder unter der Haube und profitiert vom 48-Volt-Mildhybrid-System, welches den 3,0-Liter-Motor im Stillstand abschaltet.

Die 48-Volt-Batterie versorgt nicht nur das Start-Stopp-System mit Strom, sondern auch den Twin-Scroll-Turbolader sowie einen elektrischen Verdichter. Letzterer sorgt dafür, dass der Turbo schon bei niedrigen Drehzahlen arbeitet, womit die 400 PS und maximal 625 Newtonmeter verzögerungsfrei ansprechen.

Der dabei generierte Vortrieb ist enorm und für ein Fahrzeug dieser Gewichtsklasse fast schon beängstigend. In 5,9 Sekunden stürmt der gut 2.300 Kilogramm schwere Brite von 0 auf 100 km/h und liegt so auf Augenhöhe mit Hot Hatches wie dem Renault Megane R.S. oder dem Ford Focus ST.

Wie sind die Fahreigenschaften?

Das dynamisch geregelte Luftfahrwerk des Range Rover Sport kann, je nach aktueller Fahrsituation oder Lust und Laune, über den unteren 10-Zoll-Touchscreen (alternativ via Fahrmodi-Schalter in der Mittelkonsole) ans Terrain angepasst werden. Die komfortable Federung lässt einen vom Alltag abschalten und schluckt störende Bodenunebenheiten wunderbar.

Ja, eigentlich bringt der Range Rover Sport die besten Voraussetzungen mit, um auf der Straße einen guten und auch etwas sportlichen Eindruck zu hinterlassen. Tatsächlich setzt Range Rover aber eindeutig auf gelassenen Komfort und weniger auf beinharte Performance. Zwar kann man dynamischer um Kurven fahren als in einem Volvo XC90, ein vergleichbarer BMW X5 lässt sich aber mit weniger Wankneigung und einer direkteren Lenkung bewegen.

Range Rover Sport P400 (2020) im Test
Range Rover Sport P400 (2020) im Test

Wie sieht es im Gelände aus?

Wo der Range aber allen Premium-Luxus-SUVs voraus ist? Im Gelände. Mit der Luftfederung auf Geländehöhe justiert, beträgt die Bodenfreiheit 29 Zentimeter, die Wattiefe liegt bei satten 85 Zentimeter. Dazu gesellen sich gute Werte bei Böschungs- und Rampenwinkel, welche die Offroad-Fähigkeiten des Range Rover Sport verdeutlichen. Zusätzliche Features wie Berganfahr- und Bergabfahrhilfe, sowie ein optionales Offroad-Paket mit zweistufigem Verteilergetriebe und dem „All Terrain Progress Control“-System machen den Wagen zu einem wahren Offroader.

Range Rover Sport P400 (2020) im Test
Range Rover Sport P400 (2020) im Test

Wie steht es um den Verbrauch?

Begnügt sich der Range Rover Sport P400 laut Datenblatt noch mit 9,2 Liter im Verbrauch, sollte man im Alltag zwei bis drei Liter mehr einkalkulieren. Das kommt natürlich auf die Situation an. Bei zügiger Fahrt auf der Autobahn (Durchschnittsgeschwindigkeit zirka 130 km/h), haben wir gute zwölf Liter verbraucht, in der Stadt zum Feierabendverkehr können es gut und gerne aber auch mal 17 Liter sein.

Das Acht-Gang-Automatik-Getriebe sortiert die Fahrstufen zwar verbrauchsoptimiert, bei höheren Geschwindigkeiten hat es aber schon mal Probleme sich zwischen dem siebten oder achten Gang zu entscheiden. Und auch wer gerne mal sportlich fährt, sollte lieber mit Hilfe der Schaltwippen am Lenkrad die Gänge manuell wechseln.

Was ist sonst noch neu?

Die überarbeitete Version des Range Rover Sport erkennt man gut an der veränderten Lichtsignatur der Scheinwerfer, welche neben ihrer Eleganz auch einen hohen Wiedererkennungswert mit sich bringt. Matrix-, oder wie im Falle unseres Testwagens, Pixel-Laser-LED-Scheinwerfer bringen jetzt noch mehr Licht ins Dunkel, wirken aber auch tagsüber elegant und stilprägend.

Im Innenraum zeigt der stattliche Brite viel Geschmack. Leder überzieht Sitzflächen und Teile der umliegenden Armaturen, das 14-fach verstellbare Gestühl ist straff und langstreckentauglich gepolstert und bietet guten Seitenhalt. Es lässt sich weiterhin heizen und zumindest vorne kühlen, die Arme rasten auf verstellbaren Armlehnen und das Platzangebot ist insgesamt üppig bemessen.

Range Rover Sport P400 (2020) im Test
Range Rover Sport P400 (2020) im Test

Wie ist der Innenraum?

Anschlussmöglichkeiten für das Smartphone, farblich konfigurierbare Ambientebeleuchtung und optional sogar ein integrierter Mini-Kühlschrank in der Mittelkonsole sind gesetzt, physische Schalter und Bedieneinheiten gibt es dagegen so gut wie nicht. Die Digitalisierung im überarbeiteten Range ist unübersehbar und neben dem digitalen 12,3-Zoll-TFT-Instrumentendisplay vor dem Lenkrad ist auch der große Center-Screen vor der Mittelkonsole kaum zu übersehen.

Die meisten Optionen des Range Rover Sport lassen sich über das Multifunktionslenkrad und den bereits erwähnten Center-Screen steuern. Das „Touch Pro Duo“ genannte Infotainment-System besteht aus zwei 10-Zoll-Touchscreens, wobei unterer für die 3-Zonen-Klimaautomatik samt Ventilation sowie für die Sitzheizung und die Fahrmodi zuständig ist.

Über einen zweiten, direkt darüber platzierten Touchscreen steuert man im Endeffekt den gesamten Rest wie Navigation, Multimedia, Konnektivität, Einstellung und weiteres. Drei Drehknöpfe dienen noch einmal zur direkten Regelung von Temperatur und Lautstärke der Boxen.

Range Rover Sport P400 (2020) im Test
Range Rover Sport P400 (2020) im Test
Range Rover Sport P400 (2020) im Test

Was gibt es sonst noch?

Das Audio- und Entertainmentsystem im gefahrenen Range Rover Sport stammt vom britischen Hersteller Meridian, der außer Jaguar Land Rover keinen weiteren Hersteller ab Werk ausstattet. Für 3.627 Euro liefert es neben hervorragendem Surround-Klang aus 18 Lautsprechern und einem Zwei-Kanal-Subwoofer zusätzlich zwei, in die Kopfstützen der Vordersitze integrierte, 8-Zoll-Bildschirme, einen DVD-Player im Handschuhfach, DAB+ und eine 230-Volt-Steckdose im Fond. Zwei Infrarot-Kopfhörer sichern dabei ungestörtes Entertainment und versorgen die eigenen Kinder im Fond mit bestem Film- und Serienspass.

Range Rover Sport P400 (2020) im Test
Range Rover Sport P400 (2020) im Test

Was kostet mich dieses Fahrzeug?

Bleibt noch der Preis, der dann doch mehr als ordentlich zu Buche schlägt. So steht der neue Reihensechszylinder-Benziner P400 für mindestens 88.500 Euro in der Liste und startet in der von uns getesteten Ausstattung HSE bei 94.300 Euro. Dabei überzeugt nicht jedes Innenraumdetail mit einer dem hohen Preis angemessenen Verarbeitung und manche Schalter und Knöpfe dürften entsprechend ruhig hochwertiger daherkommen.

Fazit: 8/10

Der Range Rover Sport P400 ist nicht weniger als ein technisches Wunder: ein luxuriöses Fullsize-SUV mit viel Stauraum, das technisch auf Höhe der Zeit ist, in unter 6 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigt, 225 km/h an Topspeed erreicht und dazu noch echte Offroad-Fähigkeiten besitzt.

Also, wie ist es nun, hat uns der Testwagen umgehauen? Um ehrlich zu sein: Nein. Und dann doch! Fahrerisch kann er mit der dynamischeren Konkurrenz eines BMW X5 nicht ganz mithalten. Doch durch vereinzelte Segeleinlagen und die Mild-Hybrid-Unterstützung sinkt der Alltagsverbrauch in einen vertretbaren Rahmen, wobei die Performance des P400 stets mehr als ausreichend ist.

Bildergalerie: Range Rover Sport P400 (2020) im Test

Bild von: Fabian Grass

Range Rover Sport P400

Motor Sechszylinder-Turbobenziner mit Mildhybrid-System, 2.996 ccm
Leistung 400 PS / 294 kW bei 5.500 - 6.500 U/min
Max. Drehmoment 550 Nm bei 2.000 - 5.000 U/min
Getriebeart Achtgang-Automatikgetriebe
Antrieb Allradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h 5,9 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
Verbrauch 9,2 Liter/100 km
Emission 209 Gramm CO2 pro km
Länge 4.879 mm
Breite 2.073 mm
Höhe 1.803 mm
Kofferraumvolumen 780 - 1.686 Liter
Leergewicht 2.285 kg
Zuladung 765 kg
Anhängelast 3.500 kg
Bodenfreiheit 278 mm
Rampenwinkel vorne max. 33,0° / hinten max. 30,0°
Wattiefe 850 mm
Basispreis 88.500 Euro