Ist das schicke Schrägheck eine Kombi-Alternative?

Was ist das erste Auto, an das Sie sich bewusst erinnern können? Bei mir ist es ein VW Passat, Baujahr 1978, in Marsrot mit 75 PS. Und Schrägheck, denn die bis dato dreiköpfige Familie war um meine Wenigkeit gewachsen. Eigentlich hätte sich Vaddern auch für einen Passat Variant entscheiden könnnen, doch er nahm den Fünftürer mit der großen Heckklappe. Gut, er sparte sich damit einige Mark, doch er war auch nicht alleine: In den 1980er-Jahren war das Schrägheck in der Mittelklasse total normal, man denke nur an den Ford Sierra oder Opel Ascona. Doch dann kam erst der Van- und dann der SUV-Boom. Wenn es heute überhaupt noch ein Schrägheck gibt, wird das böse Wort blumig umschifft. So nennt Hyundai die dritte Karosserievariante des i30, die 2018 auf den Markt kam, staatstragend "Fastback". Bietet sie sich als Alternative zum Kombi an? Wir haben den i30 Fastback mit 140-PS-Turbobenziner getestet.

Gut sieht er ja aus. Aber was passt hinein?

Besonders in der Farbe "Fiery Red Metallic" unseres Testwagens kann sich der Hyundai i30 Fastback sehen lassen. Fast ist man bemüßigt, vom "Audi A5 Sportback des kleinen Mannes" zu sprechen. Direkte Konkurrenz hat er in der Kompaktklasse kaum, dort regieren Steilheck und Kombi. Einzig konzernintern wagt der Kia ProCeed mit seiner Shooting-Brake-Optik etwas ähnlich Besonderes.

Doch wenden wir uns den Fakten zu: Alle drei Varianten des Hyundai i30 weisen einen Radstand von 2,65 Meter auf. Mit 4,45 Meter ist der Fastback elf Zentimeter länger als der Fünftürer (4,34 Meter), aber 13 Zentimeter kürzer als der Kombi (4,58 Meter). Verkehrsgerechte Abmessungen, allerdings ist die Sicht nach hinten durch die flache Heckscheibe miserabel. Ohne Parkpiepser oder noch besser Kameras läuft hier nix.

Schränkt der schnittige Look das Platzangebot ein? Nun, hinten wird es an den Knien und über dem Kopf kuschelig. Allerdings gilt das nur, wenn Sie wie ich 1,88 Meter messen. Aber selbst dann lässt es sich aushalten, nur sollte es nicht acht Stunden durch Europa gehen. Vereitelt wird das auch durch die zu weich gepolsterterten Vordersitze. Hier sollte Hyundai nochmal nachbessern, die AGR-Sitze im Opel Astra zeigen, wie es geht. Ansonsten ist das Cockpit ohne Fehl und Tadel, es unterscheidet sich zum Glück nicht von den anderen i30. Warum "zum Glück"? Nun, alles lässt sich einfach bedienen, klar gezeichnete Instrumente ohne übertriebenen Digital-Schnickschnack bringen Ruhe für die Augen. Ergonomisch ist der Arbeitsplatz des i30-Fahrers Klasse. Abzüge gibt es nur für den etwas schlichten Kunststoff in den Türen.

Ist die große Heckklappe nur schön oder bringt sie auch handfeste Vorteile? Ja, wie der direkte Vergleich zeigt: 450 bis 1.351 Liter Gepäck passen beim i30 Fastback hinein, rund 50 Liter mehr als beim Fünftürer (395 bis 1.301 Liter). Durch sein Längenplus und die kastigere Form liegt der Kombi naturgemäß vorne: 602 bis 1.650 Liter. Trotzdem schluckte der Fastback in der Praxis diverse Getränkekästen und einen Großeinkauf, leider muss alles aber über eine recht hohe Ladekante gewuchtet werden.

Wie fährt er sich?

Angenehm unaufgeregt. Hyundai liefert den i30 Fastback nur mit dem 120-PS-Turbobenziner als Basis aus, weshalb der Fastback bei 22.350 Euro startet. Mein Testwagen war mit dem 140 PS starken 1,4-Liter-Turbobenziner ausgerüstet, dazu gesellte sich ein Doppelkupplungsgetriebe (DCT) mit sieben Gängen. Um es gleich vorweg zu sagen: Wer sportliche Ambitionen hat, sollte sich den neuen i30 N Fastback mit bis zu 275 PS ansehen. Wer aber gerne gelassen fährt, ohne zum Verkehrshindernis zu mutieren, ist mit der 140-PS-Maschine plus DCT bestens bedient. Abgesehen von einer Anfahrschwäche sortiert das Getriebe die sieben Gänge unauffällig und hält die Drehzahl niedrig. Laufruhig geht der Motor seiner Arbeit nach, auf der Langstrecke sind der adaptive Tempomat und gute Verkehrszeichenerkennung eine schöne Ergänzung. Allerdings stößt der Abrollkomfort mit den 18-Zoll-Alus der Topausstattung "Premium" an seine Grenzen. Wer sich mit den 17-Zöllern der niedrigeren Ausstattungen begnügt, trifft keine schlechte Wahl.

Kostet die Form viel Aufpreis?

Bevor ich zur Beantwortung dieser Frage komme, lassen Sie uns noch auf den Verbrauch schauen. Ab Werk ist der Hyundai i30 Fastback 1.4 T-GDI DCT mit 5,6 Liter angegeben. Wir kamen im Durchschnitt auf 7,5 Liter, nach langen Autobahnetappen mit durchschnittlich 130 km/h auf 6,7 Liter. Beides sind Werte, die absolut in Ordnung gehen. Ist der Preis auch in Ordnung? Nun, in Topausstattung kostet der i30 Fastback mit 140 PS und DCT exakt 29.670 Euro. Damit liegt er exakt 600 Euro über dem Fünftürer und 400 Euro unter dem Kombi.

Fazit: 8 von 10 

Gewiß, die Optik des Hyundai i30 Fastback bleibt Geschmacksache. Aber er ist in vierlei Hinsicht eine schöne Alternative für kinderlose Paare oder ältere Paare, deren Kinder bereits aus dem Haus sind. Wer für Hobby oder Freizeit etwas mehr Platz will, ohne ständig nutzlos Raum in Gestalt eines Kombi zu bewegen, ist mit dem i30 Fastback bestens bedient. Warum ist das gute alte Schrägheck eigentlich fast ausgestorben? 

Hyundai i30 Fastback

Motor Vierzylinder-Turbobenziner
Leistung 103 kW (140 PS) bei 6.000 U/min
Max. Drehmoment 242 Nm bei 1.500 U/min
Getriebeart Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb Frontantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h 9,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h
Verbrauch 5,7 Liter/100 km
Emission 145 g/km
Länge 4.455 mm
Breite 1.795 mm
Höhe 1.425 mm
Kofferraumvolumen 450 - 1.351 Liter
Leergewicht 1.362 kg
Zuladung 498 kg
Anhängelast 1.410 kg
Basispreis 25.150 Euro
Preis des Testwagens 32.210 Euro

Bildergalerie: Hyundai i30 Fastback 1.4 T-GDi im Test

Bild von: Fabian Grass