Wuchtig, klassisch, einfach heftig: Der Über-Chrysler im Test

Eine Detektei würde diesen Wagen wohl nicht als Observierungsfahrzeug kaufen: Dafür dürfte der Chrysler 300C Touring einen Tick zu auffällig sein. Wir haben es selbst erlebt: An der Tankstelle oder an der roten Ampel – unser Testwagen bekommt die ungeteilte Aufmerksamkeit. ,Was hat der denn für eine Maschine?" ,Was kostet der denn?" ,Der verbraucht sicher viel?", fragen die Leute. Die Reaktion bei den Antworten sind meist: ,Wow... boah..." und ein erstauntes Gesicht. Wenn Sie wissen möchten, warum das bei welcher Antwort so ist, lesen Sie unseren Test des Chrysler 300C Touring 5.7 V8 AWD.

Respekt einflößende Erscheinung
Der 300C Kombi wirkt wie der vielzitierte Fels in der Brandung: Chrom-Applikationen an den Spiegeln und den Stoßfängern vermitteln den Eindruck einer edlen Limousine, die mit einer Länge von knapp über fünf Metern in die Liga von 7er und S-Klasse mitspielt. Der Wagen strahlt wuchtige Eleganz aus. Das Wort ,filigran" kann man in diesem Zusammenhang allerdings vergessen: Die klassisch-kastige Form, die markante Frontpartie mit dem massiven Kühlergrill und die wuchtigen 18-Zöller flößen Respekt ein. Das mächtige Schuhwerk verrät, dass der Begriff ,Riesenräder" nicht unbedingt nur mit Rummelplätzen in Verbindung gebracht werden muss.

Geduckter Eindruck
Schuld am martialischen Auftritt hat auch die eigenwillige Formgebung der Karosserie. Der 300C Touring wirkt geduckt. Während die Türen-Partie nach leicht hinten ansteigt, wird das Dach flacher. Die ohnehin recht kleinen Seitenfenster verjüngen sich nach hinten.

Zwei Auspuffenden eher dezent
Ein dickes Ende: Die zwei Auspuffenden am beeindruckenden Hinterteil des Chrysler-Kombi wirken nahezu verloren und tun nichts vom prallgefüllten Pferdestall weiter vorn kund. Da ist die Beschilderung schon eindeutiger: "300C Hemi" steht da und "AWD". Der Kenner weiß, dass hier ein 5,7-Liter-V8 sein starkes Werk verrichtet und der große Kombi von allen vier Rädern getrieben wird.

Sessel für lange Strecken geeignet
Große Bügelgriffe öffnen den Weg ins Innere des 300 C Touring. Ledersitze laden ein, Platz zu nehmen. Die Sessel erweisen sich besonders auf langen Strecken als sehr bequem und lassen entspannt ankommen. Nur Seitenhalt dürften sie ein wenig mehr bieten. In der zweiten Reihe können die Gäste jede Menge Kniefreiheit genießen. Auch zwischen Kopf und Dach ist bei einem 1,80 Meter großen Menschen hinten noch genügend Luft.

Ab Werk dickes Ausstattungspaket
Das Cockpit ist aufgeräumt und funktional gegliedert. Insgesamt macht das Interieur einen gefälligen Eindruck, wirkt aber aufgrund eines hohen Plastik-Anteils beim Instrumenteneinsatz und am Lenkrad-Pralltopf nicht so wertig wie bei anderen Mobilen dieser Preisklasse.

Gute Ausstattung ab Werk
Die Ausstattung lässt wiederum kaum Wünsche offen. Sogar die Lederbezüge, das DVD-Navigationssystem mit großem Farbmonitor, der CD-Wechsler und die Zweizonen-Klimaautomatik sind ab Werk an Bord. Die Liste der aufpreispflichtigen Extras ist ungewohnt kurz, nur die getönten Scheiben für den Fond, das Walnuss-Dekor für Wählhebel, Türgriffe und Lenkrad, die MP3-Funktion und das Schiebedach sind bei unserem Testwagen gegen Extra-Geld zu haben.

Gepäckabteil mit 630 Litern
Wir untersuchen die Kombi-Qualitäten: Die Heckklappe schwingt beim Aufmachen weit nach oben und öffnet ein paar Zentimeter des Daches mit. Hinter der großen Heckklappe verbirgt sich ein geräumiges Ladeabteil: Bis zu 630 Liter Gepäck passen hier rein. Kleine Utensilien können in den verschiedenen Fächern des doppelten Laderaumbodens versteckt werden. Dieses Stausystem lässt sich auch komplett herausnehmen. Wer noch mehr transportieren muss, kann mit wenigen Handgriffen die Lehnen der Rückbank umlegen und sich so einen Raum von 1.602 Litern zaubern.

Geborgenes Gefühl
Das eigentlich Schöne an diesem Auto ist das Feeling im Innenraum. Gut beschützt vor der Außenwelt sitzt man hinter dem Volant und genießt das gute Platzangebot. Besonders im dichten Stadtverkehr vermittelt der 300C Touring den Insassen ein geborgenes ,My-car-is-my-Castle"-Gefühl. Leider erweist sich das Castle dann auch beim Einparken als eine schwer einnehmbare Burg: Die Sicht nach hinten ist aufgrund der kleinen Fenster nicht optimal. Es gibt aber eine elektronische Parkhilfe, die beim Rangieren hilft.

Gewaltiger Vortrieb
Doch erleben wir lieber erst einmal den gewaltigen Vortrieb. Nach dem Einlegen der Fahrstufe und dem ersten Gasgeben ist klar: Der große Chrysler hat nicht zu viel versprochen. Aber das ist kein Wunder: Hinter dem massiven Grill wummert der bereits erwähnte 5,7-Liter-Hemi-Motor, dessen 340 Pferde rausgelassen werden wollen. Anfahren ist ein Genuss für sich: Der Vorderwagen hebt sich leicht, aber so merklich, wie man das von einem typischen amerikanischen Wagen erwartet. Dazu faucht der V8 zunächst kraftvoll, aber unterdrückt. Der über zwei Tonnen schwere Oberklasse-Kombi zieht so druckvoll nach vorn, dass man das Lenkrad unwillkürlich straffer anpackt. Diese phänomenale Kraftentfaltung heißt in Zahlen ausgedrückt: In 6,4 Sekunden ist der Sprint auf Tempo 100 absolviert, bei 250 km/h wird abgeregelt.

Gute Elastizität
Auch in puncto Elastizität verhält sich der wuchtige Wagen richtig schön agil: Schließlich stehen bei 4.000 Touren 525 Newtonmeter Drehmoment bereit. Zur Power kommt die Musik: Die Geräuschkulisse ist das ganze Drehzahlband durch so kraftvoll, wie man das von einer achtzylindrigen Maschine erwartet. Nur bei sehr hohen Touren wird die Pferdeschar wohl böse und brüllt doch recht laut.

Sanfte Fünfgang-Automatik
Eine Fünfgang-Automatik kümmert sich um die Kraftübertragung. Wer mag, kann auch am Schalthebel sequenziell die Gänge wechseln. Im Automatikmodus schaltet das Getriebe sanft, nur beim beherzten Kick-down ist der Schaltvorgang deutlich zu spüren. Die Schaltung passt sich dem Fahrstil des Fahrers an und dreht die Gänge bei einer ambitionierten Fahrweise entsprechend höher aus.

Satte Lage auf der Autobahn
Dank des permanenten Allradantriebes (62 Prozent der Kraft fließt an die Hinterachse, 38 Prozent treiben die Vorderräder an) setzt sich der Mega-Chrysler ohne Traktionsprobleme in Bewegung und liegt satt auf der Straße. Auch bei hohen Autobahngeschwindigkeiten kommt keine Unsicherheit auf. Auf kurvigen Landstraßen lässt die etwas indirekte Lenkung zwar kein wirkliches Sportwagen-Handling zu, aber für seine Größe kann das Mobil auch ambitioniert durch die Biegungen gescheucht werden. Zudem ist die Seitenneigung der Karosserie überraschend geringer als wir es von dem großen Chrysler erwartet hätten. Das Fahrwerk ist insgesamt relativ straff ausgelegt. Kurze Bodenwellen werden den Insassen häufiger gemeldet, als in dieser Klasse üblich.

Hoher Spritverbrauch
Kommen wir zu einem kleinen, besser gesagt großen Wermutstropfen des starken Gefährts: dem Spritverbrauch. Der Hersteller gibt den Durchschnitt mit 13,2 Litern an. Das erscheint uns eher als zurückhaltende Angabe. Wir haben den Durst des Kombis kaum auf unter 17 Liter zügeln können – selbst bei bewusst defensiver Fahrweise. Bei langen Autobahn-Etappen saugt sich das großvolumige Aggregat schon mal über 20 Liter durch die Düsen. Da der Wagen nur einen 73-Liter-Tank hat, müssen längere Schnellstraßen-Trips öfter unterbrochen werden.

Vier Zylinder schalten sich ab
Dabei ist eigentlich bereits ab Werk eine Spritspar-Vorrichtung montiert: Der Hemi-Motor verfügt über eine automatische Zylinderabschaltung. Wird von der Maschine nicht die volle Kraft abgefordert, schalten sich vier der acht Zylinder ab. Die Ab- und Zuschaltung passiert in Sekundenbruchteilen ruckfrei und vom Fahrer völlig unbemerkt. Das soll bis zu einem Fünftel Sprit sparen.

Vergleichsweise günstig
Dafür gibt es wieder etwas Positives über den Preis zu sagen: Unser Testwagen kostet 54.750 Euro und hat dafür fast alles an Bord, was man sich in dieser Klasse wünscht. Der Preis klingt im ersten Moment hoch, aber im Vergleich sieht die Sache schon wieder anderes aus. Da es in der Oberklasse keine Kombis dieser Größe gibt, schauen wir zu den Premium-Marken eine Nummer kleiner: Ein BMW 545i Touring ist ab 60.500 Euro zu haben, ein Mercedes E 500 T kostet knapp 62.000 Euro, der neue Audi A6 Avant 4.2 quattro steht mit 62.800 Euro in der Liste.

Preisliste


Chrysler 300C Touring 5.7 V8 AWD

Grundpreis: 54.750 Euro
Dachreling 260
Glasdach 1.150
Pedalerie elektrisch einstellbar 260
CD-Wechsler und MP3-Player 400
Seitenscheiben hinten und Heckscheibe schwarz getönt 320
Walnussholz-Dekor 350

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart V-Motor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 5.654 
Leistung in PS 340 
Leistung in kW 250 
bei U/min 4.000 
Drehmoment in Nm 525 
Antrieb Allradantrieb 
Gänge
Getriebe Automatik 
Maße und Gewichte
Länge in mm 5.015 
Breite in mm 1.880 
Höhe in mm 1.475 
Radstand in mm 3.050 
Leergewicht in kg 2.050 
Zuladung in kg 375 
Kofferraumvolumen in Liter 630 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.602 
Tankinhalt in Liter 73 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 250 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,4 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 13,2 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 19,0 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 9,9 
Schadstoffklasse Euro 3 

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