Ab ... durch die Mitte: Porsche macht den Cayman bissiger
320 PS im Mittelmotor-Sportler: Direkteinspritzung, PDK, neues Fahrwerk
Neue, frische Farben
Porsche treibt es ziemlich bunt: Von weitem sieht der Cayman-Testfuhrpark vor einem Hotel in Südspanien aus wie eine Packung M&Ms: Rot, gelb, grün und blau leuchten die kompakten Boliden in der Sonne. ,Rubinrotmetallic", ,Racinggreenmetallic, und ,Aquablaumetallic" nennt der Hersteller die neuen Lackierungen, die Farbe ins Spiel bringen. Für unseren Test entscheiden wir uns – der Name ist Programm – für einen Cayman S in ,Speedgelb".
Scheinwerfer in Zwei-Tuben-Optik
Klein, aber fein sind die von außen sichtbaren Änderungen im Vergleich zum Vorgänger. Gewachsene Lufteinlässe und weiter nach außen gewanderte Nebellampen kennzeichnen die Frontpartie. Der große Grill unter dem Nummernschild wurde größer und verleiht dem Gesicht ein hintergründiges Grinsen. Die neuen Scheinwerfer in Zwei-Tuben-Optik sollen an den Super-Porsche Carrera GT erinnern. Auch von hinten sieht man den Feinschliff am kleinen S-Krokodil: Die neuen Heckleuchten strahlen mit LED, die Schürze hat unter anderem eine neu gestaltete Kennzeicheneinfassung bekommen. Darunter sitzen mittig zwei kreisrunde Auspuffenden.
Rennschalen: Nur bedingt empfehlenswert
Dass in unserem gelben Wagen die Post richtig abgehen könnte, bemerken wir beim Einsteigen. Wir probieren zunächst ein Auto mit den 3.963 Euro teuren Rennschalensitzen. Dieses Gestühl ist aufgrund hoher, beim Ein- und Aussteigen hart am Oberschenkel drückender Seitenwangen eher den Fans knallharter Sportwagen zu empfehlen. Bei den Rennschalen kann man zudem die Lehne nicht in der Neigung verstellen, was auf langen Strecken zu Rückenproblemen führen kann. Wir bevorzugen die bequemen Komfortsitze, die dennoch auch in einem Dynamik-Renner wie dem Cayman S noch genügend Seitenhalt bieten.
Neue Mittelkonsole, neues Display
Im eleganten Leder-Interieur fallen uns die neu gestaltete Mittelkonsole und das ebenfalls überarbeitete Navigationssystem mit nun 6,5 Zoll großem Display auf. Es hat jetzt weniger Tasten, zudem wurden die Regler für die Klimaanlage zusammengefasst. Unter den Klima-Tasten sehen wir eine weitere Leiste: ,Sport", ,Sport Plus" und eine Taste mit einem Stoßdämpfersymbol wecken in uns dem Wunsch, endlich abzudüsen.
Cayman S: Jetzt Benzindirekteinspritzung
Also, Zündschlüssel ins Schloss links neben dem Lenkrad und den Schlüssel rumdrehen. Einen Startknopf gibt es nicht. Hinter uns wacht der Boxer auf und brabbelt vielversprechend. Für die Neuauflage wurden beim Auspuff und Motorensound am Volumen-Regler gedreht. Ein optionaler Sportauspuff schafft noch mehr Ohren-Genuss. Der Effekt ist ein heiseres Grummeln, das sich beim Hochdrehen unter Last zu einem rauen Sound steigern lässt, der bei hohen Drehzahlen richtig heiser klingt.
Satte 320 PS bei 7.200 Touren
Der Sechszylinder-Boxer im Cayman S hat allen Grund, selbstbewusst zu klingen. Aus einem Hubraum von unverändert 3,4 Liter schöpft er nun satte 320 PS bei 7.200 Touren. Das sind immerhin 25 PS mehr als bisher. Um der Maschine so viel Kraft zu entlocken, wird unter anderem erstmalig in dieser Klasse eine Benzin-Direkteinspritzung verwendet. Dadurch wächst auch das Drehmoment um 30 auf 370 Newtonmeter. Ein sinkender Wert ist hingegen der Verbrauch: 9,4 Liter Super Plus nimmt sich der Cayman S in Verbindung mit dem Doppelkupplungsgetriebe durchschnittlich aus dem Tank. Der Vorgänger mit Tiptronic hat immerhin 11,0 Liter gebraucht.
PDK löst Tiptronic S ab
Neu im Cayman ist auch das Porsche Doppelkupplungsgetriebe – kurz: PDK. Die 2.945 Euro teure Box löst die Tiptronic S ab. Das neue Getriebe entspricht im Wesentlichen jenem PDK, das im Jahr 2008 in die Elfer-Reihe kam, wurde aber speziell auf die Mittelmotor-Bauweise des Cayman abgestimmt. Es funktioniert so: Ein konventionelles Schaltgetriebe wurde in zwei Teilgetriebe gesplittet und mit einer hydraulischen Steuereinheit versehen.
Blitzschnelle Gangwechsel
Den Kern des Getriebes bilden zwei radial angeordnete Lamellenkupplungen, die hydraulisch gesteuert sind und in einem Ölbad laufen. Die eine Kupplung ist für das erste Teilgetriebe mit den ungeraden und dem Rückwärtsgang verantwortlich, die andere Kupplung für die geraden Gänge. Wenn man beispielsweise im ersten Gang fährt und beschleunigt, wird automatisch der zweite Gang vorgewählt, aber dessen Kupplung noch nicht geschlossen. Beim Gangwechsel wird die erste Kupplung geöffnet und die zweite blitzschnell zugemacht. Dies geschieht innerhalb von Millisekunden und passiert so seidenweich, dass wir es kaum wahrnehmen.
Wunderbares Cruisen
In der Fahrstufe ,D" lässt es sich mit dem Cayman S auch dank der butterweichen Schaltvorgänge des PDK wunderbar cruisen. Wir gehen zunächst sanft mit dem Gaspedal um und genießen die Fahrt durchs warme Südspanien. Von der Straße bekommen wir nur die wirklich groben Unebenebenheiten mit, der Cayman ist ausreichend komfortabel gefedert. Der Motor hält sich bei normalen Drehzahlen akustisch dezent im Hintergrund – und das im Sinne des Wortes. Die variabel übersetzte Lenkung funktioniert leichtgängig und angenehm direkt. Je größer der Lenkeinschlag, desto direkter wird die Lenkung. Dadurch lässt sich der Wagen auf kurvenreichen Strecken ebenso leichtfüßig händeln wie beim Einparken.
Spaß-Plus-Taste
Unser Test-Coupé verfügt über fast alles, was die Porsche-Wunschliste hinsichtlich der Fahrspaß-Steigerung gegen Aufpreis zu bieten hat. Dazu gehören das elektronische Dämpfungssystem Porsche Active Suspension Management PASM, das Sport-Chrono-Paket Plus und Keramik-Bremsen. Also wird es Zeit, den Alligator zu reizen. Das PASM ermöglicht auf Tastendruck, die Dämpfung spürbar zu straffen. Wir können auch die ,Sport"-Taste betätigen und dadurch zusätzlich ein noch schnelleres Ansprechen des Gaspedals und ein späteres Eingreifen der Stabilitätskontrolle PSM erreichen.
Beißer: Das ist das wahre Gesicht
Doch das alles ist uns noch nicht genug: Wir drücken die ,Sport Plus"-Taste. Einen winzigen Augenblick später rauscht die Drehzahlmessernadel direkt vor uns in die Höhe, der Motor faucht und wir können uns dem Drang nicht entziehen, das Gas voll durchzutreten. Unser Krokodil macht eine Metamorphose durch und zeigt sein wahres Gesicht. Mit ungeheurem Zug beißt der jetzt scharf gemachte Cayman in den Asphalt. Aus dem gemütlichen Gleiter wird ein nahezu ruppiger Geselle. Vorbei sind die sanften Übergänge des PDK, jetzt werden die Gänge so reingeknallt, dass wir die superflinken Wechsel im Rücken spüren. Aus dem Kompakt-Porsche wird ein Rennbolide, der mit einem unbändigen Siegwillen nach vorn strebt und dabei ein Brüllen von sich gibt, dass sich die Gegner fürchten müssen. Wir zirkeln den Wagen mit Geschwindigkeiten um die Kurven, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Doch der Cayman S bleibt in der Spur, das Mittelmotorkonzept bewährt sich vor allem durch seinen klebenden Halt auf der Serpentinenstrecke – trotz reinem Heckantrieb.
Launch Control: Brachialer Druck nach vorn
Übrigens: In Verbindung mit dem PDK sprintet der Cayman S in 5,1 Sekunden auf Tempo 100. Wer das noch schneller schaffen will, aktiviert wie wir die Launch Control, die Bestandteil des Sport-Chrono-Paketes ist. Das heißt: Sport-Plus-Taste drücken, linken Fuß auf die Bremse stellen und mit dem rechten Vollgas geben. Nun müssen wir warten, bis eine Anzeige signalisiert, dass die Launch Control aktiv ist. Dann die Bremse loslassen und Vollgas geben. Was nun passiert, muss man erlebt haben: Es reißt den Cayman derart brachial nach vorn, dass wir über die stabile Kopfstütze froh sind. Als wenn uns jemand ins Kreuz krachen würde, schiebt es den kleinen Porsche voran. Die Sprintzeit, so lesen wir später im Datenblatt, verringert sich mit der Launch Control auf 4,9 Sekunden. Das ist genauso schnell, wie ein 25 PS stärkerer Elfer mit Schaltgetriebe. Wir empfehlen allerdings für den Einsatz der Rennwagen-Anfahrhilfe eine bis zum Horizont freie und gerade Strecke. Für den Ampelsprint innerorts dürfte diese Einstellung ein wenig zu heftig sein.
Ab 61.493 Euro
Das bissige Krokodil hat auch einen schönen Preis: Der von uns getestete Cayman S ist ab 61.493 Euro zu haben. Hinzu kommen die Fahrdynamik-Assistenten, die Keramikbremsen, das Navigationssystem und die Lederausstattung. Man kann den Preis locker auf 75.000 Euro bringen. Wer weniger zahlen will, bekommt als schwächere Alternative ohne Direkteinspritzung den Cayman mit nun 265 statt 245 PS. Er kostet 49.831 Euro. Allerdings: Einen Elfer mit 345 PS starkem 3,6-Liter-Boxer bekommt man erst ab 83.000 Euro.
Wertung
Preisliste
|
Porsche Cayman S |
|
| Grundpreis: | 61.493 Euro |
| Modell | Preis in Euro |
| Porsche Cayman | 49.831 |
| Ausstattungen | Preis in Euro |
| ABS | Serie |
| ESP | Serie |
| ASR | Serie |
| Airbag Fahrer | Serie |
| Airbag Beifahrer | Serie |
| Seitenairbags vorn | Serie |
| Kopfairbags vorn | Serie |
| elektr. Fensterheber vorn | Serie |
| elektr. verstellbare Außenspiegel | Serie |
| Klimaanlage | Serie |
| Klimaautomatik | 410 |
| Zentralverriegelung mit Fernbed. | Serie |
| Automatikgetriebe | PDK: 2.945 |
| Bildschirmnavigation | 2.921 |
| CD-Radio | Serie |
| MP3 | Serie |
| Metalliclackierung | 904 |
| Leichtmetallfelgen | Serie |
| Sitzhöheneinstellung | Serie |
| Tempomat | 440 |
| Lederausstattung | Teilleder ab 1.094 |
| Xenonlicht | 1.559 |
| Kurvenlicht | bei Xenon dabei |
| Nebelscheinwerfer | Serie |
| Keramik-Bremsen (PCCB) | 8.032 |
| Sport Chrono Paket Plus | 1.095 |
| adaptives Dämpfersystem (PASM) | 1.547 |
| Sport-Abgasanlage | 1.915 |
Datenblatt
| Motor und Antrieb | |
| Motorart | Boxermotor |
| Zylinder | 6 |
| Ventile | 4 |
| Hubraum in ccm | 3.436 |
| Leistung in PS | 320 |
| Leistung in kW | 235 |
| bei U/min | 4.750 |
| Drehmoment in Nm | 370 |
| Antrieb | Heckantrieb |
| Gänge | 7 |
| Getriebe | Doppelkupplungsgetriebe |
| Fahrwerk | |
| Spurweite vorn in mm | 1.490 |
| Spurweite hinten in mm | 1.534 |
| Radaufhängung vorn | einzeln an Querlenkern, Längslenkern und Spurstangen und Federbeinen aufgehängte Räder, McPherson-Federbeine |
| Radaufhängung hinten | einzeln an Querlenkern, Längslenkern und Spurstangen und Federbeinen aufgehängte Räder, McPherson-Federbeine |
| Bremsen vorn | Scheiben, innenbelüftet |
| Bremsen hinten | Scheiben, innenbelüftet |
| Räder, Reifen vorn | 235/40 ZR 18 |
| Räder, Reifen hinten | 265/40 ZR 18 |
| Lenkung | Zahnstangenlenkung mit variabler Übersetzung |
| Maße und Gewichte | |
| Länge in mm | 4.347 |
| Breite in mm | 1.801 |
| Höhe in mm | 1.306 |
| Radstand in mm | 2.415 |
| Leergewicht in kg | 1.350 |
| Zuladung in kg | 295 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 410 (gesamt) |
| Dachlast in kg | 60 |
| Tankinhalt in Liter | 65 |
| Kraftstoffart | Super Plus |
| Fahrleistungen / Verbrauch | |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 275 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 5,1 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 9,4 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 14,1 |
| EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km | 6,6 |
| CO2-Emission in g/km | 221 |
| Schadstoffklasse | Euro 5 |
Bildergalerie: Cayman S: Mehr Biss
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