Im Test: Der 325 PS starke Kombi mit Turbo-V6 erfreut beim Gasgeben

Seit Herbst 2009 gibt es den Insignia und Insignia Sports Tourer in der sportlichen Topversion OPC. Nach der Limousine, die wir bereits im Juli getestet haben, haben wir nun den Kombi in Augenschein genommen.

V6 mit Twinscroll-Turbo
Unter der Haube des Insignia OPC arbeitet bei Limousine und Kombi ein 325 PS starker V6 mit 2,8 Liter Hubraum und einem Twinscroll-Turbo. Bei dieser Spezialform des Turboladers werden die Abgase der beiden Zylinderbänke erst unmittelbar vor der Turbine zusammengeführt. Das soll den Energieverlust durch den Lader klein halten. Das OPC-Aggregat leitet sich von dem 260 PS starken Motor ab, den es im Insignia Sport und Cosmo gibt. Wie dort wird auch hier nicht direkt in den Zylinder, sondern klassisch ins Saugrohr eingespritzt. Anders als die 260-PS-Versionen, die es wahlweise auch mit Automatik zu kaufen gibt, wird der OPC stets mit Sechsgang-Schaltung ausgeliefert.

Vortrieb: Unglaublich
Der Motor liefert mächtige 435 Newtonmeter, die man auf jedem Meter spürt. Eine technische Kuriosität ist, dass das Maximaldrehmoment bei der gleichen Drehzahl wie die Maximalleistung anliegt. Von 2.000 bis etwa 4.200 Touren stehen 400 Newtonmeter an, danach macht die Kurve einen Schlenker nach oben und erreicht bei 5.250 U/min den Maximalwert. So ist in jeder Lebenslage mehr als ausreichend Kraft verfügbar.

Gespenstische Stille im Leerlauf
Außerdem fällt die fast gespenstische Stille im Leerlauf auf. Und natürlich der mächtige Sechszylinder-Sound – ein Verdienst des Nachschalldämpfers von Remus. Der ist vor allem im Parkhaus beeindruckend, und zwar schon bei ganz niedrigen Drehzahlen. Das von uns bei der Limousine bemängelte Dröhnen hat Opel mittlerweile beseitigt. Aber vor allem erfreut der unglaubliche Vortrieb. Der Kavalierstart an der Ampel macht einfach nur Spaß: Man lässt den ersten Gang stehen, bis Stadttempo erreicht ist und genießt. Einzige Gefahr dabei: dass man weit übers Erlaubte hinausschießt. Gern würden wir zugeben, dass wir unser Mütchen an solchen Aktionen gekühlt hätten. Doch es kühlte nicht ab, sondern wurde immer heißer, der Adrenalinspiegel stieg von Mal zu Mal.

Allradantrieb mit Lamellenkupplung
Viel Spaß machte uns das zugegebenermaßen etwas pubertäre Verhalten besonders bei Regen. Wir stellten das Auto an der Ampel in die vollgelaufenen Fahrrillen und gaben bei Grün Vollgas. Wo bei den allermeisten Fahrzeugen die Räder durchdrehen, zieht es den OPC einfach nur voran, und zwar ohne Flackern des ESP-Lichtchens. Denn wie die 260-PS-Varianten des Insignia wird auch unsere OPC-Version ausschließlich mit permanentem Allradantrieb angeboten. Bei normalen Straßenverhältnissen gelangen 95 Prozent der Kraft an die Vorderräder. Schon beim Start auf trockener Straße wird jedoch Drehmoment nach hinten umgeleitet, um das Durchdrehen zu vermeiden. Dasselbe passiert beim Beschleunigen während der Fahrt sowie bei Schlupf. Für die bedarfsgerechte Kraftverteilung verantwortlich ist eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung.

Verbrauch: Eher zu hoch
Den Spritverbrauch gibt Opel mit 11,7 Liter an. Auf unseren Testfahrten blieben wir mit durchschnittlich 11,1 Liter sogar darunter. Vergleicht man den Herstellerverbrauch mit Konkurrenten, liegt der Opel aber nur mittelprächtig. Der 306 PS starke BMW 335i Touring mit Allradantrieb braucht nur 9,8 Liter, ist allerdings auch fast 40 Zentimeter kürzer und runde 140 Kilo leichter. Außerdem erfüllt der Münchner Kombi nur die Euro-4-Norm, während unser Insignia eine Stufe weiter ist. Der VW Passat Variant R36 erfüllt die Euro-5-Abgasnorm, und er passt auch von der Größe her zu dem Opel-Kombi. Und der VW ist sparsamer als der Opel: Der 300 PS starke V6 benötigt mit dem serienmäßigen DSG 9,9 Liter. Ein Sparmodell ist der OPC also nicht.

Gutes Fahrwerk, schwache Lenkung
Der Insignia OPC liegt einen Zentimeter tiefer als der allradgetriebene Insignia Sport. Außerdem hat das Auto vorne besonders leistungsfähige Federbeine. Federung und Buchsen sind steifer, die Stabilisatoren vorne weicher, aber hinten härter. Der OPC besitzt außerdem wie der normale Insignia das einstellbare FlexRide-Fahrwerk. Es schließt die elektronische Dämpferverstellung CDC ein, die außer einer automatischen Anpassung an die Fahrweise auch ein Umschalten zwischen verschiedenen Modi erlaubt. Während man beim normalen Insignia zwischen Sport und Tour wählt, hat man hier die Wahl zwischen Standard, Sport und OPC.

Einstellen von Fahrwerk, Gaspedal und Lenkung
Der Unterschied zwischen Sport und OPC ist, dass bei Ersterem nur das Fahrwerk härter wird, im OPC-Modus wird zusätzlich die Lenkung direkter und das Gaspedal spricht schneller an. Zusätzlich werden die Zifferblätter rot beleuchtet. Unabhängig von der Einstellung ist das straffe Fahrwerk ein Treffer – es passt sehr gut zu den sportlichen Fahrleistungen. Die Unterschiede zwischen den Modi sind deutlich spürbar. Die Lenkung ist uns jedoch in jeder Betriebsart zu wenig direkt. Im OPC-Modus ist es etwas besser, doch auch dann passt die Steuerung nicht zu dem sportlichen Fahrzeug. Ein Grund, von dem Auto abzuraten ist die Lenkung aus unserer Sicht allerdings nicht.

Kofferraum: Zu wenig für 4,91 Meter Länge
Das Cockpit ist etwas düster, und für unseren Geschmack zu wenig dezent – ein VW Golf kommt unseren Designvorlieben hier eher entgegen. Die Sportsitze bieten aber hervorragenden Seitenhalt, wenn sie für uns auch am Rücken noch etwas enger sein könnten. Im Fond sitzt man nur befriedigend: Die Kniefreiheit ist für ein über 4,90 Meter langes Fahrzeug gering. Auch der Gepäckraum ist für einen großen Kombi zu klein: Er fasst mit 540 bis 1.530 Liter kaum mehr als ein Astra Caravan. Zum Vergleich mit der Konkurrenz: Der Passat Variant bietet 588 bis 1.716 Liter, während in den BMW 3er touring gar nur 450 bis 1.385 Liter schafft.

Preis: Auf Höhe der Konkurrenz
Der Insignia Sports Tourer OPC kostet 46.375 Euro. Damit liegt er auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Vergleichbare Kombis mit Benzinern über 300 PS gibt es nicht allzu viele. Wenn man den Allradantrieb in die Auswahlkriterien aufnimmt und eine Preisobergrenze von 50.000 Euro definiert, bleiben nur noch der VW Passat Variant R36 4Motion für 47.400 Euro und der BMW 335i touring xDrive für 46.550 Euro übrig – der Preisunterschied ist also relativ gering.

Ausstattung: Sehr gut
Die Ausstattung unseres Opel ist hervorragend. Zu den Pflichtübungen zählen in dieser Klasse sechs Airbags und ESP, elektrische Fensterheber rundum, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrisch einstell- und beheizbar Außenspiegel und ein CD-Radio. Aber auch die Kür erledigt der OPC. Dazu gehören hier ein Tagfahrlicht, eine Scheibenwischer- und Lichtautomatik, ein Sieben-Zoll-Navigationssystem mit Europa-DVD, eine Klimaautomatik und ein Tempomat. Die Parkbremse wird elektrisch per Knopf betätigt, für den Motorstart jedoch ist die klassische Schlüsseldrehung nötig. Sport-Fans freuen sich über Alupedale, Recaro-Sitze, Sportlenkrad und OPC-Einstiegsleisten. Außen gibt es neben speziellen Stoßfängern und Schwellern einen OPC-Grill, Brembo-Bremsen und 19-Zoll-Aluräder. Nebelscheinwerfer gibt es dagegen für den Insignia OPC auch gegen Aufpreis nicht – anders als beim normalen Insignia.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der stärkste Serien-Opel hat uns überzeugt. Der V6 im Kombination mit dem Allradantrieb kann gerade bei herbstlichen und winterlichen Straßenverhältnissen seine Stärken voll ausspielen: Das Erlebnis, wie der V6 aus der Pfütze herausprescht, werden wir so bald nicht vergessen. Gut zum sportlichen Antrieb passt das straffe Fahrwerk, nicht aber die zu indirekte Lenkung. Abstriche machen muss man beim Innenraum: Der Platz im Fond und im Kofferraum ist für ein Auto mit diesen Abmessungen unwürdig. Dafür geht der Preis im Konkurrenzvergleich in Ordnung.

  • Antrieb
    95%
    unglaublicher Vortrieb, auch dank Allrad
    schöner Sound, vor allem im oberen Tourenbereich
  • Fahrwerk
    90%
    so straff, wie man es von einem Sportler erwartet
    Lenkung zu wenig direkt
  • Karosserie
    70%
    zu wenig Kopffreiheit hinten
    nicht viel mehr Kofferraum als beim Astra Caravan
  • Kosten
    85%
    sehr gute Ausstattung
    kein Schnäppchen

Preisliste


Opel Insignia Sports Tourer OPC

Grundpreis: 46.375 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie (deaktivierbar)
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Seitenairbags hinten -
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (beheizbar)
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe -
Bildschirmnavigation Serie (Europa-Karten)
CD-Radio Serie
elektr. Schiebedach ab 850
Metalliclackierung 525
Leichtmetallfelgen Serie (19 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie (Vordersitze)
Tempomat Serie
Lederausstattung 1.600
Xenonlicht 1.250 (incl. Kurvenlicht, AFL+)
Anhängevorrichtung 825
Tagfahrlicht Serie
Alupedale Serie
Dachreling Serie
Brembo-Bremssättel Serie
Recarositze (Ledernachbildung) Serie
Lederlenkrad und -schaltknauf Serie
spezielle Stoßfänger und Schweller Serie
Remus-Nachschalldämpfer Serie
elektrische Parkbremse Serie
Scheibenwischer- und Lichtautomatik Serie
Verkehrsschilderkennung, Spurassistent 525
elektr. Einparkhilfe vorn und hinten 520
Sicherheits-Trennnetz 305
20-Zoll-Aluräder 1.000
Infinity-Soundsystem 580

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Otto-V-Motor mit Twinscroll-Turbolader 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 2.792 
Leistung in PS 325 
Leistung in kW 239 
bei U/min 5.250 
Drehmoment in Nm 435 
Antrieb permanenter Allradantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltung 
Kraftverteilung 100:0 bis 0:100 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.585 
Spurweite hinten in mm 1.587 
Radaufhängung vorn High-Performance-Strut-Achse mit Stabilisator 
Radaufhängung hinten Mehrlenkerhinterachse mit Stabilisator 
Bremsen vorn Scheiben, 355 mm 
Bremsen hinten Scheiben 
Wendekreis in m 11,3 
Räder, Reifen vorn 8½ J x 19 mit Reifen 245/40 R19 
Räder, Reifen hinten wie vorn 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit hydraulischer, geschwindigkeitsabhängiger Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.908 
Breite in mm 1.856 
Höhe in mm 1.520 
Radstand in mm 2.737 
Leergewicht in kg 1.930 
Zuladung in kg 535 
Kofferraumvolumen in Liter 540 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.530 
Anhängelast, gebremst in kg 1.700 
Tankinhalt in Liter 70 
Kraftstoffart Super Plus 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 250 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,3 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 11,7 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 17,0 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 8,6 
CO2-Emission in g/km 274 
Schadstoffklasse Euro 5 
Fixkosten
Steuer pro Jahr in Euro 364 
Haftpflicht-Klasse 17 
Teilkasko-Klasse 27 
Vollkasko-Klasse 25 

Gallery: Wilder Allradkombi