BMW Z4 sDrive35is gegen Nissan 370Z im Vergleich

Eigentlich haben Nissan und BMW nicht viel gemeinsam, wäre da nicht dieser eine Buchstabe: Das Z ist bei beiden Herstellern fester Bestandteil der modernen Legendenbildung. Nissan sorgte anno 1969 mit dem 240Z für Furore, BMW schuf 1988 mit dem Z1 ein Highlight ersten Ranges. Im Geiste ihrer Vorfahren fahren nun zwei flotte Roadster zum Vergleich vor: Der Nissan 370Z will sich mit dem neuen Ober-Z4 namens sDrive35is messen.

KAROSSERIE/INNENRAUM
Auf den ersten Blick wirken beide Kontrahenten so gegensätzlich wie Bud Spencer und Terence Hill. Der bullig geformte 370Z zieht mit seinen zackenförmigen Leuchten und dem wuchtigen Heck die Blicke der Umgebung auf sich, zumal der Nissan ein seltener Anblick auf unseren Straßen ist. Recht häufig trifft man den BMW Z4 an, weshalb der sDrive35is mit aluminiumfarbenen Applikationen an Front- und Heckschürze aufgewertet wird. Ein weiteres Machtmerkmal sind die silbernen Außenspiegelkappen. Die rundlich geschwungenen Formen des BMW wirken harmonischer als das Design des Nissan, lediglich die arg breite Niere überspannt den Bogen.

Erstaunliche Ähnlichkeiten
Obwohl beide Konkurrenten sehr unterschiedlich auf den Betrachter wirken, sind sie sich bei den Abmessungen überraschend ähnlich. Der kräftig wirkende Nissan bringt stolze 1,6 Tonnen auf die Waage und ist 4,25 Meter lang, während der so leicht wirkende BMW auch über 1,5 Tonnen wiegt und nur einen Zentimeter kürzer als der Japaner ist. Allerdings trägt der Bayer ein Stahl-Klappdach mit sich herum, während der 370Z auf Stoff setzt. Die Öffnung vollzieht sich bei beiden elektrisch und mit exakt 20 Sekunden zeitgleich, wobei hier der Z im subjektiven Empfinden schneller wirkt. Einen Minuspunkt gibt es für den wannenförmigen Kofferraum des Nissan, der unabhängig von der Dachstellung bescheidene 140 Liter fasst. Besser macht es der BMW: Mit geschlossenem Dach kann man 310 Liter Gepäck verstauen, bei offenem Fahrspaß sind es 180 Liter. Allerdings muss eine Abdeckung nach unten gezogen werden, die nur eine schmale Öffnung freigibt. Indes, seien wir ehrlich: Keiner kauft sich einen Roadster aus Gründen des Stauraums.

Geschmackvolle Möblierung
Mittlerweile juckt es uns schon in den Fingern, die beiden Z-Wagen endlich zu bewegen. Zuvor werfen wir aber noch einen Blick in die Innenräume. Der Nissan bemüht sich redlich, mit Leder und Alcantara eine nette Atmosphäre zu schaffen, doch das ebenfalls verwendete Hartplastik ist nicht zu übersehen. Gelungen sind die drei kleinen Zusatzinstrumente als Hommage an den Ur-Z auf der sehr breiten Mittelkonsole, die wie eine Mauer zwischen Fahrer und Beifahrer steht. Beide Insassen nehmen auf bequemem Sportgestühl Platz, auch bei geschlossenem Verdeck ist die Kopffreiheit völlig ausreichend. Allerdings ist die Sicht nach hinten wegen der hinter den Sitzen befindlichen Überrollbügel gleich null. Ein unpraktisches Detail bemerken wir noch: Das Lenkrad lässt sich nicht der Länge nach verstellen. Funktional-übersichtlich ist der Arbeitsplatz im Z4, die wichtigsten Funktionen hat man schnell begriffen, zudem ist das iDrive-Bediensystem mit zentralem Knopf auf der Mittelkonsole einfach zu handhaben. Kritikpunkte betreffen den relativ dicken Kranz des M-Sportlenkrads, dessen Multifunktionstasten nicht so klar beschriftet sind wie jene im Nissan-Volant. Dafür überzeugt die Sicht nach hinten, hier punktet das Stahldach mit einem großen Heckfenster.

MOTOR/GETRIEBE
Antriebstechnisch setzt der Nissan 370Z Roadster auf einen Sechszylinder in V-Form mit variabler Ventilsteuerung, der aus 3,7 Liter Hubraum 328 PS holt. Von der Tonlage her tendiert der Japaner zu einer Mischung aus Reihen-Sechser und V8, bleibt aber in den meisten Drehzahlbereichen soundmäßig unauff ällig. Bei unserem Testwagen war eine manuelle Sechsgang-Schaltung an Bord. Diese gefällt durch kurze Wege und ein präzises Einrasten, doch dazu ist ein kräftiger Tritt auf das Kupplungspedal nötig. Überhaupt vermittelt der Nissan dem Fahrer stets das Gefühl, fest zupacken zu müssen. Eine Besonderheit ist der Knopf mit der Aufschrift ,S-Mode" neben dem Schaltknüppel. Ihn gibt es in der so genannten Pack-Version im Rahmen der ,Synchro Rev Control", kurz SRC. Beim Herunterschalten wird elektronisch Zwischengas gegeben, was des Fahrers Ohr in Form eines kraftvollen Sprotzelns erfreut.

Reihenweise Emotionen
Wie im Hause BMW üblich, setzt auch der Z4 sDrive35is auf einen Reihen-Sechszylinder. Das Dreiliter-Aggregat wird mittels doppelter Turboaufladung auf 340 PS gebracht. Die Münchner Ingenieure nutzen zwei kleine Lader, die aufgrund ihres geringen Trägheitsmoments schon bei vergleichsweise niedrigen Drehzahlen in Aktion treten und jeweils drei Zylinder mit Luft versorgen. Das Ergebnis kann sich hören lassen: Aus den Endrohren strömt ein herrlich dumpfer Sound, wie ihn nur sechs Töpfe in Reihe produzieren. Im Innenraum kommt noch eine bassige Note im Klangteppich hinzu, die allerdings speziell bei längeren Etappen auch störend wirkt. Stets mit an Bord ist beim 35is ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen. Es sortiert die Fahrstufen derart fix und flüssig, dass nur selten der Wunsch aufkommt, die recht kleinen Schaltwippen am Lenkrad zum manuellen Wechsel zu nutzen. Über einen Schalter an der Mittelkonsole kann zudem zwischen den Einstellungen ,Normal", ,Sport" und ,Sport+" gewählt werden. Geändert werden unter anderem die Schaltpunkte, aber auch die Gangwahl passt sich an. Beim so genannten ,Sport+"-Modus wird zusätzlich das ESP deaktiviert, was freilich nur Könnern am Volant zu empfehlen ist.

Vom Keller bis ganz oben
Schon bald stellt sich heraus, dass sowohl der Nissan wie auch der BMW tatsächlich so unterschiedliche Kraftpakete sind wie die eingangs erwähnten Bud Spencer und Terence Hill. Der 370Z ist der bärige Typ, der etwas bestimmter in die Kurve gezwungen werden muss und sein maximales Drehmoment aus den Tiefen seines Hubraums holt. Im Klartext heißt das: Bis Tempo 100 geht es mit 5,5 Sekunden zügig voran, doch darüber hinaus wirkt der Nissan erstaunlich schlapp, auch wegen des lang übersetzten sechsten Gangs. Um ordentlich Tinte auf den Füller zu bekommen, muss Buddy auf den Lukas hauen und Drehzahlen bekommen. Nicht ohne Grund beginnt der rote Bereich des Drehzahlmessers erst bei 7.500 Touren, denn das maximale Drehmoment von 363 Newtonmeter wird nicht vor 5.200 Umdrehungen erreicht. Das Ergebnis sind recht heftige Trinksitten von 14,2 Liter, womit der 370Z die Werksangabe um drei Liter übertrifft.

Am laufenden Band
Von ganz anderem Charakter ist der Motor des Z4 sDrive35is. Leichtfüßig wie Terence Hill spurtet die BMW-Maschine los, jederzeit bereit, die vorhandene Kraft einzusetzen. In nackten Zahlen bedeutet das ein maximales Drehmoment von 450 Newtonmeter, welches bereits ab 1.500 Touren bereitsteht. Mithilfe einer Overboost-Funktion sind kurzzeitig sogar 500 Newtonmeter drin. Derart gerüstet, zieht es den stärksten Z4 in nur 4,8 Sekunden auf Tempo 100, in der Spitze herrscht mit 250 km/h Gleichstand zwischen den Konkurrenten. Unter Volllast fällt allerdings beim BMW eine kleine Gedenksekunde auf, bevor der Z4 losstürmt, als solle der Fahrer sich noch einmal genau überlegen, ob er die Pferde wirklich vom Zügel lassen will. Ein brutaler Tritt aufs Gaspedal ist aber nur selten nötig, weil der bis 4.500 Umdrehungen anhaltende Drehmomentgipfel ein entspanntes Fahren ermöglicht. Das Resultat sehen wir an der Tankstelle: Mit durchschnittlichen 11,4 Liter Testverbrauch liegt zwar auch der BMW klar über den offiziellen neun Litern Normverbrauch, angesichts der gebotenen Leistung geht dieser Wert aber in Ordnung.

FAHRWERK/LENKUNG
Obwohl es sich beim sDrive35is gewissermaßen um die inoffizielle M-Variante des Z4 handelt, überrascht das um zehn Millimeter tiefer gelegte M-Fahrwerk mit hohen Komfortreserven. Möglich machen das vier verstellbare Gasdruckdämpfer mit gekoppelter Zug- und Druckstufenverstellung. Über ein zentrales Steuergerät werden die Dämpfer unabhängig voneinander geregelt. Trotzdem erhält der Bayer einen Minuspunkt in Sachen Straßenlage, denn bei Autobahntempo ist in dieser Hinsicht eine indiff erente Note festzustellen. Als Fahrer fühlt man sich bei hohen Geschwindigkeiten zwar nicht unsicher, aber entkoppelt von der Fahrbahn und passiv hinter dem Lenkrad. Der Nissan liegt dagegen auf der Straße wie das sprichwörtliche Brett, leider in doppelter Hinsicht. Das sehr straffe Fahrwerk gibt auch kleinste Fahrbahnunebenheiten direkt an die Insassen durch, die Devise lautet ,Null Toleranz". Etwaigen Restkomfort sucht man beim Japaner vergeblich, stattdessen erhält man exakte Informationen zu Form und Beschaffenheit eines Kieselsteinchens auf dem Asphalt. Während der Nissan auf eine rein elektrische Servolenkung setzt, wird der BMW elektromechanisch unterstützt. Meisterwerke der Präzision sind beide Lenkungen nicht, im Handling vermittelt der Z4 in Verbindung mit seiner gleichmäßigen Kraftentfaltung aber das direktere Gefühl. Obwohl der 370Z zum Übersteuern neigt, greift das serienmäßige Sperrdifferenzial früh ein und raubt dem Roadster einiges an Agilität.

AUSSTATTUNG/PREIS
Zweifelsohne ist ein Roadster meist ein Zweit- oder Drittwagen für den Spaß und den Sonnenschein im Leben. Dennoch spielt auch in diesem Segment der Preis eine Rolle. Punkten kann hier besonders der Nissan 370Z. Er kostet als Schaltversion sensationell günstige 41.390 Euro trotz einer sehr guten Serienausstattung. Inklusive sind unter anderem 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, elektrisch verstellbare Sitze, ein CD-Player mit Lenkradfernbedienung, eine Klimaautomatik und Xenon-Scheinwerfer. Für zusätzliche 3.100 Euro bekommt der Z-Liebhaber die Pack-Version. Dort gibt es zusätzlich beheiz- und kühlbare Sitze, ein Bose-Soundsystem inklusive CD-Wechsler und einen Tempomat mit Abstandsregelung. Aufpreispflichtig sind lediglich 19-Zoll-Alus, ein Navisystem, ein Lederpaket und Metalliclack.

Es muss nicht immer S sein
Fast in einer anderen Liga spielt der BMW Z4 sDrive35is, für den stattliche 56.750 Euro aufgerufen werden. Dabei ist auch er gar nicht mal knickrig ausgestattet, sondern bietet neben dem M-Fahrwerk und optischem M-Design auch beheizbare Leder-Sportsitze, Xenon-Licht, eine Klimaanlage und ein CD-Radio mit sechs Lautsprechern. Doch die Aufpreisliste ist lang und verführerisch. Wer viele Kreuzchen bei Sachen wie der Lenkradheizung (190 Euro) oder dem mit 3.000 Euro unverschämt teuren Navigationssystem macht, bewegt sich schnurstracks in Richtung der 70.000-Euro-Marke. Daher sollten Z4-Fans überlegen, ob es nicht auch der sDrive35i ohne ,s" tut, welcher fast gleiche Fahrleistungen inklusive Sieben-Gang-DKG für 50.150 Euro bietet und damit über 6.000 Euro billiger ist. Mit dem optionalen M-Paket für 3.730 Euro an Bord erhält man zudem die Optik des sDrive35is und hat dennoch gespart. Wo steht die leistungsstarke Konkurrenz? Audi ruft für den TT RS Roadster mit 340 PS sogar 59.000 Euro auf, sodass selbst der BMW fast schon wie ein Schnäppchen aussieht. Allerdings ist der Audi serienmäßig mit einem Allradantrieb ausgerüstet. Fast preisgleich mit dem Z4 sDrive35is ist der 310 PS starke Porsche Boxster S 3.4 für 56.383 Euro.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Obwohl der BMW Z4 sDrive35is und der Nissan Roadster 370Z größen- und leistungsmäßig in der gleichen Liga spielen, sind sie doch von verschiedener Natur. Der Nissan gibt den maskulinen, knallhart gefederten Roadster, der von seinem Besitzer ein festes Zupacken verlangt und seine Leistung über hohe Drehzahlen abruft. Der BMW hingegen punktet mit seiner tollen Motor-Getriebe-Kombination und einer besseren Alltagstauglichkeit. Allerdings kostet der Z4 sDrive35is gewaltige 15.000 Euro mehr als der 370Z, wodurch sich auch dessen Verbrauchsnachteil relativiert. Rational ist der BMW Testsieger, doch wer das Besondere zum kleinen Preis sucht, sollte zum Nissan greifen. Z zieht schließlich immer.

  • BMW z4 sDrive 35is
    90%
    kraftvoller Motor, guter Abrollkomfort
    teilweise indifferente Straßenlage, hoher Preis
  • Nissan 370Z Roadster
    80%
    gute Straßenlage, günstiger Preis
    unelastischer Motor, hoher Verbrauch

Gallery: Im Zeichen des Z