Wenn Eleganz aufgeht

Audi A7, Porsche Panamera, Aston Martin Rapide: sie alle kamen Jahre später. Der viertürige BMW 6er kommt erst noch, der Citroën Metropolis ist eine ferne Studie. Mercedes ist da mit dem CLS viel weiter. Im Oktober 2004 kam das erste Modell auf unsere Straßen und brach einen Trend vom Zaun – den Trend der viertürigen Coupés. Jetzt rollen die Stuttgarter mit der zweiten Generation des Eleganzwagens an.

Wegen des Designs gekauft
Von 62 Prozent der europäischen Kunden wurde der CLS wegen seines Designs gekauft. Größe, Sportlichkeit und schicke Linien haben ihre Faszination bis heute nicht verloren. Wer übrigens weit zurückschaut, entdeckt einen kleinen englischen Hersteller, der bereits 1953 eine Limousine mit coupéförmigem Dach im Programm hatte: Bristol mit dem Modell 405. Aber das ist nur etwas für Kenner kleiner Besonderheiten und ändert nichts daran, dass Mercedes diese Fahrzeuggattung in der Neuzeit populär gemacht hat.

Guter Look da draußen
Auf den ersten finsteren Studio-Bildern sah der neue CLS in den Augen mancher etwas zu kräftig aus. Dies hat sich gelegt, seit farbige Frischluft-Bilder zur Verfügung stehen. Und wer das Fahrzeug leibhaftig vor sich sieht, ist überzeugt: Mercedes hat den Wagen stilistisch erfolgreich in die Moderne geführt. Die lange Haube und das sanft nach hinten abfallende Dach sind in aufgefrischten Konturen natürlich immer noch da. Das Heck kommt jetzt etwas kräftiger daher, macht klar, dass der CLS auf der E-Klasse basiert. Aber der Auftritt des großen Coupés ist auch in der Mercedes-eigenen Modellpalette unverwechselbar, wie man in Stuttgart mit Seitenblick nach Ingolstadt stolz verkündet.

Eigenständiger Innenraum
Beim Innenraum hat Mercedes Geld in die Hand genommen: Das Interieur des CLS unterscheidet sich grundsätzlich von dem der E-Klasse. Lange Nähte, wie sie geradliniger kaum sein können, ziehen sich auf dem belederten Armaturenbrett genauso entlang wie auf den oberen Türverkleidungen. Die Kabine wirkt sehr edel und irgendwie schlank. Selbst dem Lenkrad fehlt die Wuchtigkeit alter Mercedes-Steuerräder. Und gerade bei der Lenkung hat man sich in Stuttgart so einiges vorgenommen, wie wir noch spüren werden. Der Fahrer sitzt ergonomisch perfekt, kommt ohne Anlaufzeit spielerisch zurecht. Die Kopffreiheit vorne reicht für Leute bis 1,90 Meter, Zweimeter-Riesen müssen sich aber einen flacheren Sitz bestellen, was laut Hersteller geht. Hinten streicheln dann Passagiere mit einer Größe von 1,88 Meter mit ihren Haaren den Dachhimmel. Aber die Kunden wissen das, wollen den Wagen wegen seines Designs und nehmen das gerne in Kauf.

Inhalte
Der CLS hat ein richtig großes Gepäckabteil in seinem schicken Heck: 520 Liter an Reise-Equipment kann der Wagen mitnehmen. Gegen 518 Euro Aufpreis sind die Fondsitze zudem umklappbar – keine Selbstverständlichkeit in diesem Fahrzeugsegment. Allerdings ist der Tank des neuen CLS geschrumpft: 59 Liter Kraftstoff können jetzt mitgeführt werden. Wer einen 80-Liter-Behälter möchte, muss 199 Euro zusätzlich zahlen. Wie uns Mercedes Entwicklungs-Vorstand Thomas Weber sagt, hängt dies unmittelbar mit dem gesunkenen Verbrauch des Fahrzeugs zusammen und dem Vorteil, dass ein kleinerer Tank weniger wiegt. Dies ist sicher nur ein Teil der Wahrheit: Psychologisch fühlen sich 59 Liter nach deutlich weniger an als 60 Liter – komisch, dass es beim neuen CLS genau 59 Liter sein mussten. Der kleine Tank wird dafür sorgen, dass ein gehöriger Teil der Kunden sich für den aufpreispflichtigen großen Spritbehälter entscheidet und somit die Marge am neuen Designstück steigt.

Elektromechanische Lenkung
Wir kurbeln den CLS aus der Parklücke: Das geht unheimlich leicht. Wir jagen den Wagen über kurvige Bergstraßen: Die Lenkung gibt uns genau den richtigen Widerstand. Mercedes setzt beim CLS auf eine sportlich orientierte elektromechanische Lenkung. Die Ingenieure haben es sich nicht leicht gemacht, lange an Rückstellkräften und Dämpfungen in der Mittellage gefeilt. Bei hohen Geschwindigkeiten und/oder kräftiger Querbeschleunigung wird die Lenkung fester. Für den schnellen Geradeauslauf ist die Dämpfung so ausgelegt, dass der Fahrer unangestrengt steuern kann und nicht gleich jede kleine Bewegung zu heftigen Lenkreaktionen führen würde. Und beim Ausparken könnten wir das Lenkrad eben beinahe durch Anpusten in Bewegung versetzen. Das System ist nicht so direkt wie bei einem Porsche, wir spüren nicht jedes Sandkorn auf der Straße. Aber dafür schwitzt auch niemand bei 250 km/h hinter dem Steuer eines CLS. Auch das von uns befürchtete synthetische Lenkgefühl stellte sich auf jeden Fall nicht ein. Außerdem hat die elektromechanische Lenkung gegenüber einer elektrohydraulischen Steuerung einen echten Vorteil: Sie spart beim CLS pro Kilometer sieben Gramm CO2 ein.

Straffer Bursche
Auch in Sachen Fahrwerk weicht Mercedes nicht vom sportlichen Anspruch des CLS ab. Unser Wagen ist mit dem 2.023 Euro teuren Luftfahrwerk ausgerüstet. Damit sind wir bei mittleren und hohen Geschwindigkeiten bestens für alle Untergründe und Kurvenlagen gerüstet. Wankfrei lässt sich unser Gefährt auch um die böseste Ecke zirkeln – und der Wagen wiegt trotz seiner vier Aluminium-Türen immerhin 1.735 Kilogramm. Allerdings will der CLS auch bei sehr langsamen Geschwindigkeiten straff bleiben, so dass Fahrbahnrisse und Schlaglöcher ziemlich deutlich zu den Insassen durchwandern.

Sechs Zylinder saugen
Das kultivierte Knurren unseres Sechszylinder-Benziners passt gut zum sportlichen Eleganz-Auftritt des neuen CLS. Aus 3,5-Liter-Hubraum entspringen 306 PS und ein maximales Drehmoment von 370 Newtonmeter zwischen 3.500 und 5.250 U/min. Beim Gleiten durch die schwülwarme Toskana ist der Wagen kaum zu hören, die Abrollgeräusche unserer Reifen dominieren das Klangbild. Beim Beschleunigen dringt dann dieser leicht kehlige Klang an unsere Ohren. In 6,1 Sekunden spurtet der CLS 350 BlueEfficiency auf Tempo 100, bei 250 km/h wird der Vortrieb elektronisch abgeregelt. Sowohl die Leistungsdaten als auch die Fahrwerte sprechen für sich, an nötigen Kraft- und Leistungsreserven fehlt es nie. Aber wer lieber zum deutlich rauer klingenden 3,0-Liter-Diesel 350 CDI greift, wird mit einem Drehmoment von 620 Newtonmeter bei 1.600 bis 2.400 U/min belohnt. Der Punch des Diesels ist also unten rum deutlich gewaltiger – um dies auszugleichen, bräuchte der Benziner eine Turboaufladung. Dafür zieht aber unser Benzinmodell in den oberen Drehzahletagen besser ab, hat dort die reichlicheren Reserven.

Der Papierhunger stimmt
Laut Hersteller geht der neue CLS 350 BlueEfficiency mit gezügeltem Durst zu Werke. Im Schnitt sollen dem Sechszylinder-Verbrenner je nach Ausstattung 6,8 bis 7,0 Liter Sprit pro 100 Kilometer genügen – ein ganz akzeptabler Wert für 306 PS. Im Stadtverkehr geht es dann rauf bis zu 9,5 Liter. Was davon bei ausführlichen Verbrauchstests übrig bleibt, wird sich zeigen. Der Bordcomputer macht uns jedenfalls Hoffnung, dass die Realität gar nicht so weit vom Normverbrauch angesiedelt ist.

Wirkt im Verborgenen
Um die Einteilung der Kräfte kümmert sich im CLS 350 BlueEfficiency serienmäßig eine überarbeitete Siebengang-Automatik. Diese schaltet so sanft und perfekt, dass wir von ihrer Arbeit nicht viel mitbekommen. Sauber legt sie immer genau den richtigen Gang ein, nie werden wir von einem ungehobelten Ruckeln aus unserem Flow gerissen.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Auch der neue CLS ist Mercedes gelungen. Außen und innen wunderbar eigenständig fährt das viertürige Coupé ohne irgendwelche ermüdenden Retro-Allüren in die Zukunft. Besonders der speziell für den CLS gemachte Innenraum gefällt uns. Mit der elektromechanischen Lenkung wildern die Stuttgarter in neuen Revieren – schließlich war die Marke mit dem Stern bisher nicht unbedingt für Benchmark-Lenkungen bekannt. Das Steuersystem ist gelungen, genauso wie die optionale sportliche Luftfederung. Letztere wirkt allerdings bei langsamer Fahrt recht hart.

    Der Motor arbeitet kultiviert und kräftig – genau richtig, um den Eleganz-Wagen nach vorne zu bringen. Die Verkleinerung des Serientanks irritiert uns wiederum ein wenig. Und Schönheit hat ihren Preis: Bei 64.617 Euro liegt der Einstieg für den CLS 350 BlueEfficiency. Ein E 350 CGI BlueEfficiency kostet mit 52.479 Euro über 12.000 Euro weniger. Hier müssen wir dem CLS aber nicht nur seine prächtige Form sondern auch noch seine passable Grundausstattung zugute halten.

  • Antrieb
    95%
    kultivierter, kräftiger Benziner
    sauber schaltende Siebengang-Automatik
  • Fahrwerk
    90%
    gut angepasste elektromechanische Lenkung
    Luftfahrwerk (Option) bei langsamer Fahrt zu hart
  • Karosserie
    95%
    außen schick und modern
    innen eigenständig und hochwertig
  • Kosten
    80%
    guter Serienumfang
    großer Preisunterschied zur E-Klasse

Preisliste


Mercedes CLS 350 BlueEfficiency

Grundpreis: 64.617 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik Serie (2 Zonen)
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Bildschirmnavigation 3.046 (Comand APS Multimedia-System)
CD-Radio Serie
MP3 Serie
elektr. Schiebedach 1.380
Metalliclackierung 1.803
Leichtmetallfelgen Serie (17 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung 1.785
Xenonlicht Serie
Fahrer-Knieairbag Serie
Becken-Airbags für Fahrer und Beifahrer Serie
Müdigkeitswarner Serie
Presafe-System Serie
Bluetooth-Schnittstelle Serie
Innenspiegel automatisch abblendend Serie
sensorgesteuerte Scheibenwischanlage Serie
sensorgesteuertes Fahrtlicht Serie
Kraftstofftank 59 Liter Serie
Kraftstofftank 80 Liter 119
Start-Stopp-Funktion Serie
Sitzheizung vorne 446
Sitzheizung hinten 446
Sitzheizung und Sitzbelüftung vorne 1.261
Fondsitze klappbar 518
Lenkradheizung 309
digitales Radio 476
digitaler und analoger Fernsehempfang 1.178
Harman Kardon Surround-Soundsystem 940
Standheizung 1.630
Voll-LED-Licht 1.773
Ambiente-Beleuchtung 339
Spurhalte-Assistent und Totwinkel-Warner 893
Nachtsicht-Assistent 1.488
aktiver Einpark-Assistent 869
Rückfahrkamera 476
Luftfahrwerk 2.023
schlüsselloses Öffnen 1.321
Alarmanlage 518
Garagentoröffner 268
elektrisches Rollo (Heckfenster) 458

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Otto-V-Motor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 3.498 
Leistung in PS 306 
Leistung in kW 225 
bei U/min 3.500-5.250 
Drehmoment in Nm 370 
Antrieb Hinterradantrieb 
Gänge
Getriebe Automatik 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.596 
Spurweite hinten in mm 1.624 
Radaufhängung vorn Mehrlenkerachse, Luftfederung 
Radaufhängung hinten Raumlenkerachse, Luftfederung 
Bremsen vorn Scheibenbremsen, innen belüftet 
Bremsen hinten Scheibenbremsen, innen belüftet 
Wendekreis in m 11,3 
Räder, Reifen vorn 245/45 R17 auf 8,5 J x 17 H2 
Räder, Reifen hinten 245/45 R17 auf 8,5 J x 17 H2 
Lenkung elektromechanische Zahnstangen-Servolenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.940 
Breite in mm 1.881 
Höhe in mm 1.416 
Radstand in mm 2.874 
Leergewicht in kg 1.735 
Zuladung in kg 485 
Kofferraumvolumen in Liter 520 
Tankinhalt in Liter 59 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 250 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 6,1 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 6,8-7,0 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 9,1-9,5 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,4-5,6 
CO2-Emission in g/km 159-164 
Schadstoffklasse Euro 5 

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