Der neue Mercedes S 63 AMG im ersten Dynamik-Test

Dieses Brabbeln beim automatischen Runterschalten über mehrere Gänge klingt schon ziemlich cool. Wir sind im Mercedes S 63 AMG unterwegs, allerdings in keinem gewöhnlichen. Unter der Haube unseres Wagens arbeitet bereits der neue Bi-Turbo-Motor mit 544 PS aus 5,5 Liter Hubraum – in Serie geht die S-Klasse mit diesem neuen Triebwerk Ende September 2010. Das gegenüber seinem Vorgänger verkleinerte Aggregat leistet mehr bei geringerem Verbrauch.

Nach innen gedämpft
In der Kabine des S 63 AMG nehmen wir den neuen Antrieb als wohliges Knurren wahr – von draußen hört sich das ganz anders an. Kräftig bollert das Aggregat seinen Sound raus, ein Klang, der beim Beschleunigen so ruhig anschwillt, als möchte er auf die unendlich erscheinenden Reserven des Triebwerks hinweisen. Und die Reserven sind immens: 800 Newtonmeter und 544 PS liegen an – in der schwachen Version. Den Motor gibt es auch in einer gestärkten Variante, dann warten 571 PS und 900 Newtonmeter maximales Drehmoment auf einen Eingriff in den Straßenverkehr.

Direkteinspritzung und doppelter Turbo-Druck
Um hohe Leistung bei vergleichsweise geringem Verbrauch zu erreichen, haben die Ingenieure den Hubraum des Triebwerks um 747 auf jetzt 5.461 Kubikzentimeter reduziert. Hinzu kommt der erstmalige Einsatz von Direkteinspritzung und strahlgeführter Verbrennung. Eine Nockenwellenverstellung und eine Ladeluftkühlung helfen ebenso bei einer effizienten Kraftstoffausnutzung. Der Bi-Turbo arbeitet mit einem Ladedruck von 1,0 Bar, in der stärkeren Version werden 1,3 Bar Druck aufgebaut.

Mehr Leistung bei geringerem Verbrauch
Mit einem Verbrauch von 10,5 Liter pro 100 Kilometer genehmigt sich das Aggregat im Schnitt 3,9 Liter weniger als das Vorgänger-Triebwerk. Dabei steigt die Leistung um 19 beziehungsweise 46 PS, das Drehmoment klettert um 170 beziehungsweise 270 Newtonmeter. Das Interessante: Beide Leistungsstufen liegen in Sachen Spritdurst gleichauf.

Enorme Werte
Bei der Einstiegsvariante des AMG-intern M157 genannten Aggregats liegen 670 Newtonmeter Drehmoment bereits bei 1.500 U/min an. Von 2.000 bis 4.500 U/min sind die vollen 800 Newtonmeter zu haben. Die stärkere Version mit AMG Performance Package ist bei 2.000 U/min zu einem Drehmoment von 875 Newtonmeter fähig, die maximal 900 Newtonmeter haut der Achtzylinder zwischen 2.500 und 3.750 U/min raus. Entsprechend enorm sind die Fahrwerte des neuen S 63 AMG: In 4,5 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, mit Performance Package reichen 4,4 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird in der Einstiegskonfiguration bei 250 km/h abgeregelt, in der Power-Version wird erst bei 300 km/h elektronisch eingegriffen.

Jetzt mit MCT
Gekoppelt ist der neue Motor an das neue Siebengang-MCT-Getriebe, welches zuerst im SL 63 AMG und dann im E 63 AMG eingesetzt wurde. Bei diesem Multi-Clutch-Technology-Schaltwerk wird der Wandler durch eine nasse Anfahrkupplung ersetzt. Einem akzeptablen Spritverbrauch zuliebe arbeitet die Schaltung mit einem serienmäßig verbauten Start-Stopp-System zusammen. In unserem ersten Test schaltet sich der Motor beim Stillstand brav aus und geht spontan wieder ans Werk, sobald wir den Fuß von der Bremse nehmen. Im Fahrprogramm C (Controlled Efficiency) fährt der Wagen immer im zweiten Gang an und das Getriebe schaltet so früh wie möglich hoch, was dank der hohen Drehmomente kein Problem darstellt.

Frühes Fazit
Eine Launch Control zum perfekten Renn-Start bekommt der S 63 AMG übrigens nicht – schließlich sitzen wir immer noch in einer S-Klasse. Das neue effiziente Energiebündel unter der Haube wird, wie bei AMG üblich, nach dem Prinzip ,one man, one engine" in Affalterbach per Hand montiert. Unser Test-Aggregat trug an der Stelle, an der normalerweise die Plakette mit der Unterschrift des Monteurs sitzt, nur eine leere Vertiefung. Aber der Wagen macht jetzt schon Freude, lässt eine immense fahraktive Herangehensweise zu – und das bei reduziertem Verbrauch. Bei unserer Fahrt schnappte sich unser Achtzylinder-Turbo laut Bordcomputer 11,5 Liter pro 100 Kilometer.

Gallery: Brachialer Sparer