Porsche Cayman R im Test

,Das Auto ist fast 50 Jahre alt, das musst Du Dir mal vorstellen", sagt mir Walter Röhrl, während Begeisterung seine Gesichtszüge bestimmt. Röhrl steuert einen Porsche 904 GTS über den Rennkurs in Llucmajor auf der spanischen Insel Mallorca. Ich bin hier, um dem neuen Porsche Cayman R auf den Zahn zu fühlen – und der 1963 vorgestellte 904 GTS gilt als ein Vorfahre des stärksten Cayman aller Zeiten. Beim Neuen stand unter anderem Leichtbau im Vordergrund – der 904 GTS hat nicht einmal Anschnallgurte. Ich halte mich mit dem Kopf am Dach des niedrigen Wagens fest, während Röhrl dazu meint: ,Man fühlt sich richtig nackt" – aber unser Vertrauen in den Meister ist unendlich.

Abtrieb und stehender Spoiler
Optisch unterscheidet sich der Cayman R in kleinen Details vom Cayman S: Seine Frontspoiler-Lippe ist etwas ausgeprägter und der Heckspoiler steht fest im Wind – beim S-Modell lässt er sich ein- und ausfahren. Den R pressen die Modifikationen an den Asphalt: Der Auftrieb an der Vorderachse geht um 15 und an der Hinterachse um 40 Prozent runter. Außerdem sind die Lufteinlässe in den hinteren Kotflügeln und die Außenspiegelkappen schwarz lackiert. Eine nette Gemeinsamkeit mit dem 904 GTS gibt es auch: Bei beiden Wagen sind die Frontscheinwerfer mit einem schwarzen Rand versehen. Das Doppelendrohr ist ebenfalls schwarz lackiert – außer man ordert die Sportabgasanlage (2.154 Euro). Dann glänzt die Abgasanlage in poliertem Edelstahl.

Innen reduziert
Der Cayman R bringt 55 Kilogramm weniger auf die Waage als die S-Variante. Dafür wurde ein bisschen Komfort aus dem Wagen geworfen: Die Türen bestehen jetzt, wie beim 911 Turbo, aus Aluminium, die inneren Türgriffe mussten Schlaufen weichen. Wer also mal den eigentlich stabil wirkenden Türgriff abreißen sollte, kann ihn zur Not selber wieder annähen. Jedenfalls bringen die Alutüren minus 15 Kilogramm, der Entfall der Klimaanlage und der serienmäßige Einsatz von Sportsitzen werden mit jeweils zwölf Kilo Ersparnis belohnt, die Leichtbau-Felgen sind für fünf und das fehlende Radio für drei Kilogramm gut. Außerdem fehlen die Becherhalter auf der Beifahrerseite und die Ablagefächer in den Türen – das bringt nochmal ein paar Gramm.

Lange Strecke, lange Rennstrecke
Die Alcantara-Sportsitze des Cayman R geben renntauglichen Seitenhalt für Oberschenkel und Rücken. Ihre dünne Polsterung ist bequem genug für die lange Reise. Die Neigung der Rückenlehne lässt sich bei diesen Rennschalen nicht verstellen – optional gibt es die klassischen Sitze mit Rücklehnen-Verstellmöglichkeit. Das bringt aber sorgsam abgehungerte Kilos wieder zurück in den Wagen. Auch eine Klimaanlage und ein Radio kann man sich ins Auto zurückkaufen – auf Kosten des Gewichts. Porsche rechnet damit, dass zirka 15 Prozent der Kunden den Wagen nicht durch weitere Ausstattungsoptionen schwerer machen werden.

Wankwinkel: Nahe null
Auch am Fahrwerk haben die Ingenieure gearbeitet. Der Cayman R liegt um 20 Millimeter näher am Straßenbelag als seine Schwester S. Und da das eingesparte Gewicht hauptsächlich oberhalb des ursprünglichen Fahrzeug-Schwerpunktes wegfällt, sinkt auch dieser um zwei Millimeter ab. Und mich erwartet keine brettharte, anstrengende Kiste: Der Wagen wankt zwar fast nicht und Schlaglöcher sowie kurze Querrillen spüre ich auf jeden Fall, aber mein Rücken beschwert sich auch nach stundenlanger Fahrt nicht. Der Restkomfort ist auch auf ollen Straßen vollkommen ausreichend.

Kurve muss sein
Der Cayman R ist für die Biege gemacht: Das reduzierte Gewicht und der abgesenkte Schwerpunkt gehen mit einer kaum zu übertreffenden Präzisions-Lenkung einher, die uns beinahe unwirkliche Rückmeldungen gibt. Das Einlenkverhalten des Cayman R macht süchtig. Bei der Traktion hilft auch die serienmäßig verbaute mechanische Hinterachs-Quersperre. Der 904 GTS, mit dem mich Walter Röhrl mitnimmt, hat ebenfalls schon ein ausgesucht gutes Fahrwerk: ,Mit dem Wagen kannst du sehr schnell geradeaus fahren", meint Röhrl. Wenn er das sagt, dann ist die Speed für Otto-Normalverbraucher beängstigend. Beim R-Modell wird Porsche wieder seinem Ruf gerecht, die besten Bremsen der Welt zu bauen. Und wer den absurden Aufpreis von 8.033 Euro für Keramikbremsen ausgibt, bekommt zwar standfestere Scheiben, spart aber nur drei Kilogramm Gewicht. Der Grund: Die Bremsen stammen in ihrer Dimension aus dem Carrera und wurden nicht extra für den Cayman verkleinert.

Volles Rohr
Den Antrieb besorgt im Cayman R ein mittig angeordneter Sechszylinder-Boxermotor. Das Aggregat wurde gegenüber dem Cayman-S-Triebwerk um zehn auf 330 PS gestärkt. Dafür wurde das Vorrohr des Ansaugtraktes im Durchmesser um fünf Millimeter vergrößert. Außerdem wurde die Motorsteuerung angepasst. Das Leistungsmaximum liegt bei 7.400 U/min an, beim S reichen 7.200 U/min. Und im R-Modell geht es nicht nur um Leistung, es geht auch um Sound. Der Motor sitzt 20 Zentimeter hinter den Insassen. Porsche hat extra ein bisschen Dämmmaterial entfernt. Zusammen mit dem vergrößerten Vorrohr ergibt dies ein sonores Knurren und Brummen und im Schubbetrieb ein Brabbeln wie von einem Monster, das sich freudig überlegt, wen es als Nächsten verspeisen soll. Die aufpreispflichtige Sportabgasanlage mit Klappensteuerung macht auf Knopfdruck die Endrohr-Geräusche noch durchdringender.

Schnell vorn
Der Cayman R lässt sich sanft und souverän beschleunigen. Dann röhrt der Wagen sonor und der Kraftaufbau lullt die Insassen ein. Und wer heftig Gas gibt, wird mit unmittelbarem Ansprechverhalten belohnt. Der R haut los und sprudelt geradezu vor Arbeitswillen. Seine Längs- und querdynamischen Fähigkeiten werden vom 3,4-Liter-Triebwerk gerne genutzt. Mit Sechsgang-Handschaltung geht es in fünf Sekunden von null auf 100 km/h. Bei Einsatz des 3.148 Euro teuren Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) reichen 4,9 Sekunden für den Referenz-Sprint. Kommt auch noch das Sport Chrono Paket Plus für 1.226 Euro ins Auto, reichen sogar 4,7 Sekunden, um Tempo 100 zu knacken. Ich habe das PDK im Auto. Damit soll ein Gesamtverbrauch von 9,3 Liter pro 100 Kilometer drin sein. Nach dem erbarmungslosen Rumgeheize auf der Rennstrecke zeigt uns der Bordcomputer unerwartet mikrige 14,0 Liter Durchschnittsverbrauch an. Bei Landstraße und Autobahn mit einer Beimischung von ein bisschen Stadtverkehr landen wir laut Bordcomputer bei 6,6 Liter pro 100 Kilometer. Der schlanke Wagen braucht nicht viel Futter.

Knackig schalten
Beim PDK des Cayman R haben die Ingenieure nichts an der Übersetzung gemacht, nur die Steuerungssoftware wurde den neuen Anforderungen angepasst. Das Schaltwerk arbeitet beim Landstraßen-Cruisen ungemein sanft, nie stört ein Ruckler den Kraftfluss. Bei der Kurvenhatz und erst recht auf der Rennstrecke werden die Gänge schön ausgedreht. Das Herunterschalten schon bei hohen Drehzahlen hilft, am Kurvenausgang besonders schnell wieder auf Touren zu kommen.

Kosten: Passt schon
Den Cayman R gibt es ab 69.830 Euro. Der Cayman S wird mit mindestens 62.571 Euro berechnet. Aber die 7.259 Euro Preisunterschied sagen noch nicht allzu viel aus. Sportschalensitze und mechanische Hinterachs-Quersperre kosten beim Cayman S Aufpreis. Die Mehrleistung und die verschärfte Gewichtsreduzierung gibt es beim S-Modell nicht, dafür aber eine Klimaanlage und ein Radio – und die Becherhalter. Letztere bekommt man allerdings beim R auf Wunsch ohne Aufpreis. Die Mehrkosten für den King im Cayman-Ring gehen irgendwie in Ordnung.

Wertung

  • ★★★★★★★★★★
  • Der Porsche Cayman R kann alles besser als das S-Modell – außer Becher halten. Noch klarer als der S gibt sich der R feinstem Fahrspaß hin. Mit leicht geschärfter Optik, sportlicherem Fahrwerk, reduziertem Gewicht, sensationellem Einlenkverhalten, trockener Athletik, überzeugendem Sound und austrainiertem Triebwerk macht sich der Cayman R ans Werk.

    Bisher war der Cayman S in vielerlei Hinsicht Benchmark seiner Klasse. Jetzt übernimmt der Cayman R diesen Platz. Aber Porsche muss aufpassen: Wem ein 911 Carrera zu teuer ist, der findet im Cayman R einen ziemlich guten Ersatz.

  • Antrieb
    100%
    schön druckvoll, tolles PDK
    effizient
  • Fahrwerk
    100%
    noch sportlicher als beim Cayman S
    fantastisches Einlenk-Verhalten
  • Karosserie
    95%
    optisch knackig
    Sportlenkrad und Sportsitze Serie
  • Kosten
    90%
    toller Benchmark-Wagen fürs Geld
    wie immer: die Aufpreisliste

Preisliste


Porsche Cayman R

Grundpreis: 69.830 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaautomatik 1.529
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe 3.148
Bildschirmnavigation 2.921
CD-Radio ohne Aufpreis
Metalliclackierung 904
Leichtmetallfelgen Serie (19 Zoll)
Tempomat 440
Xenonlicht 1.559
Leichtbau-Batterie (Lithium-Ionen) 1.904
ParkAssistent (hinten) 512
Heckscheibenwischer 345
Automatisch abblendende Innen- / Außenspiegel mit integriertem Regensensor 547
Porsche Ceramic Composite Brake (PCCB) 8.033
Sport Chrono Paket Plus 797
Sportabgasanlage 2.154
Garagentoröffner 286
Alarmanlage 202
Sitzheizung 434
Gepäckschott 274
Feuerlöscher 149
TV-Tuner 1.535
Sprachbedienung 452
Universelle Audio-Schnittstelle 113
Handyvorbereitung 655
Werksabholung 702

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Boxermotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 3.436 
Leistung in PS 330 
Leistung in kW 243 
bei U/min 4.750 
Drehmoment in Nm 370 
Antrieb Hinterradantrieb 
Gänge
Getriebe Doppelkupplungs-Getriebe 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.490 
Spurweite hinten in mm 1.530 
Radaufhängung vorn Federbein-Achse (McPherson-Bauart) mit einzeln an Querlenkern, Längslenkern, Spurstangen und Federbeinen aufgehängten Rädern; Kegelstumpffedern mit innen liegenden hydraulischen Zweirohr-Gasdruckdämpfern 
Radaufhängung hinten Federbein-Achse (McPherson-Bauart) mit einzeln an Querlenkern, Längslenkern, Spurstangen und Federbeinen aufgehängten Rädern; zylindrische Schraubenfedern innen liegenden hydraulischen Zweirohr-Gasdruckdämpfern 
Bremsen vorn Scheibenbremsen, innen belüftet, 318 x 28 mm 
Bremsen hinten Scheibenbremsen, innen belüftet, 299 x 24 mm 
Räder, Reifen vorn 235/35 ZR 19 auf 8,5 J x 19 
Räder, Reifen hinten 265/35 ZR 19 auf 10 J x 19 
Lenkung Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.347 
Breite in mm 1.801 
Höhe in mm 1.285 
Radstand in mm 2.415 
Leergewicht in kg 1.320 
Zuladung in kg 325 
Kofferraumvolumen in Liter 150 (vorne) + 260 (hinten) 
Tankinhalt in Liter 54 
Kraftstoffart Super Plus 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 280 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 4,9 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 9,3 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 14,0 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 6,6 
CO2-Emission in g/km 218 
Schadstoffklasse Euro 5 
Fixkosten
Steuer pro Jahr in Euro 266 
Haftpflicht-Klasse 14 
Teilkasko-Klasse 28 
Vollkasko-Klasse 28 

Bildergalerie: Skinny little Benchmark