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Schöner Konsul
Ist Aussehen alles? Der geliftete VW CC im Test

Roland Hildebrandt 
Von: Roland Hildebrandt
17. Jan. 2012 um 17:55 Uhr
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Nennen Sie ihn bloß nicht Passat: Gut vier Jahre nach dem Debüt legt der edelste Vertreter der Baureihe seinen bürgerlichen Modellnamen ab und tritt nur noch als VW CC auf. So hieß die viertürige Limousine mit Coupéeinschlag schon seit jeher in den USA, wohin die meisten der bislang rund 320.000 gebauten Exemplare gingen. Ein umfangreiches Lifting soll dem CC nun auch in Europa mehr Freunde verschaffen. Wir haben es getestet.
Kürzer und flacher
Die Abkürzung CC steht offiziell für ,Comfort-Coupé", doch die Verbindung zur Kennung des konsularischen Korps drängt sich auf. Im Vergleich zum Passat Stufenheck spielt der CC die Rolle des schönen Konsuls. Interessant ist der direkte Vergleich: Der CC ist sieben Zentimeter kürzer und fünf Zentimeter flacher, aber drei Zentimeter breiter. Gleich ist bei beiden der Radstand von 2,71 Meter.
Beruhigtes Design
Nicht nur namentlich entfernt sich der CC von seiner bürgerlichen Passat-Verwandtschaft: Die Lifting-Maßnahmen sollen ihn optisch näher an den Phaeton rücken lassen. Tatsächlich könnte man beim flüchtigen Blick auf die Frontpartie an den Nobel-VW denken. Möglich macht das der üppig verchromte Grill, bei dem aber so mancher Ähnlichkeiten zum Renault Latitude erkennt. CC-Designer Oliver Stefani ficht das nicht an: Er weist auf die veränderte Motorhaube hin, deren Sicken die jetzt serienmäßigen Bi-Xenon-Scheinwerfer betonen. Außerdem habe man das Heck mit neuen LED-Leuchten ruhiger gestaltet, so Stefani. Hier muss man ihm recht geben, das gesamte Fahrzeug wirkt harmonischer als bislang. Unverändert bleibt der Bereich zwischen A- und C-Säule. Kein Wunder: Kaufgrund Nummer eins ist beim CC natürlich die coupéartige Form.
Bitte nicht zu lang
Dafür nehmen CC-Kunden auch einige Einschränkungen in Kauf: Beim Einstieg in den Fond muss der Kopf eingezogen werden. Die dafür verantwortliche Dachlinie lässt zudem nur wenig Luft über dem Scheitel, ab einer Körpergröße von 1,90 Meter kommt es zur Kontaktaufnahme. Rundum überzeugend ist hingegen die Beinfreiheit. Luftiger geht es auf den vorderen Plätzen zu. Hier blicken Fahrer und Beifahrer auf ein nur leicht modifiziertes Cockpit. Auffälligste Änderung ist die Analoguhr oberhalb der Mittelkonsole, zudem ist die Instrumententafel jetzt auch in einem adretten Braunton lieferbar. In Sachen Verarbeitung gibt sich der CC keine Blöße, ein Großteil der genarbten Oberflächen sind jedoch nur harter Kunststoff im Frack.
Platz für Gepäck
Eine angenehme Überraschung hält der CC-Kofferraum bereit: Mit einem Volumen von 532 Liter ist er nur 33 Liter kleiner als das üppige Gepäckabteil des Passat Stufenheck. Werden die Rücksitzlehnen durch Hebelzug unter der Heckscheibe umgeklappt, entsteht eine ansteigende Fläche. Für mehr Komfort steht das so genannte ,Easy Open"-System bereit: Hier kann der Heckdeckel durch eine Fußbewegung unter dem Stoßfänger geöffnet werden.
Erste Hilfe
Damit wären wir beim Thema Assistenzsysteme. In diesem Punkt hat VW den CC ordentlich aufgerüstet. Serienmäßig ist eine Müdigkeitserkennung an Bord, alle weiteren Helferlein kosten extra. Zu diesen gehört ein Totwinkelwarner, der zudem beim Überfahren von Spurmarkierungen gegenlenkt. Außerdem im Angebot: eine dynamische Fernlichtregulierung, eine Verkehrszeichenerkennung und ein Einparksystem der zweiten Generation. Diesem reichen Abstände von nur jeweils 40 Zentimetern, um den Wagen selbstständig in Querlücken zu zirkeln. Eine ratsame Anschaffung, denn die schmalen Seitenscheiben und das nicht einsehbare Heck folgen dem Motto: Wer schön sein will, muss leiden.
Ideales Doppel
Assistenten hin oder her, wir wollen natürlich selber ins Lenkrad greifen. Das CC-Motorenangebot besteht aus drei Benzinern und zwei Dieseln. Wir entscheiden uns für den 2.0 TSI mit 210 PS. Mit dabei ist ein DSG mit sechs Gängen. Schon nach den ersten Kilometern zeigt sich, dass diese Kombination gut zusammenpasst. Der laufruhige Benziner stellt bereits ab 1.700 Touren sein maximales Drehmoment von 280 Newtonmeter bereit, während das DSG unauffällig die Gänge wechselt. Getrübt wird die Harmonie lediglich bei starkem Gasgeben: Bei höheren Drehzahlen klingt der Motor knurrig, zumal das Getriebe dann die Stufen erst spät wechselt.
Komfort statt Sport
Einen Kritikpunkt muss sich auch die ansonsten exakte elektromechanische Lenkung gefallen lassen: Sie ist um die Mittellage indifferent, ein Phänomen, das man von der Passat-Baureihe kennt. Unterstützt wird der Gleiter-Charakter des VW CC durch das beim 210-PS-TSI serienmäßige Sportfahrwerk samt adaptiver Fahrwerksregelung DCC. Hierbei kann der Fahrer per Knopfdruck aus einer komfortablen, normalen oder sportlichen Abstimmung wählen. Sowohl die Dämpfer als auch die Lenkung werden dementsprechend angepasst. In der Praxis zeigt sich schnell, dass sich zwischen den Modi nur Nuancen befinden, die allenfalls geübte Fahrer wahrnehmen. Unabhängig von den Einstellungen rollt der CC komfortabel über den Asphalt, einzig bei sehr groben Unebenheiten wird ein Poltern in den Fahrgastraum durchgereicht. Wäre das DCC also nicht serienmäßig an Bord, könnte man sich den Aufpreis von 1.085 Euro getrost sparen.
Fast außer Konkurrenz
Das Stichwort Sparen bringt uns zu der Preisgestaltung des CC. Auf den ersten Blick wirkt der CC nicht wie ein Schnäppchen: Die Preise starten bei 31.800 Euro für den 1.8 TSI mit 160 PS, für unseren TSI mit 210 PS und DSG werden exakt 37.000 Euro fällig. Also doch ein Design-Zuschlag gegenüber dem normalen Passat? Unter dem Strich nicht, den für den CC gibt es keine Ausstattungslinien. Zudem ist schon einiges im Preis inklusive, darunter Bi-Xenon-Scheinwerfer und 17-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 235er-Bereifung. Eine gleich starke Passat Limousine mit DSG und der CC-Ausstattung kostet sogar überraschende 280 Euro mehr. Trotzdem ist die CC-Aufpreisliste üppig, wer 50.000 Euro investieren möchte, knackt auch diese Grenze. Vergleichbare Konkurrenzmodelle finden sich im Segment des VW CC nur wenige, darunter der jüngst überarbeitete Audi A5 Sportback. Er steht als 2.0 TFSI mit 211 PS und Multitronic für 40.500 Euro in der Liste. Wer auf eine besondere Optik Wert legt, sollte einen Blick auf den neuen Citroën DS5 werfen. Mit handgeschaltetem 200-PS-Turbobenziner ist er schon ab 33.680 Euro erhältlich.
Wertung
-
★★★★★★★★★☆
Man ist geneigt, beim neuen VW CC vom ,Phaeton des kleinen Mannes" zu sprechen. Nicht nur wegen der ähnlichen Front und den vielen Assistenzsystemen, sondern auch wegen des hohen Komfortniveaus, das den CC zum idealen Reisefahrzeug macht. Wer in dieser Klasse eine coupéhaft gestylte Limousine sucht, kommt an ihm kaum vorbei, zumal für VW-Verhältnisse sogar der Preis im Rahmen bleibt. Da muss man noch nicht einmal Konsul sein.
-
Antrieb
90%
laufruhiger Motor bei Volllast spät schaltendes DSG
-
Fahrwerk
90%
komfortable Federung kaum Unterschiede innerhalb des DCC spürbar
-
Karosserie
85%
großer Kofferraum schlechte Übersichtlichkeit
-
Kosten
80%
gute Serienausstattung üppige Aufpreisliste
Preisliste
VW CC 2.0 TSI DSG
Grundpreis: 37.000 Euro
Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Seitenairbags hinten 375 Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie Klimaanlage Serie Klimaautomatik 460 Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe Serie Bildschirmnavigation 665 CD-Radio Serie MP3 Serie elektr. Schiebedach 1.085 Metalliclackierung 570 Leichtmetallfelgen Serie (17 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrerseite elektrisch) Tempomat 230 Lederausstattung 1.625 Xenonlicht Serie Kurvenlicht Serie Nebelscheinwerfer 185 Anhängevorrichtung 880
Sitzheizung vorne 305 adaptives Fahrwerk Serie automatische Distanzregelung 1.210 Parklenkassistent 860 Sensoröffnung des Heckdeckels 660
Datenblatt
Motor und Antrieb Motorart Ottomotor mit Direkteinspritzung und Turboaufladung Zylinder 4 Ventile 4 Hubraum in ccm 1.984 Leistung in PS 210 Leistung in kW 155 bei U/min 1.700 - 5.200 Drehmoment in Nm 280 Antrieb Frontantrieb Gänge 6 Getriebe Doppelkupplungsgetriebe Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.552 Spurweite hinten in mm 1.559 Radaufhängung vorn Dreiecksquerlenker Radaufhängung hinten Vierlenkerachse Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet Bremsen hinten Scheiben Wendekreis in m 11,4 Räder, Reifen vorn 235/45 R 17 Räder, Reifen hinten 235/45 R 17 Lenkung elektromechanische Servolenkung Maße und Gewichte Länge in mm 4.802 Breite in mm 1.855 Höhe in mm 1.417 Radstand in mm 2.711 Leergewicht in kg 1.535 Zuladung in kg 455 Kofferraumvolumen in Liter 532 Anhängelast, gebremst in kg 1.600 Dachlast in kg 100 Tankinhalt in Liter 70 Kraftstoffart Super Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 240 Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 7,6 EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,8 EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 11,0 EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 6,0 CO2-Emission in g/km 182 Schadstoffklasse Euro 5 Fixkosten Garantie 2 Jahre
Bildergalerie: VW CC im Test
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