KGM Musso EV 2WD (2026): Ein Nashorn als Yeeha-Koreaner im Test
Der Pick-up zeigt, dass ein vollelektrischer und komfortabler Arbeiter nicht teuer sein muss
"Nashörner werden durch einen kräftigen Körper und kurze Gliedmaßen mit drei Zehen sowie einen großen Kopf charakterisiert", sagt Wikipedia. Warum dieser Exkurs? Musso ist das koreanische Wort für Nashorn. Genau dieses Tier schickt KGM auf den überschaubaren Pick-up-Markt in Deutschland.
Der Stromer KGM Musso EV macht den Anfang zu einem fairen Preis ab 41.990 Euro. Für das Geld liefert der Koreaner eine solide 80,6-kWh-Batterie und bietet eine Reichweite von bis zu 420 Kilometern. Optisch gibt sich der KGM Musso EV unaufgeregt und hemdsärmelig. Mit 5,16 Meter Länge, markanten Pixelleuchten und zwei wuchtigen Haken auf der Motorhaube wirkt die Karosserie erfrischend ehrlich.
Kein verspieltes Schnickschnack-Design, sondern ein klassischer Pick-up. Im Innenraum überrascht der Koreaner mit bequemen Polstern und ordentlich Platz auf den hinteren Sitzen. Wer Werkzeug oder Sportgeräte transportieren möchte, nutzt die 1,35 Meter lange Ladefläche. Dank Vehicle-to-Load-Funktion lassen sich elektrische Werkzeuge direkt an der Batterie betreiben.
Einige Schattenseiten gibt es im Cockpit dennoch. Die Klimabedienung verlangt nach Touch-Eingaben, wo physische Schalter praktischer wären. Zudem reagieren manche Assistenzsysteme unnötig nervös. Vor allem der Aufmerksamkeitswarner neigt zu Piep-Konzerten im Alltag. Auch das Infotainmentsystem genehmigte sich im Test gelegentliche Denkpausen bei der Verbindung per Kabel mit dem Smartphon zur Nutzung von Android Auto. Wer hier drüber hinwegsehen kann, findet sich in einem gut verarbeiteten und leicht zu reinigenden Arbeitsplatz wieder.
Ein echter Cruiser auf der Straße
Beim Antrieb setzt das Basismodell überraschenderweise auf Frontantrieb mit 152 kW (207 PS) sowie 339 Nm Drehmoment. Das reicht für den normalen Alltagsverkehr völlig aus. Mit rund 2,2 Tonnen Leergewicht liegt der Stromer satt auf der Straße. Auf der Autobahn glänzt das Fahrwerk mit guter Spurtreue und hohem Fahrkomfort. Nur bei tiefen Schlaglöchern oder abrupten Bodenwellen wippt der Aufbau kurz nach. Wer schwere Anhänger ziehen oder durch tiefen Schlamm wühlen will, greift allerdings besser zur Allradversion mit höherer Anhängelast (2.300 kg).
Überraschend positiv präsentiert sich der Verbrauch des kantigen Pick-ups. Bei sommerlichen Temperaturen verlangte der KGM Musso EV auf der Autobahn bei rund 120 km/h im Schnitt lediglich 20,6 kWh auf 100 Kilometern. In der Stadt sinkt der Wert sogar auf etwa 16 kWh. Damit sind praxistaugliche Etappen ohne permanente Ladestopps möglich. Die Rekuperation lässt sich über Lenkradwippen in vier Stufen einstellen, ein echtes One-Pedal-Feeling mit vollständigem Stillstand bietet das System allerdings nicht.
An der Schnellladesäule zeigt die 80,6-kWh-Batterie eine verlässliche Ladekurve. Mit maximal 121,8 kW Ladeleistung hält der KGM das Niveau stabil bis zur Hälfte des Ladevorgangs. Das Laden von 10 auf 80 Prozent gelingt in knapp 36 Minuten. Ab 80 Prozent bricht die Ladeleistung jedoch spürbar ein. Wer auf der Langstrecke kurze Ladezeiten anstrebt, sollte die Weiterfahrt daher rechtzeitig einplanen. Am Wechselstrom-Anschluss lädt der Pick-up mit bis zu 10,5 kW.
Preisknüller im Segment
Der stärkste Trumpf des KGM Musso EV bleibt die Preisgestaltung. Während die etablierte Konkurrenz wie Ford Ranger oder Toyota Hilux als Verbrenner oder Elektroauto oft erst jenseits der 50.000 Euro oder gar 70.000 Euro startet, ruft KGM für die gut ausgestattete Basisversion transparente 41.990 Euro inklusive Mehrwertsteuer auf. Wer mehr Ausstattung oder Allradantrieb möchte, zahlt entsprechend Aufpreis. Abgerundet wird das Paket durch eine umfassende Garantie von sieben Jahren oder bis zu 150.000 Kilometern auf das Fahrzeug.
Der KGM Musso EV zeigt eindrucksvoll, dass ein praktisches Elektroauto im Pick-up-Format nicht unbezahlbar sein muss. Er bietet viel Komfort, solide Reichweite und ein ehrliches Gesamtpaket für Handwerk und Freizeit. Schwächen bei der Software und den Assistenten verzeiht man ihm angesichts des Preises schnell. Johnny Cash aufgelegt und ab dafür durch die deutsche Prärie – Yeeha!
Den ausführlichen Testbericht mit allen Eindrücken und Bildern finden Sie auf InsideEVs.de.
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