KGM Musso Q300 (2026) im Test: Mehr als nur ein Arbeitstier
202 Diesel-PS, Allrad, 3,5 Tonnen Anhängelast und erstaunlich viel Ausstattung: Der neue Musso will Ranger und Co. ärgern
Pick-ups haben es in Deutschland traditionell schwer. Selbst Mercedes musste das mit der X-Klasse erfahren, die trotz großen Aufwands nach wenigen Jahren wieder verschwand. Und ausgerechnet KGM will es nun wissen. Jener koreanische Hersteller also, den die meisten hierzulande noch unter seinem früheren Namen SsangYong kennen und der mit neuem Namen, neuer Designsprache und einem deutlich selbstbewussteren Auftritt einen Neustart versucht.
Der neue Musso Q300 soll dabei offenbar zeigen, dass KGM weiterhin etwas von robusten Allradlern versteht. Ein Volumenmodell wird der Musso deshalb wohl kaum. Interessant ist er trotzdem, denn KGM betreibt erstaunlichen Aufwand. Neben dem eigenständigen elektrischen Musso EV, den wir demnächst auf InsideEVs.de testen, gibt es den Diesel als 5,15 Meter langen Musso und als 5,46 Meter langen Musso Grand.
Bildergalerie: KGM Musso Q300 2026 Test
Unser normaler Musso kombiniert einen klassischen Leiterrahmen, zuschaltbaren Allradantrieb und 202-PS-Diesel mit einer Ausstattung, die teilweise eher nach SUV als nach Nutzfahrzeug klingt. Bis zu 3,5 Tonnen darf die Automatikversion zudem an den Haken nehmen.
Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Preis | Fazit
| Schnelle Daten | KGM Musso Q300 2.2 Diesel Automatik |
| Motor | 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel |
| Leistung | 202 PS (148 kW) |
| Drehmoment | 441 Nm |
| Getriebe | 6-Stufen-Automatik |
| Antrieb | Zuschaltbarer Allradantrieb |
| Höchstgeschwindigkeit | 172 km/h |
| Verbrauch (WLTP) | 9,6 l/100 km |
| Preis | ab 40.990 Euro, Lux 49.490 Euro |
Karosserie/Design
Optisch ist dieser Neustart gelungen. Mit Ausnahme von Dach und Türen hat KGM sämtliche Karosserieteile überarbeitet. Der Musso ist 5,15 Meter lang, 1,95 Meter breit und steht inklusive Dachreling 1,865 Meter hoch auf der Straße. Der Radstand beträgt 3,10 Meter.
Vor allem die Front macht etwas her. Das breite LED-Band, die darunter angeordneten Leuchten, der mächtige Grill und die vielen geometrischen Formen ergeben ein Gesicht, das man sich merkt. Auch Seitenlinie und Heck wirken modern und erfreulich eigenständig. Vor Ford Ranger oder VW Amarok braucht sich der Koreaner optisch jedenfalls nicht zu verstecken. Eher im Gegenteil.
Unsere Lackierung in Sandstone Beige erinnert aus deutscher Perspektive zwar ein wenig an die klassische Taxifarbe. Geschenkt. Insgesamt sieht der Musso kernig aus, ohne krampfhaft den amerikanischen Monster-Truck zu spielen.
Hinten wartet eine 1,30 Meter lange Pritsche, beim Grand wären es 1,61 Meter. KGM nennt bis zu 1.262 Liter Ladevolumen und je nach Version und Ausstattung maximal 1.085 Kilogramm Zuladung. Acht Verzurrösen, LED-Beleuchtung und zwei in die hintere Stoßstange integrierte Tritte helfen im Arbeitsalltag.
Eine Abdeckung hatte unser Testwagen allerdings nicht. Im deutschen Herbst wird aus der riesigen Ladefläche damit schnell ein ziemlich großes Planschbecken für alles, was man besser trocken transportiert hätte. Da sollte man sich im Zubehör umschauen, wo es saubere Lösungen gibt.
Innenraum
Die nächste Überraschung wartet hinter der Tür. Für einen Pick-up ist der Musso innen richtig nett gemacht. Natürlich finden wir Hartplastik, aber das Armaturenbrett ist weich ausgeführt, dazu kommen Kunstlederoptik, Klavierlack, Dekore und sauber gesetzte Kontraste. Das Ambiente hat mit einem spartanischen Baustellenfahrzeug wenig zu tun.
Das gilt besonders für unsere Lux-Ausstattung. Hier gibt es Ledersitze mit Heizung, vorne zusätzlich Sitzbelüftung, eine Lendenwirbelstütze für den Fahrer, beheizbares Lederlenkrad, Ambientebeleuchtung, Zwei-Zonen-Klimaautomatik und eine induktive Ladeschale. Die Ledersitze sind groß, bequem und angenehm gepolstert. Seitenhalt ist eher theoretischer Natur, aber wer mit einem Musso auf Zeitenjagd geht, hat ohnehin das falsche Auto erwischt.
Erstaunlich überzeugend ist die Bedienung. Zwei 12,3-Zoll-Displays gehören bereits beim Core zur Ausstattung, Apple CarPlay und Android Auto funktionieren drahtlos. Das Infotainment ist zwar touchlastig, bleibt aber durch große Icons, eine flache Menüstruktur und nachvollziehbare Zuordnungen angenehm übersichtlich.
Noch besser: KGM lässt der Klimatisierung große Drehregler und klar beschriftete Tasten. Auch das digitale Kombiinstrument ist gut ablesbar und liefert reichlich Informationen, ohne den Fahrer mit grafischem Firlefanz zuzuschütten. Manche etablierte Marke dürfte sich gerne einmal für eine halbe Stunde hineinsetzen und mitschreiben.
Selbst eine mehrfarbige Ambientebeleuchtung gibt es. Nur am Armaturenbrett, aber wir reden hier immer noch über einen Pick-up. Zusammen mit der guten Geräuschdämmung und den komfortablen Sitzen entsteht tatsächlich ein Hauch SUV.
Ablagen gibt es ohnehin reichlich. Großes Handyfach, induktive Ladeschale, Getränkehalter, riesiges Fach unter der Mittelarmlehne und üppige Türtaschen machen den Musso erfreulich praktisch.
| Abmessungen | KGM Musso |
| Länge x Breite x Höhe | 5.150 x 1.950 x 1.865 mm |
| Radstand | 3.100 mm |
| Bodenfreiheit | 245 mm |
| Leergewicht Automatik | 2.085 - 2.151 kg |
| Zulässiges Gesamtgewicht | 2.940 kg |
| Anhängelast gebremst | 3.500 kg |
| Tankinhalt | 75 Liter |
Auch hinten überrascht er. Viel Knie- und Kopffreiheit, kaum störender Kardantunnel und eine vernünftig ausgeformte Sitzbank machen die Doppelkabine tatsächlich fünfsitzertauglich, wenngleich der mittlere Platz naturgemäß schlechter ist. Praktisch ist außerdem die umklappbare Rücksitzlehne. Wer nur zu zweit unterwegs ist, bekommt dahinter zusätzlichen trockenen Stauraum.
Ein Problem ist allerdings der Einstieg. Ohne Trittbretter muss man in den 1,87 Meter hohen Musso regelrecht hineinklettern. Für jüngere Menschen ist das eine Kleinigkeit, für Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit kann die Höhe dagegen zum echten Hindernis werden. Mein fast 90jähriger Vater musste jedenfalls fast passen.
Antrieb/Fahreindrücke
Unter der Haube arbeitet ein 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 202 PS. Mit der Sechsstufen-Automatik stehen 441 Nm zwischen 1.600 und 2.600 Touren bereit. Das Leergewicht liegt je nach Ausstattung bei gut 2,1 Tonnen, die Höchstgeschwindigkeit gibt KGM für den Automatik-Musso mit 172 km/h an.
Der Diesel passt erstaunlich gut. Er bleibt akustisch meist dezent im Hintergrund, grummelt eher, als dass er nagelt, und schiebt das riesige Auto aus niedrigen Geschwindigkeiten kräftig an. Untermotorisiert fühlt sich der Musso praktisch nie an.
Selbst auf der Autobahn hat die Sache mehr Unterhaltungswert als erwartet. Bis 140 oder 150 km/h zieht der KGM munter durch, vor allem im Sportmodus. Auf freier Strecke zeigte unser Tacho sogar einmal rund 185 km/h. Sinnvoll ist das in einem Pick-up ungefähr so sehr wie Laufschuhe beim Oktoberfest, aber es zeigt, dass dem Diesel nicht sofort die Luft ausgeht.
Weniger gelungen ist die Automatik im Normalmodus. Sie verschleift Gangwechsel teilweise derart, dass kurz der Eindruck eines stufenlosen Getriebes entsteht. Im Sportprogramm wird die Sache deutlich verbindlicher.
Die eigentliche Schwachstelle liegt eine Etage tiefer. Vorne arbeitet eine Doppelquerlenkerachse, hinten setzt KGM auf eine fünffach gelagerte Starrachse mit Schraubenfedern. Auf glatter Straße funktioniert das ordentlich. Sobald der Asphalt schlechter wird, rüttelt und schüttelt die Hinterachse jedoch teilweise heftig. Die hohe mögliche Zuladung und die daraus resultierenden Reserven machen sich hier negativ bemerkbar. Gerade auf längeren Autobahnetappen kann dieses permanente Zittern nerven.
Dafür fährt der Musso in Kurven erstaunlich sicher. Die Karosserie neigt sich kräftig, doch der Pick-up bleibt lange neutral und gut kontrollierbar. Einen Anteil daran dürften die Conti SportContact unseres deutschen Testwagens haben. Ein ausgewiesener Straßen-Sportreifen auf einem Geländepickup ist zwar eine ziemlich kuriose Paarung, Grip liefert er aber reichlich.
Die Bremsen passen ins Bild. Unspektakulär, ordentlich dosierbar und angesichts von mehr als zwei Tonnen Fahrzeugmasse völlig angemessen. Auch hier helfen die griffigen Reifen. Die Lenkung bleibt dagegen typische Pick-up-Kost. Sehr indirekt, leichtgängig und beim Rangieren mit reichlich Kurbelei verbunden. Der Sportmodus macht sie schwerer, aber nicht unbedingt besser.
Zum Glück besitzt der Lux eine 360-Grad-Kamera, und die ist bei 5,15 Metern Länge und 1,95 Metern Breite beim Rangieren Gold wert. Vorsicht ist lediglich mit Auto Hold geboten. Beim Rangieren kann der Musso nach dem Lösen der Bremse überraschend beherzt losrollen.
Die Assistenten sind besser als erwartet. Abstandstempomat und Spurführung arbeiten weitgehend unauffällig, nur gelbe Baustellenmarkierungen bringen die Spurführung durcheinander. Besonders erfreulich ist die Bedienung: Nervige Warnfunktionen lassen sich mit einer sauber sortierten Shortcut-Leiste abschalten, statt irgendwo im achten Untermenü versteckt zu werden.
Und dann kommt das Gelände. Wir konnten den Musso zwar nicht durch einen Offroad-Parcours prügeln, eine schlammige Baustelle reichte aber für einen ersten Eindruck. Dort verwandelt sich die auf Asphalt lästige Hinterachse plötzlich vom Problemkind zum richtigen Werkzeug.
Normalerweise fährt der Musso mit Hinterradantrieb. Per Drehregler lässt sich der Allradantrieb zuschalten, zusätzlich gibt es eine Geländeuntersetzung. Ein Sperrdifferenzial unterstützt die Traktion, die Bodenfreiheit beträgt stattliche 245 Millimeter. Im Schlamm wühlt sich der KGM entsprechend souverän vorwärts. Eher setzen ihm dort die SportContact-Reifen Grenzen als die Mechanik.
| Technische Daten | KGM Musso 2.2 Diesel Automatik |
| Motor | 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel |
| Hubraum | 2.157 cm³ |
| Leistung | 202 PS (148 kW) bei 3.800 U/min |
| Drehmoment | 441 Nm bei 1.600 - 2.600 U/min |
| Getriebe | 6-Stufen-Automatik |
| Antrieb | Zuschaltbarer Allradantrieb |
| Höchstgeschwindigkeit | 172 km/h |
| Verbrauch WLTP | 9,6 l/100 km |
| CO2-Emissionen WLTP | 252 g/km |
| Tankinhalt | 75 Liter |
Verbrauch/Preis
KGM gibt den Automatik-Musso mit 9,6 Liter Diesel je 100 Kilometer nach WLTP an. Unser Test zeigte, dass dieser Wert keineswegs utopisch ist. Sehr ruhig gefahren standen auf der Landstraße rund 8,5 Liter auf dem Bordcomputer. Auf der Autobahn waren es trotz zahlreicher schneller Abschnitte etwa 10,5 bis 11 Liter.
In der Stadt sind zehn Liter erreichbar, bei entsprechendem Gasfuß werden daraus aber auch schnell zwölf oder 13. Angesichts von Größe, Gewicht und Aerodynamik geht das in Ordnung. Der 75-Liter-Tank erklärt zudem, warum die Reichweitenanzeige bei zurückhaltender Fahrweise zeitweise in Richtung 1.000 Kilometer marschiert.
Preislich startet der Musso Core bei 40.990 Euro, der von uns gefahrene Lux kostet mindestens 49.490 Euro. Dafür sind unter anderem Sechsstufen-Automatik, Assistenzpaket, Ledersitze samt Heizung und Belüftung sowie 360-Grad-Kamera bereits serienmäßig. KGM gewährt fünf Jahre Herstellergarantie bis 150.000 Kilometer, sechs Jahre gegen Durchrostung und fünf Jahre europaweite Mobilitätsgarantie.
Und damit wird es interessant. Ein vergleichbarer Ford Ranger XLT mit Doppelkabine, Vierzylinder-Diesel, Automatik und Allrad liegt preislich bereits oberhalb des Musso. Der Isuzu D-Max mit Doppelkabine startet aktuell bei 47.390 Euro, der 215 PS starke Maxus T60 Max mit Allrad und Achtstufen-Automatik kostet 47.588 Euro. Der Toyota Hilux gehört ebenfalls zu den direkten Rivalen.
Damit steht der Musso keineswegs als Billigheimer neben den etablierten Pick-ups. Vor allem die 40.990 Euro teure Core-Version ist aber attraktiv eingepreist, während unser Lux mit 49.490 Euro eher über seine umfangreiche Serienausstattung punktet. Dazu gibt es 3,5 Tonnen gebremste Anhängelast, zuschaltbaren Allrad samt Untersetzung und einen Innenraum, der überraschend wenig nach Nutzfahrzeug aussieht.
Fazit
Der KGM Musso Q300 ist ein seltsames Auto für einen schwierigen Markt. Genau das macht ihn interessant. Er kombiniert ziemlich klassische Pick-up-Technik mit einem überraschend modernen Cockpit, viel Ausstattung, einem angenehmen Diesel und ernstzunehmenden Fähigkeiten abseits des Asphalts.
Dass die robuste Technik ihren Tribut fordert, merkt man spätestens auf einer schlechten Autobahn, wenn die Hinterachse wieder zum großen Schütteln ansetzt. Wer aber tatsächlich einen Pick-up braucht und nicht bloß so aussehen möchte, als könnte jederzeit ein Pferdeanhänger oder eine halbe Baustelle warten, sollte den Koreaner zumindest kennen. KGM ist mit neuem Namen zurück. Der Musso zeigt ziemlich überzeugend, dass dahinter inzwischen mehr steckt als ein neues Logo.
Auch interessant
KGM Musso EV 2WD (2026): Ein Nashorn als Yeeha-Koreaner im Test
Volvo macht "ein sehr schwieriges Umfeld" verantwortlich und streicht weitere 2.500 Stellen
XPeng P7+ Long Range im Test: Dieser China-Stromer macht die Oberklasse nervös
Ungewöhnlicher Erlkönig: Hier fährt der neue Hyundai Porter
Mazda CX-80 Diesel (2026) im Video: Ist Downsizing doch Unsinn?
Toyotas nächstes Mittelmotor-Coupé geht dieses Wochenende ins Rennen
Carado CV600 Pro (2026) im Test: Reichen sechs Meter für drei Wochen Familienurlaub mit Hund?