Lotus setzt weiter auf Leichtbau, auch in der Supersportwagen-Hybrid-Ära
Motoren, Hybridsystem und Getriebe des Esprit werden alle mit einem Ziel vor Augen entwickelt: das Gewicht niedrig zu halten
Lotus befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, will dabei aber offenbar nicht vergessen, was die Marke ursprünglich berühmt gemacht hat. Der britische Sportwagen-Spezialist bereitet ein neues Mittelmotor-Modell vor, das einen V6 oder V8 mit Hybridtechnik kombiniert. Das Ziel: mehr als 1.000 PS, ohne dass das Gewicht des Autos (allzu sehr) aus dem Ruder läuft.
Intern als Type 135 bekannt, soll der Sportwagen 2028 debütieren. Offiziell hat Lotus noch nicht bestätigt, dass er Esprit heißen wird, doch vieles deutet auf die Rückkehr des ikonischen Namens nach 22 Jahren hin. Der letzte Lotus mit dieser Kombination war der V8 Esprit, dessen Produktion 2004 auslief.
In einer kürzlich abgehaltenen Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen bezeichnete CEO Qingfeng Feng den Type 135 als entscheidendes Hochleistungs-Hybridmodell für die nächste Phase des Unternehmens. Und Lotus setzt sich bei den Kennzahlen ehrgeizige Ziele: Die V8-Version soll 1.000 PS leisten, während das Gesamtgewicht bei rund 1,5 Tonnen liegen soll. Angesichts der verbauten Technik ist das ein ambitionierter Wert: 800-Volt-Architektur, Hybridsystem, V8 und Elektromotoren.
Lotus Esprit Rendering von Motor1
So leicht wie möglich im Hybrid-Zeitalter
Lotus räumt offen ein, dass es zu den größten Herausforderungen des Projekts gehören wird, das Gewicht in der Nähe von 1,5 Tonnen zu halten. Genau darin sieht das Unternehmen aber auch die Chance, sich abzuheben. Leichtbau, Aerodynamik und Fahrwerksabstimmung bleiben zentrale Bestandteile des Type 135. Lotus will beweisen, dass Elektrifizierung einen Sportwagen nicht zwangsläufig zum Schwergewicht machen muss.
Beim Gewicht geht Lotus bereits weit. Nach Angaben des Herstellers wurde Formel-1-Technologie genutzt, um die Masse eines 150-kW-Elektromotors von typischen 75 bis 95 Kilogramm auf nur 20 kg zu senken. Außerdem entwickelt Lotus gemeinsam mit Horse ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, das hohe Drehmomente verkraften und zugleich möglichst leicht bleiben soll.
Elektrifizierung ist unvermeidlich
Wie praktisch jeder andere Hersteller setzt auch Lotus aus regulatorischen Gründen auf Hybridantriebe. Beim Type 135 soll der V6-/V8-Mittelmotor-Hybridansatz dabei helfen, weltweite Emissionsvorschriften einzuhalten und zugleich die Eigenschaften zu bewahren, die klassische Sportwagenkäufer erwarten. Bevor also die Empörung losbricht: Elektrifizierung ist hier ein notwendiges Übel. Und 2026 wird es zunehmend schwierig, Hybride zu umgehen. Jüngstes Beispiel ist der neue RS 5 von Audi.
Ursprünglich hatte sich Lotus vollständig der Elektromobilität verschrieben. Inzwischen räumt das Unternehmen jedoch ein, dass der weltweite Übergang zum Elektroauto nicht überall im gleichen Tempo verläuft. Deshalb setzt Lotus nun auf eine Multi-Antriebsstrategie mit Verbrennern, Hybriden und reinen Elektroautos.
Lotus bekommt endlich eigene Antriebe
Auch beim Antriebsstrang selbst markiert der Type 135 einen großen Wandel für Lotus. Das Unternehmen erklärt, dass begrenzte eigene Antriebskompetenzen historisch zu den größten Nachteilen der Marke zählten und Lotus stark von externen Zulieferern abhängig machten. Für den Type 135 entwickelt Lotus den Hochleistungsantrieb gemeinsam mit Horse und nutzt dabei Ressourcen, Lieferkette und Skaleneffekte von Geely. Lotus selbst konzentriert sich auf das, was die Marke am besten kann: Leichtbau, Aerodynamik und Fahrwerksabstimmung.
Die vollständigen technischen Daten nennt Lotus derzeit noch nicht. Der Type 135 befinde sich weiterhin in der Entwicklung, weitere Produkt- und Technikdetails sollen später folgen.
Lotus Type 135 Teaser
Motor1 meint: Kurz gesagt: Lotus versucht sicherzustellen, dass die zusätzliche Technik nicht die Leichtbauphilosophie untergräbt, die das Unternehmen seit mehr als sieben Jahrzehnten prägt. Gleichzeitig lässt sich Hybridisierung immer schwerer vermeiden, wenn Hersteller Verbrennungsmotoren am Leben halten wollen – besonders in stark regulierten Regionen wie Europa.
Großvolumige Motoren ohne irgendeine Form der Elektrifizierung mit modernen Emissionsvorschriften in Einklang zu bringen, wird immer schwieriger. Hybridisierte V6- und V8-Antriebe sind deshalb ein naheliegender Kompromiss. Es ist entweder das – oder gar nichts.
Quelle: Lotus
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