Lotus erklärt Umdenken: Kundenfeedback schlägt BEV-Zukunft
Die Briten unter chinesischer Führung seien "aggressiv vorgegangen", die Durchdringungsrate sei jedoch "nicht so gut wie erwartet"
Als der Emira 2022 auf den Markt kam, erklärte Lotus, es handele sich um das letzte Serienmodell der Marke mit Verbrennungsmotor. Ab diesem Zeitpunkt wollte der Nischenhersteller aus Hethel ausschließlich Elektroautos bringen. Eine Zeit lang hielt Lotus dieses Versprechen auch ein:
Evija, Eletre und Emeya waren allesamt Stromer. Das Eletre-SUV hat in China allerdings bereits einen Vierzylinder-Benziner für die eigenartig benannte Version For Me erhalten. Und es kommt noch mehr auf der Verbrenner-Seite. Der Emira soll, wie bereits berichtet, auf einen komplett neuen V6-Motor wechseln, während der künftige Supersportwagen einen V8 bekommt. Beide Aggregate werden von Horse entwickelt, einem 50:50-Joint-Venture zwischen Lotus-Mutter Geely und Renault. Die künftigen Performance-Modelle sollen beide als Hybrid antreten.
Teaser zum Lotus 'Type 135' Supersportwagen
Warum Lotus das Ziel aufgegeben hat, ausschließlich Elektroautos zu verkaufen? In einem Interview mit Automotive News Europe räumte CEO Feng Qingfeng ein, man habe überschätzt, wie schnell Kunden zu elektrischen Sportwagen wechseln würden. Das Wachstum der Nachfrage nach E-Autos verlaufe langsamer als ursprünglich prognostiziert:
Lotus weiß: Enthusiasten wollen Motoren
"Das Luxusauto-Segment hat enorme Veränderungen durchlaufen. Wir dachten, E-Autos könnten die Zukunft sein. Deshalb haben wir schnell gehandelt und sind aggressiv vorgegangen. Aber die EV-Durchdringungsrate war nicht so gut wie erwartet, und wir sehen, dass Kunden weiterhin Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mögen."
Warum manche Kunden den Verbrenner noch nicht loslassen wollen, erklärt der Lotus-Chef so:
"Bestimmte Kunden genießen einfach den Nervenkitzel, ein Auto mit einem starken Motor zu fahren – selbst wenn es bei der Leistungsabgabe etwas Verzögerung gibt. Ein sehr gleichmäßiger Antrieb ist gut für Menschen, die ihr Auto täglich zum Pendeln nutzen. Wer sich jedoch für ein Performance-Car entscheidet, tut das auf der Suche nach Fahrspaß, nach Unterhaltung. Sie wollen einfach Spaß haben."
Mit Blick nach vorn soll der Emira tatsächlich die von AMG und Toyota zugelieferten Motoren zugunsten eines elektrifizierten Geely-Antriebs auf Basis eines neuen V6 ablegen. Eine weitere Vierzylinder-Variante schloss Feng Qingfeng aus – wenig überraschend, denn die Kundschaft wolle den größeren Motor. Einen Zeitplan nannte der Lotus-Boss nicht. Da der aktuelle Emira aber jüngst mit der Topversion 420 Sport aufgewertet wurde, dürfte ein Wechsel kaum kurzfristig anstehen.
Neuer Lotus-V8-Supersportwagen: Esprit mit Zentral-Sitz?
Der Lotus-Chef deutete an, dass der intern "Type 135" genannte Supersportwagen mit über 1.000 PS die Bezeichnung Esprit wiederbeleben könnte. Denkbar sei sogar ein mittig positionierter Fahrersitz – ähnlich wie beim Concept Theory One (2024). Feng Qingfeng erklärte, damit ließen sich Entwicklungskosten senken, weil Lotus nicht sowohl Links- als auch Rechtslenker-Konfigurationen konstruieren müsste.
Lotus sieht den Ferrari 849 Testarossa als direkten Rivalen, was das neue Flaggschiff in Preisregionen von über 500.000 Euro rücken würde. Der Plan lautet jedoch, Maranellos Plug-in-Hybrid-V8-Supersportwagen zu unterbieten und gleichzeitig zu übertreffen:
"Wir wollen sicherstellen, dass mehr Menschen Zugang zu einem Performance-Car haben, das sogar besser ist als ein Ferrari – zu einem niedrigeren Preis."
Quelle: Automotive News Europe
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