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700 Stunden Handarbeit: Dieser Skoda Kodiaq besteht aus Papier

Modellbauer Petr Seemann hat in 18 Monaten einen detaillierten Skoda Kodiaq im Maßstab 1:10 erschaffen

Skoda Kodiaq als Papiermodell im Maßstab 1:10
Bild von: Skoda

Auf den ersten Blick wirkt er wie ein marktfrischer Neuwagen, doch dieser Skoda Kodiaq Sportline besteht nicht aus Blech, sondern fast ausschließlich aus Pappe, Papier und Sperrholz: Modellbauer Petr Seemann hat das SUV im Maßstab 1:10 nachgebaut – und zwar bis ins kleinste Detail.

Nach eineinhalb Jahren Tüftelarbeit und mehr als 700 Arbeitsstunden präsentierte der passionierte Bastler sein Unikat vor Kurzem sogar direkt in der Skoda-Zentrale, wo das Modellauto aus Papier selbst bei den erfahrenen Profis des Autobauers für große Augen und Begeisterung sorgte.

Bildergalerie: Skoda Kodiaq als Papiermodell im Maßstab 1:10

Von der ersten Skizze zum fertigen Modell

Weil der Tüftler, der in seinem Hauptjob eigentlich Ampelschaltungen programmiert, den Bau kurz nach der offiziellen Premiere des Fahrzeugs begann, musste er das Modell komplett in Eigenregie entwerfen. Basis hierfür waren lediglich Fotografien und grobe Skizzen mit technischen Grunddaten.

"Ich habe kurz nach dem Debüt begonnen, musste also eine Weile warten, bis die technischen Zeichnungen verfügbar waren", sagt Seemann über die anfänglichen Herausforderungen. Doch die Entscheidung fiel gezielt auf das SUV, weil Limousinen laut dem erfahrenen Modellbauer oft kompliziertere Dachsäulen aufweisen.

"Nehmen wir zum Beispiel die Superb-Limousine – die mir auch sehr gut gefällt –, sie hat ein sehr kompliziertes Design der hinteren Dachsäule. Bei SUVs und Kombis ist die Arbeit an diesem Detail einfacher", erklärt Seemann seine Wahl. Für die Konstruktion nutzte er das Grafikprogramm AutoCAD, um die exakten Proportionen zu berechnen.

Skoda Kodiaq als Papiermodell im Maßstab 1:10
Bild von: Skoda

"Ich habe die Skizzen mit den technischen Daten in AutoCAD importiert und daraus eine Reihe weiterer Detailmaße abgeleitet, wie beispielsweise die Position der Sitze im Innenraum", beschreibt der Tscheche seine Vorgehensweise beim Bau des ungewöhnlichen Papiermodells.

Präzisionsarbeit ohne klassische Bausätze

Seemann baut die Modelle seit 2016 in seiner Freizeit und betont seine Vorliebe für den vollständigen Eigenbau. "Klassische Bausätze haben mich nie interessiert; ich habe schon immer alles selbst gebaut", erklärt er. Für den Kodiaq verwendete er hauptsächlich beschichtetes Papier und Pappe.

Um die gewünschte Stabilität und Form zu erreichen, wurden die Karosserieteile von hinten mit einem Skalpell eingeritzt und mit unterschiedlichen Kartonstärken verstärkt. Besonders die Frontschürze des Sportline-Modells verlangte dem Bastler durch viel Versuch und Irrtum einiges ab, was er nüchtern mit den Worten "Das war wahrscheinlich der anspruchsvollste Teil" zusammenfasst.

Die lackierten Bauteile erhielten vier bis fünf Schichten roter Farbe, die direkt auf glänzendes Modellbaupapier aufgetragen wurden, bevor eine abschließende Schicht Klarlack folgte. Die Wahl fiel auf Rot, weil diese dem originalen "Velvet Red" von Skoda sehr nahekommt. "Ich habe auch über Blau nachgedacht, aber keinen verfügbaren Farbton gefunden, der zum Skoda-Ton gepasst hätte", sagt Seemann.

Erstaunliche Detailtiefe im Innen- und Außenbereich

Was das Modell besonders macht, ist die technische und handwerkliche Tiefe, die weit über das einfache Falten von Papier hinausgeht. Die lenkbaren Vorderräder bestehen aus geschichtetem Sperrholz, während die Scheiben aus Durofol gefertigt sind, wobei teilweise Tönungsfolien zum Einsatz kamen. Die Bremsscheiben wurden durch Unterlegscheiben realisiert und die detaillierten Bremssättel bleiben beim Lenken in ihrer korrekten Position.

Die Beleuchtung des Modells ist vollständig funktionsfähig: Frontscheinwerfer, Rücklichter sowie die beleuchtete Kühlergrillleiste, bei der jede Rippe ein Einzelteil ist, werden von kleinen LEDs erhellt. Plexiglas dient als Lichtleiter, während Aluminiumfolie im Inneren der Scheinwerfer für maximale Reflexion sorgt. Auch der Innenraum bietet ein beleuchtetes Instrumentenpanel und ein leuchtendes Infotainment-Display.

Skoda Kodiaq als Papiermodell im Maßstab 1:10
Bild von: Skoda

Weitere Ausstattungsmerkmale wie Türgriffe, Außenspiegel, Scheibenwischer, das Head-up-Display, Pedale und das Dreispeichen-Sportlenkrad wurden ebenfalls präzise nachgebildet. Die Sitze bestehen im Kern aus Dutzenden Pappteilen, die mit zwei verschiedenen Stoffarten bezogen wurden, um den originalen Sportsitzen gerecht zu werden.

Für die Nähte kam einfacher Faden zum Einsatz. "Es war akribische Handarbeit. Ich habe den Faden vorsichtig in Kleber getaucht und auf den Sitz aufgetragen, damit der Kleber nirgendwo Spuren hinterlässt. Ich konnte nicht einmal eine Pinzette benutzen", erinnert sich Seemann an die filigrane Arbeit.

Modellbauer erhält sogar Anerkennung vom Hersteller

Die Fachleute von Skoda zeigten sich bei der Präsentation zutiefst beeindruckt von der handwerklichen Meisterleistung. "Der Kodiaq ist ein sehr erfolgreiches Modell, das Kunden besonders gerne in den reichhaltiger ausgestatteten Versionen wählen, zu denen die Sportline-Ausstattung gehört", sagt Petr Dvořák aus der Marketingabteilung.

Skoda Kodiaq als Papiermodell im Maßstab 1:10
Bild von: Skoda

Zur roten Lackierung fügte er hinzu: "Rot unterstreicht das sportliche Design des Sportline-Modells und ist bei Kunden, die sich für diese Version entscheiden, sehr beliebt." Auch Tomáš Douběta aus dem Produktmanagement zog Parallelen zur echten Fahrzeugentwicklung. Angesprochen auf die komplexe Gestaltung der Stoßstange oder die Technik der Lichtführung in den Scheinwerfern bestätigte er die Detailtreue des Modellbauers.

"Gewissermaßen ist das bei uns genauso" und "im Prinzip ist das eine ähnliche Lösung wie in der Realität." Welches Fahrzeug Petr Seemann, der zuvor bereits einen Skoda Scala nachgebaut hatte, als Nächstes konstruieren wird, steht noch nicht fest. Nach dem erfolgreichen Austausch mit den Vertretern des Autoherstellers ist es jedoch sehr wahrscheinlich, dass es sich um ein weiteres Modell der Tschechen handeln wird.