Neuer VW Amarok für Südamerika zeigt sich offiziell
Noch getarnt soll er mit bisher nicht dagewesener Performance gegen Ford Ranger und Toyota Hilux antreten
Volkswagen nutzt den ersten Abend der Festa do Peão de Barretos 2026, einem der wichtigsten Rodeo- und Country-Events Brasiliens, um seine Pick-up-Offensive in den Mittelpunkt der Arena zu stellen. Nur wenige Stunden nach der Enthüllung des neuen Tukan präsentierte die Marke offiziell die neue Generation des dortigen Amarok, noch unter einer Tarnfolie.
Der Midsize-Pick-up soll 2027 starten und aus Argentinien kommen, um in Südamerika gegen Toyota Hilux, Chevrolet S10, Mitsubishi Triton (L200) und weitere Wettbewerber anzutreten. Europa behält seinen Amarok, der dort auf dem Ford Ranger basiert.
Bildergalerie: Neuer Volkswagen Amarok für Südamerika (offizielle Teaser)
Technische Details blieben bei der Ankündigung rar, doch eine wichtige Bestätigung gab es: Dies wird der stärkste Amarok der Modellgeschichte. Volkswagen räumte außerdem ein, dass die neue Generation elektrifiziert sein wird. Das stützt die exklusiven Recherchen von Motor1.com Brasil zur künftigen Amarok 800 TSI, einer Plug-in-Hybridversion, die mehr als 346 kW (470 PS) leisten und 800 Nm maximales Drehmoment liefern soll.
Aus Argentinien für Südamerika
Die Wahl von Barretos für die Präsentation von Tukan und Amarok bringt beide Modelle nah an eine Zielgruppe, die für das Segment besonders wichtig ist. Die Festa do Peão gilt als größtes Country- und Rodeo-Festival Brasiliens und ist zugleich eine zentrale Bühne der Autoindustrie für Landwirte, Unternehmer und Kunden aus dem Agrarsektor, einem Bereich, der in Brasilien einen erheblichen Anteil der Pick-up-Verkäufe ausmacht.
Neuer Volkswagen Amarok für Südamerika (offizielle Teaser)
Der neue Südamerika-Amarok wird in General Pacheco in Argentinien gefertigt, also in demselben Werk, das seit 2010 für die aktuelle Generation verantwortlich ist. Die für den brasilianischen Markt bestimmten Fahrzeuge werden weiterhin aus dem Nachbarland importiert.
Amarok 800 TSI soll mehr als 346 kW leisten
VW hat bislang weder Motoren noch Batteriekapazität oder elektrische Reichweite genannt. Bestätigt wurde lediglich, dass der neue Amarok Elektrifizierung, Technologie und das höchste Leistungsniveau verbinden soll, das je für das Modell angeboten wurde. Die offiziell angedeuteten Informationen decken sich jedoch mit den Recherchen, die Motor1.com Brasilien in den vergangenen Monaten veröffentlicht hat.
Nach einem exklusiven Bericht von Fábio Trindade wird die stärkste Konfiguration Volkswagen Amarok 800 TSI heißen. Die Bezeichnung soll sich auf das kombinierte Drehmoment von 800 Nm des Plug-in-Hybridsystems beziehen. Die Leistung dürfte mehr als 346 kW (470 PS) betragen, dazu kommen Allradantrieb und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in unter fünf Sekunden.
Das wären Werte, die deutlich über denen des aktuellen Amarok liegen. Er basiert noch auf der ersten Generation und ist mit dem bekannten 3,0-Liter-V6-Turbodiesel ausgerüstet. In der Ausführung Extreme liefert der Antrieb 190 kW (258 PS) und rund 580 Nm, kombiniert mit Achtgang-Automatik und permanentem Allradantrieb.
Mit mehr als 346 kW dürfte der neue Amarok auch alle derzeit in Brasilien verkauften Midsize-Konkurrenten übertreffen. Bei einem Treffen mit Journalisten in Peru verglich Alexander Seitz, Chef von Volkswagen Südamerika, die Performance des künftigen Pick-ups sogar mit der eines Porsche Panamera. Damals erklärte der Manager, das Modell könne bei einer Beschleunigung mit der Sportlimousine mithalten.
Neue Generation basiert auf chinesischem Pick-up
Die in Barretos veröffentlichte Mitteilung nennt die Herkunft der Architektur des neuen Amarok nicht. Volkswagen stellt vor allem die Beteiligung der südamerikanischen Abteilungen für Design, Entwicklung, Erprobung und Validierung heraus und betont, dass der Pick-up weiterhin die mit der deutschen Marke verbundenen Fahreigenschaften bieten soll.
In der Praxis wird die neue Generation jedoch in direktem Zusammenhang mit dem Maxus Interstellar X stehen, einem von der chinesischen SAIC entwickelten Pick-up. Von Motor1.com Brasil veröffentlichte Erlkönigaufnahmen zeigten bereits Prototypen mit Karosserie, Scheinwerfern, Stoßfängern, Türen und Proportionen, die dem asiatischen Modell stark ähneln.
Autosalon Shanghai: Maxus Star X, die mögliche Basis des neuen VW Amarok
Volkswagen und SAIC verbindet auf dem chinesischen Markt eine langjährige Partnerschaft; beide Unternehmen arbeiten dort seit den 1980er-Jahren zusammen. Die Kooperation erlaubt es dem deutschen Hersteller nun, Entwicklungszeit und -kosten zu reduzieren, indem eine moderne Architektur genutzt wird, die von Beginn an für Verbrennungsmotoren, Hybridsysteme und rein elektrische Antriebe ausgelegt ist.
Gleichzeitig will Volkswagen den Anteil der eigenen Entwicklung am Projekt erhöhen, um den Amarok klar vom Interstellar X zu unterscheiden. Fahrwerk, Lenkung, Fahrverhalten, Kalibrierung der elektronischen Systeme und Teile des Designs sollen auf die Einsatzbedingungen in Südamerika abgestimmt werden und jene Fahrbarkeit bewahren, die zur Etablierung der aktuellen Generation beigetragen hat.
Erlkönigbilder des neuen VW Amarok 2028
Größer als der aktuelle Amarok
Der Maxus Interstellar X liefert einen guten Hinweis auf die Größe des nächsten Amarok. Das chinesische Modell misst etwa 5,50 Meter in der Länge, 2,01 Meter in der Breite und 1,86 Meter in der Höhe; der Radstand beträgt 3,30 Meter. Zum Vergleich: Der aktuelle Südamerika-Amarok ist 5,35 Meter lang und hat einen Radstand von 3,10 Meter.
Der Unterschied von 20 Zentimetern zwischen den Achsen dürfte sich vor allem im Platzangebot der Kabine bemerkbar machen. Die breitere Karosserie dürfte zudem drei Passagiere auf der Rückbank besser unterbringen und das Raumgefühl für die vorderen Insassen erhöhen.
Die Architektur des Interstellar X nutzt eine verstärkte selbsttragende Struktur, kombiniert mit Elementen, die an einen Rahmen erinnern. Diese Lösung soll Komfort und Torsionssteifigkeit eines Pkw mit der nötigen Robustheit verbinden, um bis zu eine Tonne zu transportieren und unbefestigte Wege zu bewältigen.
Erlkönigbilder des neuen VW Amarok 2028
Design bleibt noch verborgen
Die ersten beiden offiziellen Bilder zeigen den Amarok vollständig getarnt. Das Muster wurde vom regionalen Designteam entworfen und greift verschiedene Landschaften und Kulturen Südamerikas auf, darunter den Monte Fitz Roy, die Iguazú-Wasserfälle, den Amazonas, die Nazca-Linien, die Copacabana-Promenade und die Moai-Statuen der Osterinsel.
Neuer Volkswagen Amarok für Südamerika (offizielle Teaser)
Auch Elemente aus Landwirtschaft und regionaler Kultur sind zu sehen, etwa Stiefel, Hut, Rind, Kakteen, Cordel-Literatur und topografische Linien. Laut Volkswagen sollen einige dieser Motive als "Easter Eggs" in die endgültige Karosserie übernommen werden. Position und Ausführung der Details bleiben jedoch geheim.
Trotz der Tarnung lässt sich die Nähe zum Maxus an der Grundform der Kabine, der Fensterlinie und den Karosserieproportionen erkennen. Die Front dürfte die wichtigsten optischen Änderungen tragen, mit neu gestalteter Kühlermaske, überarbeitetem Stoßfänger und einer Lichtsignatur, die den Pick-up näher an die jüngsten Volkswagen-Neuheiten heranführt.
KI-generierte Darstellung des neuen VW Amarok 800 TSI 2027
Kundenerprobung in Südamerika
Wie schon während der Entwicklung des Tukan wird auch der neue Amarok von Kunden unter realen Einsatzbedingungen bewertet. Die Prototypen sind in Städten, auf Autobahnen, auf landwirtschaftlichen Betrieben und auf unbefestigten Straßen in verschiedenen südamerikanischen Ländern unterwegs.
Das Programm umfasst Tests bei Hitze, Kälte, in großer Höhe und bei hoher Staubbelastung. Die Vielfalt der Strecken dient der Abstimmung von Fahrwerk, Lenkung, Kühlung, Abdichtung und elektronischen Systemen sowie der Überprüfung des Verhaltens des Pick-ups mit unterschiedlichen Beladungen.
Diese Phase wird besonders wichtig sein, um die chinesische Plattform an die Anforderungen der brasilianischen und argentinischen Märkte anzupassen. Ziel ist ein eigenständiges Fahrverhalten, obwohl Struktur und Technologie mit dem Maxus Interstellar X geteilt werden.
Werk Pacheco. - Amarok-Werk in Argentinien
Produktion bleibt in General Pacheco
Volkswagen investiert 4 Milliarden brasilianische Real in seine argentinische Produktion. Das ist Teil eines Programms über 20 Milliarden brasilianische Real für Südamerika bis 2028. Die Mittel fließen unter anderem in die Modernisierung des Werks General Pacheco, Anpassungen der Montagelinie und neue Prozesse, die für die Produktion der elektrifizierten Generation erforderlich sind.
Das Werk hat gerade die Marke von 800.000 seit 2010 gebauten Amarok erreicht und macht den Pick-up damit zum meistproduzierten Fahrzeug in der Geschichte von Volkswagen Argentina. Von dieser Gesamtzahl wurden mehr als 465.000 Einheiten in über 100 Märkte exportiert.
Wenn die neue Generation in Produktion geht, wird das Werk weiterhin Brasilien und andere Länder der Region beliefern. Bis dahin bleibt der aktuelle Amarok mit V6-Turbodiesel im Angebot und hält eine Antriebskombination am Leben, die in der künftigen Modellpalette voraussichtlich zunehmend der Elektrifizierung weichen wird.
Volkswagen Amarok V6 Unlimited aus Argentinien
Marktstart für 2027 bestätigt
Volkswagen hat noch nicht mitgeteilt, wann genau im Jahr 2027 der Verkauf des neuen Amarok beginnen soll. Versionen, Ausstattung, endgültige Abmessungen und Details zum Plug-in-Hybridantrieb sollen in den kommenden Monaten schrittweise vorgestellt werden.
Der erste Auftritt in Barretos bestätigt jedoch die gewählte Positionierung des Pick-ups. Der neue Amarok wird größer, elektrifiziert und deutlich stärker, auch wenn er auf einer mit SAIC geteilten Architektur basiert. Sollte sich die Recherche zur 800 TSI bestätigen, hätte Volkswagen einen Pick-up mit einer Performance im Programm, die es unter den derzeit in Brasilien verkauften Midsize-Modellen praktisch nicht gibt.
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