Vor 15 Jahren: Wie ein Skoda Octavia RS 365 km/h erreichte
2011 knackte ein speziell präparierter Tscheche auf den Bonneville Salt Flats den Geschwindigkeitsrekord
Ein ausgetrockneter Salzsee. Eine flache, weiße Ebene, die sich fast endlos weit zu strecken scheint. Wir befinden uns in den Bonneville Salt Flats in Utah, USA, ein nicht ganz unbekannter Ort für Geschwindigkeitsjunkies. Genau hier, wo eigentlich flache Stromlinien-Biester und V8-Monster das Sagen haben, schlug vor 15 Jahren die Stunde eines eher unwahrscheinlichen Helden: Ein Skoda Octavia RS.
Die britische Skoda-Vertretung suchte im Jahr 2011 nach einem vernünftigen PR-Stunt, um das zehnjährige Jubiläum der RS-Modelle im Vereinigten Königreich zu feiern. Das ehrgeizige Ziel: In der sogenannten G/PS-Klasse (Gas/Production Supercharged) die magische Grenze von 320 km/h mit einem Zweiliter-Vierzylinder durchbrechen. Schon damals berichteten wir über das absurde Vorhaben. Was als reine Marketing-Idee in den Büros begann, endete auf dem Salz in Utah tatsächlich in einem handfesten Rekord für die Geschichtsbücher.
Bildergalerie: Wie der Skoda Octavia 365 km/h erreichte
Aus dem Pressefuhrpark auf die Salzpiste
Die Basis für den Rekordwagen lieferte kein auf dem Reißbrett entworfener Prototyp, sondern schlicht ein roter Octavia RS, der eigentlich als normaler Testwagen für die britische Motorpresse gedacht war. Gemeinsam mit den Tuning-Spezialisten von Revo Technik aus Milton Keynes wurde der Tscheche für den harten Einsatz auf dem Salzsee umgebaut. Kernbauteile wie Motorblock, Kurbelwelle und Kolben entsprachen jedoch exakt der Serienfertigung.
Um das Triebwerk auf über 441 kW (600 PS) aufzublasen, installierten die Briten einen massiven Garrett-Turbolader sowie eine Hochleistungs-Einspritzanlage. Für die Kraftübertragung bediente man sich kurioserweise im Konzernregal bei der maximalen Vernunft: Das Getriebe stammte aus dem Spritspar-Modell Octavia GreenLine.
Wie der Skoda Octavia 365 km/h erreichte
Wie der Skoda Octavia 365 km/h erreichte
Dessen extrem lange Übersetzung passte schlichtweg perfekt für eine kompromisslose Topspeed-Hatz. Hinzu kamen eine signifikant verbesserte Kühlung und eine gnadenlose Gewichtsreduktion. Das gesamte Interieur flog auf den Müll. Übrig blieben nur die nackte Form des Armaturenbretts, ein Motorsport-Feuerlöschsystem und ein komplexer Überrollkäfig, der den Piloten bei einem Hochgeschwindigkeitsabflug schützen sollte.
Aerodynamik-Tricks und die Fallschirm-Bremse
Während das Blechkleid äußerlich fast noch an ein ziviles Straßenauto erinnerte, wurde im Detail jeglicher Luftwiderstand eliminiert. Strömungsoptimierte Radabdeckungen und verschlossene Karosserieöffnungen an der Front beruhigten den Luftstrom. Das wichtigste Bauteil am Heck war indes kein Spoiler für mehr Anpressdruck, sondern ein massiver Bremsfallschirm.
Er war zwingend notwendig, um das Fahrzeug aus Geschwindigkeiten jenseits der 300 km/h sicher zu verzögern. Die konventionellen Bremsen dienten lediglich dazu, das Auto auf den letzten Metern Schrittgeschwindigkeit endgültig zum Stehen zu bringen.
Wie der Skoda Octavia 365 km/h erreichte
Wie der Skoda Octavia 365 km/h erreichte
Mitte August 2011 rollte der Octavia bei der legendären Bonneville Speed Week an den Start. Unter der strengen Aufsicht der Southern California Timing Association (SCTA) klemmte sich der britische Motorjournalist Richard Meaden hinters Steuer. Das Salz bot naturgemäß extrem wenig Grip, die Bedingungen waren materialmordend.
Vom Salzsee ins Museum
Doch der Plan ging fast schon zu früh auf: Bereits am 15. August, im erst sechsten Lauf, fiel die anvisierte Hürde von 320 km/h. Weil das Event aber noch vier Tage lief, leckte das Team Blut. Der absolute Klassenrekord von 348 km/h war plötzlich in greifbarer Nähe.
Nach weiteren Läufen war es am 19. August amtlich: Der Skoda Octavia vRS Bonneville brannte einen Durchschnittswert aus zwei Läufen in den Untergrund, der alle Erwartungen übertraf. Mit exakt 365,45 km/h holten sich die Tschechen den offiziellen Rekord für das schnellste 2,0-Liter-Serienfahrzeug in Bonneville. Der inoffizielle Top-Wert während eines einzelnen Laufs lag sogar noch knapp drei km/h höher.
Nach seinem Ausflug über den großen Teich ging der Rekord-Wagen zurück nach Großbritannien und verbrachte dort Jahre sicher in einer Sammlung. Erst in diesem Jahr kehrte der wohl schnellste Octavia der Welt dauerhaft in seine tschechische Heimat zurück. Nach einem kurzen Auftritt auf der Rennstrecke in Sosnová parkt das Bonneville-Monster nun als Teil der Sonderausstellung zu 125 Jahren Skoda Motorsport im Museum in Mladá Boleslav.
Quelle: Skoda
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