Zum Hauptinhalt springen

Für eine persönlichere Erfahrung

Elektrischer BMW M3 wird stärker als Verbrenner-M3

Es ist technisch möglich, 1.000 PS zu holen, doch der BMW-M-Chef hält das für übertrieben. Der neue Benziner soll unterdessen "oldschool" bleiben.

BMW M Concept Neue Klasse (2026)
Bild von: BMW

Der Vormarsch der Elektrifizierung hat den Leistungswettlauf in eine völlig neue Dimension geführt. Selbst ein vergleichsweise kompaktes Auto wie der Mercedes CLA kommt in seiner neuen AMG-Version inzwischen auf fast 700 PS. Der größere Bruder, das AMG GT 4-Türer Coupé, leistet mehr als 1.100 PS. Elektrische Super- und Hypercars stoßen noch tiefer in den vierstelligen Bereich vor, einige überschreiten sogar die Marke von 2.000 PS.

BMW erklärt, dass sich aus den Motoren des elektrischen M3 ebenfalls absurd hohe Leistungswerte herausholen ließen – dazu wird es aber nicht kommen. In einem Interview mit Bimmer Today sagte M-Chef Frank van Meel, technisch sei es möglich, aus den vier Elektromotoren ein Megawatt freizusetzen. Einen entsprechenden Technologieträger gibt es bereits: Der radikale Vision Driving Experience (VDX) kam auf rund 1.340 PS. Eine derart hohe Leistung in ein Serien-Elektroauto zu packen, hat jedoch Nachteile.

„Wenn ich mehr als ein Megawatt Leistung in ein Auto packe, kann ich ein paarmal stark beschleunigen, aber dann steigt die Temperatur und wird zum Problem. Das bedeutet, dass danach alles einbricht, und so viel Kühlung kann man gar nicht verbauen. Wir müssen das Gesamtkonzept betrachten und erkennen, dass es nicht nur darum geht, bestimmte Zahlen zu erreichen; das ist nicht nachhaltig. 1.000 PS oder mehr braucht man definitiv nicht.“

Foto von: BMW

Leistung über dem Verbrenner-M3, aber deutlich unter 1.000 PS

Wie viel Leistung der elektrische M3 tatsächlich haben wird, verriet der BMW-M-Chef nicht. Er sagte jedoch, dass er den Verbrenner übertreffen werde. Die stärkste Sportlimousine, die das Unternehmen bislang auf Basis der 3er-Reihe gebaut hat, ist der M3 CS mit 550 PS. Dass van Meel 1.000 PS klar ausschließt, spricht dafür, dass der Elektro-M3 diesem Wert nicht einmal nahekommen dürfte. Unsere Einschätzung: Er wird wohl unter 900 PS bleiben.

Vier Elektromotoren, Allrad und abschaltbare Vorderachse

BMW hat bereits angekündigt, dass alle elektrischen M-Modelle vier Motoren und damit Allradantrieb erhalten werden. Dabei soll sich die Vorderachse vollständig entkoppeln lassen, um ein reines Heckantriebs-Setup zu ermöglichen. Das Abschalten der vorderen Motoren dürfte außerdem die Effizienz verbessern, wenn die volle Leistung nicht benötigt wird. Im M3 beziehen die vier Motoren ihre Energie aus einem speziell entwickelten Lithium-Ionen-Batteriepaket mit einem nutzbaren Energiegehalt von mehr als 100 kWh.

Auch der Reihensechser-M3 bleibt im Programm

Im Gespräch versicherte der M-CEO zudem, dass der klassische M3 mit Verbrennungsmotor in einer nächsten Generation weiterleben wird. Wann die Version mit Sechszylinder erscheint, sagte Frank van Meel nicht, doch vor 2028 ist kaum damit zu rechnen. Klar ist aber: Auch der nächste M3 wird nicht zum Plug-in-Hybrid. Damit geht er einen anderen Weg als der aktuelle M5, aber auch als der Hauptkonkurrent Audi RS 5.

Der S58-Motor des aktuellen Modells wurde kürzlich mit neuer Vorkammerzündung überarbeitet, um die Euro-7-Abgasnorm zu erfüllen – seine Zukunft gilt damit als gesichert. Das bedeutet zugleich, dass auch M2 und M4 noch viele Jahre vor sich haben, da die zweitürigen Sportmodelle den gleichen Motor nutzen.

BMW M Concept Neue Klasse (2026)


Motor1 meint: Leistungswerte, die vor allem für Schlagzeilen taugen, mögen zwar verkaufsfördernd sein, doch BMW will Leistung beherrschbar und nachhaltig machen. Der elektrische M3 wird kein One-Trick-Pony sein, das Leistung über alles stellt – denn das würde die Alltagstauglichkeit beeinträchtigen. Stattdessen soll er ein Allrounder werden, so wie die benzinbetriebenen Modelle vor ihm, nur mit einem völlig neuen Konzept, das durch den Vier-Motoren-Antrieb möglich wird.

Da er den Sechszylinder nicht ersetzt, sondern parallel zu ihm angeboten wird, behalten Käufer die Wahl. Das ist wohl der beste Weg, um beide Lager zufriedenzustellen – auch wenn sich sicher nicht jeder damit anfreunden wird, dass der elektrische M3 denselben Namen trägt wie das langjährige Verbrenner-Modell.