Interview: Ex-Jaguar-Designchef hat ein großes Problem mit dem Type 00
Wir sprachen mit Ian Callum, dem beim neuen Type 00 Concept eine Sache fehlt, die einen Jaguar zu einem Jaguar macht
Jaguar stürzt sich mit dem Type 01 kopfüber in seine elektrische Zukunft – eine große, batterieelektrische Luxuslimousine, die es mit Bentley und Rolls-Royce aufnehmen soll. Leider wurde der Start des nächsten Jaguar-EV nicht gerade einhellig positiv aufgenommen.
Im Netz wurde das Konzept wegen seines Minecraft-artigen Designs und der – sagen wir – unkonventionellen Marketingstrategie des Herstellers kritisiert. Ungeachtet dessen treibt Jaguar den neuen Type 01 voran und hat diesen Namen nur wenige Monate vor den ersten Prototypenfahrten auf öffentlichen Straßen bekannt gegeben. Das offizielle Debüt ist für später in diesem Jahr geplant.
Bildergalerie: Prototyp des Jaguar Type 01 (2027) in Monaco
Vor dem möglicherweise wichtigsten Auftritt in der mehr als 100-jährigen Firmengeschichte von Jaguar wollte ich mit dem Mann sprechen, der über 20 Jahre lang die Designabteilung des Unternehmens leitete, um seine Einschätzung zu Jaguars neuem Look und der eingeschlagenen Richtung zu bekommen.
Jaguar Type 00 Concept
Brutal, aber nicht schön
Ian Callum ist ein Branchenveteran. Er begann seine Karriere Ende der 1970er-Jahre bei Ford und arbeitete sich bis zur Leitung des Jaguar-Designs im Jahr 1999 hoch. 2019 verließ Callum den Hersteller und gründete sein eigenes Unternehmen, Ian Callum Design.
Im Gespräch mit ihm (als Teil eines größeren Interviews über seine Arbeit am Aston Martin Vanquish) stellte ich ihm eine unangenehme Frage zu seinem ehemaligen Arbeitgeber: Was hält er vom neuen Jaguar?
Aus Sicht von Ian fehlt dem neuen Jag (zumindest in Konzeptform) eine Sache: Schönheit.
"Das [Type-00-Konzept] ist sehr mutig und sehr dramatisch. Es fehlt die Schönheit. Ich bestreite nicht, dass es mutig und dramatisch ist; die Proportionen sind sehr extrem. Für mich ist die Proportion zu retro … aber diese Extremität ist tapfer. Es ist brutal, aber es fehlt die Schönheit, und ich denke, ein Kriterium für Jaguar ist, schön zu sein. Das heißt nicht, dass es ein schlechtes Design ist – es fehlt nur dieses sehr wichtige Element des Jaguar-Designs."
Jaguar C-X75 Concept
Callum dürfte sich mit Schönheit auskennen. In seinen 20 Jahren als Leiter der Jaguar-Designabteilung zeichnete er für einige der ikonischsten Jaguar-Entwürfe aller Zeiten verantwortlich. Unter Callum entstanden Limousinen wie XF und XJ ebenso wie Coupés wie XK und F-Type.
Außerdem entwickelte Callum den zukunftsorientierten rein elektrischen I-Pace, den er bis heute zu seinen besten Designs zählt. Sein letzter großer Auftritt bei Jaguar war das atemberaubende C-X75 Concept. Obwohl es nie in Serie ging, kann man über seine Firma heute gewissermaßen dennoch eines kaufen .
Elektrifizierung als Hürde
Für Callum ist das fehlende Schönheitsempfinden beim Type 01 jedoch nicht das einzige Problem. Er glaubt, dass auch der Elektroantrieb die Attraktivität des großen Jaguar begrenzen wird – zumal sich immer mehr Käufer von teuren E-Autos abwenden.
"Ich denke, die größte Herausforderung [des Type 01] wird die Tatsache sein, dass er elektrisch ist. Das ist keine Meinung von mir – das ist schlicht eine Tatsache. Wenn man sich alle elektrischen Supersportwagen ansieht, scheint niemand welche zu wollen. Menschen, die Supersportwagen kaufen, machen sich sicher keine Sorgen um den Kraftstoffverbrauch."
"Diese Käuferschaft ist tendenziell in einem bestimmten Alter – meist älter. Das sind nicht 25-Jährige; das sind 65-Jährige, und sie gehören zu einer Generation, für die der Motorensound und das Schalten sehr wichtig sind. Das wird nicht für immer so bleiben."
Callum hat damit durchaus einen Punkt. Führungskräfte haben ausführlich über die Schwierigkeiten gesprochen, Elektroantriebe im hochpreisigen Performance-Segment zu etablieren. Bugatti-Rimac-CEO Mate Rimac sagte, Käufer seien derzeit schlicht nicht an elektrischen Hypercars interessiert. Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann äußerte sich ähnlich und bezeichnete sie als „teures Hobby“. Und der Ferrari Luce wurde ob seiner Optik zum veritablen Shitstorm für die Marke.
Was die Zukunft für Jaguars erstes extrem hochpreisiges E-Modell bereithält, ist derzeit unklar. Wir müssen abwarten, wie sich das Ganze entwickelt.
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