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Für eine persönlichere Erfahrung

Fiat Marea (1996-2002): Die vergessene Mittelklasse

Vor 30 Jahren rollte der Nachfolger des Tempra zu den Händlern

Fiat Marea (1996-2002)
Bild von: Fiat

Erinnern Sie sich noch an den Fiat Marea? Falls nicht, sind Sie in bester Gesellschaft. Der Fiat Marea ist heute fast unbekannt und auf unseren Straßen nahezu vollständig aus dem Alltagsbild verschwunden. Dabei feiert die Baureihe mit dem internen Code 185 in diesem Jahr einen runden Geburtstag: Vor genau 30 Jahren, im Spätsommer 1996, rollt der Nachfolger des Fiat Tempra erstmals zu den Händlern.

Es lohnt sich daher ein Blick zurück auf ein Fahrzeug der unteren Mittelklasse, das als klassische Stufenhecklimousine und praktischer Kombi namens "Weekend" die automobile Vernunft der späten 1990er-Jahre verkörpert. Marea ist übrigens das italienische Wort für "Gezeiten". 

Bildergalerie: Fiat Marea (1996-2002)

Die Ausgangslage: Eine Klasse höher geschummelt

Technisch macht es sich Fiat mit dem Marea recht einfach. Das Fahrzeug basiert zu großen Teilen auf den ein Jahr zuvor eingeführten Kompaktmodellen Bravo als Dreitürer und Brava als Fünftürer. Bis zur B-Säule sind die optischen und konstruktiven Gemeinsamkeiten unübersehbar. Auch das Cockpit übernimmt man.

Aber: Der Marea soll nicht nur den Tempra ablösen, er ist auch als Nachfolger des Croma gedacht. Um den Marea eine halbe Klasse höher in der Mittelklasse gegen Konkurrenten wie den Opel Vectra oder Ford Mondeo zu positionieren, greifen die italienischen Ingenieure zu optischen Kniffen. Wuchtigere Stoßfänger verlängern das Fahrzeug auf eine Gesamtlänge von 4,39 Meter. Eine breitere Spur sorgt zudem für einen stämmigeren Auftritt.

Mit einer Breite von 1,74 Metern bietet der Marea im Innenraum ordentliche Platzverhältnisse, ins Heck passen 430 Liter Gepäck. Während die Stufenhecklimousine mit ihrem wohlproportionierten, aber unauffälligen Drei-Box-Design im Straßenbild untergeht, entwickelt der 4,48 Meter lange Marea Weekend eine ganz eigene, stilistische Identität. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die vom Vorgänger Tempra übernommene, herunterklappbare Stoßstange unterhalb der Heckklappe. Sie erleichtert das Beladen des bis zu 1.550 Liter großen Kofferraums deutlich.

Fiat Marea (1996-2002)

Fiat Marea Weekend

Bild von: Fiat

Motoren: Vom Fünfzylinder zum modernen JTD

Unter der Haube bietet der Marea zum Marktstart ein breites Spektrum an Vierventil-Benzinern und Wirbelkammer-Dieseln. Das Angebot reicht zunächst von 75 PS bis hin zu stolzen 154 PS im Topmodell. Besonders interessant ist der 2,4-Liter-Fünfzylinder-Turbodiesel. Mit elektronisch gesteuerter Vorkammereinspritzung leistet er anfangs 124 PS und ist das zweitstärkste Aggregat im Portfolio.

Der ADAC zeigt sich im ersten Test damals beeindruckt. Selbst bei Höchstgeschwindigkeit (195 km/h) sei der Diesel kaum zu hören. Und bei Tempo 120 reiche eine Tankfüllung (63 Liter) für glatte 900 Kilometer. 37.200 Mark kostet der TD 125 als Limousine, ein VW Vento mit 110-PS-TDI ist gut 600 Mark teurer

Fiat Marea (1996-2002)

Fiat Marea Weekend

Bild von: Fiat

Bei den Benzinern markiert der 2,0-Liter-20V-Fünfzylinder mit 147 PS, der später auf 150 und schließlich 154 PS steigt, die absolute Spitze in Sachen Laufkultur und Klang. Zum Modelljahr 1999 wertet Fiat die Antriebspalette deutlich auf. Die alten Wirbelkammer-Diesel weichen größtenteils den damals hochmodernen Common-Rail-Turbodieseln namens JTD. Diese zeichnen sich durch niedrige Verbrauchswerte aus.

Der kleinere 1.9 JTD leistet 105 PS und steigt ab Ende 2000 auf 110 PS, während er die Limousine auf bis zu 185 km/h beschleunigt, den Sprint von null auf einhundert Kilometer pro Stunde in 10,8 Sekunden absolviert und sich mit einem kombinierten Verbrauch von 5,6 Litern begnügt. Der größere 2.4 JTD steht bis Ende 2000 mit 130 PS im Programm, ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 197 km/h sowie eine Beschleunigung in glatten 10 Sekunden und verbraucht im Schnitt 6,7 Liter Diesel.

Fiat Marea (1996-2002)

Fiat Marea (1996-2002)

Bild von: Fiat

Der Pionier: Marea Bipower mit Erdgasantrieb

Ein echtes Novum auf der Frankfurter IAA 1997 ist die Vorstellung des Fiat Marea 1.6 SX Bipower. Fiat gehört damit zu den Pionieren der werkseitigen Erdgasfahrzeuge für komprimiertes Erdgas (CNG). Der bekannte 1,6-Liter-16V-"Torque"-Motor mit 103 PS ist so modifiziert, dass er sowohl mit Benzin als auch mit Erdgas läuft. Die Modifikationen umfassen eine sequenzielle Multipoint-Gaseinspritzung, gehärtete Ventilsitzringe für die Auslassventile sowie spezielle CNG-Injektoren im Ansaugtrakt.

Im Vergleich zu oft mangelhaften Nachrüstlösungen der damaligen Zeit läuft der Motor im Benzinbetrieb völlig ohne Leistungsverlust. Im Erdgasmodus sinkt die Leistung lediglich um etwa 10 Prozent. Angesichts eines damaligen Erdgaspreises in Italien von 649 Lire pro Kubikmeter arbeitet der Bipower extrem wirtschaftlich und reduziert den CO₂-Ausstoß um rund 25 Prozent. Da das Tankstellennetz Ende der 90er-Jahre jedoch noch dünn ist, bleibt die Kombination mit einem regulären Benzintank unerlässlich. Das reduziert den Kofferraum deutlich ...

Fiat Marea (1996-2002)

Fiat Marea Bipower

Bild von: Fiat

Modellpflege und Ausstattungslinien

Der Marea steht in den drei klassischen Fiat-Ausstattungslinien SX als Basis mit robustem Stoff, ELX als Mittelklasse mit Chenille-Stoffen und HLX als Topausstattung mit Velours, optionalem Leder und Klimaanlage zur Auswahl. Im Laufe seines Lebenszyklus erfährt der Marea zwei Modellpflegen.

Im Sommer 1999 erfolgt eine spürbare Aufwertung des Interieurs. Anthrazitfarbene Armaturenbretter, hellgraue Dachhimmel und verbesserte Kunststoffe mit Soft-Touch-Lackierung an den Griffen ersetzen die oft kritisierte, triste Plastiklandschaft der ersten Jahre. Ein weiteres Facelift folgt gegen Ende des Jahres 2000 mit der Einführung des neuen, runden Fiat-Markenlogos. Dabei folgen optische Retuschen an den Heckleuchten des Kombis sowie eine allgemeine Anpassung der Motoren an strengere Abgasnormen.

Fiat Marea (1996-2002)

Fiat Marea (1996-2002)

Bild von: Fiat

Sonderversionen und das weltweite zweite Leben

Abseits der normalen zivilen Versionen existiert der Marea in interessanten Nischenvarianten. Die italienische Polizia nutzt den Marea. Für das Gewerbe gibt es den Fiat Marengo, der als Marea Weekend in einer Nutzfahrzeugversion als zweisitziger Panel-Van mit verblechten hinteren Fenstern und reinem Dieselantrieb Dienst tut. Noch kurioser sind die traditionell für den Taxiverkehr auf der Insel Capri gebauten Sonderversionen.

Für diesen Zweck streckt Fiat die Marea Limousine um stattliche 70 Zentimeter, um Platz für zwei zusätzliche Rückbänke im offenen Fond zu schaffen, während nur der Fahrer in einer geschlossenen Kabine sitzt. Während die Produktion der Limousine in Europa Anfang 2002 und die des Weekend Ende 2002 endet und der Fiat Stilo Multiwagon die Nachfolge antritt, geht die Karriere des Marea im Ausland erst richtig los.

In Brasilien läuft der Marea noch bis Februar 2008 vom Band, nutzt dabei kurioserweise das Heck und die Rückleuchten des edleren Konzernbruders Lancia Lybra und bietet sportliche Spitzenversionen wie den 2.0 20V Turbo mit bis zu 182 PS. In der Türkei baut die Marke Tofaş das Fahrzeug ebenfalls in Lizenz bis Ende 2007 weiter und bietet unter anderem hochwertige Versionen mit Lederinterieur an. Knapp über 900.000 Marea und Ableger entstehen bis 2007.