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Mercedes-CEO: "Wir essen, schlafen und trinken Autos"

Auch wenn der Stern schon rund 40 Modelle hat, könnten neue Nischenprodukte entstehen

2025 Mercedes-AMG GT63 S E Performance 4-Door Coupe
Bild von: Mercedes-Benz

Mercedes plant die „größte Produktoffensive der Unternehmensgeschichte“. Im kommenden Jahr sollen 18 neue Modelle vorgestellt werden, 2027 folgen weitere 14. Die meisten davon werden Neuauflagen oder Facelifts bestehender Fahrzeuge sein, doch auch einige völlig neue Modelle sind in Planung.

Insgesamt bietet der Stuttgarter Premiumhersteller laut CEO Ola Källenius rund 40 Karosserievarianten an. Trotz dieser bereits komplexen Modellpalette schließt der Vorstandschef weitere Varianten nicht aus.

Im Gespräch mit Auto Express stellte Källenius die rhetorische Frage: „Gibt es noch weitere Nischen? Ich schließe das nicht aus. Wenn wir glauben, dass es einen Markt dafür gibt, machen wir es. Bei Mercedes essen, schlafen und trinken wir Autos.“ Gleichzeitig betonte er aber, dass das Unternehmen keine riskanten Experimente eingehen werde. Die Zeiten, in denen Autobauer sich verlustreiche Modelle leisten konnten, seien vorbei: „Wir führen schließlich ein Geschäft. Es braucht eine wirtschaftliche Grundlage.“

<p>Mercedes SLC Letzte Ausgabe</p>

Mercedes SLC Letzte Ausgabe

Die Aussagen zur möglichen Ausweitung des Modellportfolios überraschen, da Mercedes zuletzt seine Produktpalette gestrafft hat. SLC, CLS und AMG GT Roadster wurden bereits eingestellt. Auch die T-Klasse und der Citan laufen aus. Zudem wurden C-Klasse Coupé und Cabrio sowie E-Klasse Coupé und Cabrio in der neuen CLE-Baureihe zusammengeführt. Die B-Klasse wird voraussichtlich im kommenden Jahr eingestellt.

Die A-Klasse sollte ursprünglich 2026 auslaufen, bleibt nun aber doch im Programm. Produktionschef Jörg Burzer erklärte gegenüber der Automobilwoche, dass die kompakte Limousine „besonders in Europa bei unseren Kunden sehr beliebt“ sei. Auch das klassische Schrägheck erhält eine Verlängerung seiner Modelllaufzeit. Beide werden also noch eine Weile Seit an Seit mit den neuen Hoffnungsträgern CLA und CLA Shooting Brake angeboten. Die CLA-Geschwister gibt es ja erstmals in zwei Varianten - rein elektrisch und mit Mildhybrid-Benzinern. 

Zur Erinnerung: Das Handelsblatt hatte 2023 berichtet, dass GLC Coupé und GLE Coupé wegfallen könnten. Noch weiter ging 2022 die Automobilwoche, die vermutete, dass Mercedes alle seine Kombimodelle bis Ende des Jahrzehnts aus dem Programm nehmen würde. Aktuell ist das mehr als unwahrscheinlich – nicht zuletzt, weil der CLA Shooting Brake gerade zum dritten Mal neu aufgelegt wurde.

<p>Mercedes EQS</p>

Mercedes EQS

Eine weitere Vereinfachung der Modellstruktur soll durch die Zusammenführung der EQ-Modelle mit den Verbrennern erreicht werden. Der EQS, den Designchef Gordon Wagener als „ein Auto, das zehn Jahre zu früh kam“ bezeichnete, wird nach nur einer Generation eingestellt. An seine Stelle tritt eine neue S-Klasse, die es sowohl als Verbrenner als auch als Elektroversion geben wird.

Bereits bestätigt sind elektrische Versionen von C-Klasse und GLC. Auch eine rein elektrische AMG-Performance-Limousine sowie ein dazugehöriges SUV sind geplant. Langfristig arbeitet Mercedes zudem an einer kleineren G-Klasse mit dem Spitznamen „Little G“. Diese soll mit Benzin- und Elektromotoren erhältlich sein.

Was die Antriebsstrategie betrifft, setzt Mercedes weiterhin auf einen Mix aus Verbrenner und Elektro. Källenius erklärte, das Unternehmen habe einen „Kurswechsel“ vorgenommen und plane, die Lebensdauer von Verbrennungsmotoren bis in die 2030er-Jahre und möglicherweise darüber hinaus zu verlängern – als Reaktion auf die Nachfrage nach Elektroautos, die schleppender verläuft als angenommen:

„Elektrifizierte Hightech-Verbrenner werden länger laufen, als wir ursprünglich dachten. In der aktuellen Lage ist es für einen etablierten Hersteller am sinnvollsten, beide Technologien zu bedienen – und keine zu vernachlässigen.“