Kennen Sie noch das erste Auto namens Amalfi?
Das infame Produkt der Marke Atlantis wurde in den 1970ern zum Fernsehstar
Zugegeben: Jetzt wird es sehr speziell. Ein Thema für absolute Auto-Nerds. Vor kurzem hat Ferrari ein neues Auto vorgestellt (oder ein sehr großes Facelift des Roma, je nach Gusto) und es "Amalfi" getauft. Wer in den 1970er-Jahren in Deutschland vor dem Fernseher saß, wird diesen Namen noch gut kennen. Dort war nämlich der Atlantis Amalfi CS 1800 der Hauptdarsteller einer Fernsehserie des NDR.
"PS – Geschichten ums Auto" hieß die Serie, die ab 1975 in vier Staffeln ausgestrahlt wurde. Die Serie thematisierte den Alltag in einem fiktiven Autohaus und schilderte die Erlebnisse der dortigen Mitarbeiter und Kunden. Eine wiederkehrende Handlung drehte sich um ein Fahrzeug mit anhaltenden technischen Problemen.
Bildergalerie: Ferrari Amalfi (2026)
Da die Produktion rechtliche Schritte wegen möglicher Rufschädigung vermeiden wollte, entschied man sich gegen den Einsatz eines real existierenden Serienmodells. Stattdessen wurde ein fiktiver deutscher Automobilhersteller mit dem Namen Atlantiswerke mit Sitz in Hochheim am Main erfunden. Dessen Mittelklassemodell, die Familienlimousine Amalfi CS 1800, wurde zentral in der Serie eingesetzt. Das ebenfalls fiktive Autohaus Neubert drehte dieses Auto dem leutseligen Familienvater Volker Schmitting, gespielt von Gerd Baltus, an.
Die Modellbezeichnung war bewusst so gewählt, dass sie eine Assoziation mit einem ausländischen, insbesondere italienischen Fahrzeug zuließ – namentlich durch den Bezug zur Amalfiküste. Weitere Fahrzeuge des erfundenen Herstellers, der Kleinwagen Altessa und das Oberklassemodell Aldebaran, wurden in der Serie erwähnt, jedoch nicht gezeigt.
Fiat 132 GLS 1800 (1974-1977)
Für die Dreharbeiten wurde ein funktionsfähiges Exemplar des Amalfi CS 1800 benötigt. Den Umbau übernahm Günter Köppen, ein Fiat-Händler mit Werkstattbetrieb in Tornesch (Schleswig-Holstein). Grundlage war ein Fiat 132, der dort als Vorführfahrzeug diente. Ziel war es, die Karosserie so weit zu verändern, dass das Ursprungsmodell nicht mehr erkennbar war. Die Umbauten erfolgten 1974 und kosteten rund 30.000 DM, was dem damaligen Neupreis eines Mercedes 350 SE entsprach.
Dem Fiat 132 wurden die Frontmaske und das Kühlergitter aus schwarzem Kunststoff des VW Passat B1 angepasst. Einn wenig ähnelt die Frontpartie dem ersten Audi 100. Die verchromten, V-förmig angeordneten Zierstäbe auf dem Kühlergitter stammten, umgekehrt angebracht, vom Neckar 850 Adria. Die seitlichen Lüftungsgitter, die an beiden Seiten der C-Säule montiert waren und die Originalteile des 132 an gleicher Stelle ersetzten, kamen vom Fiat 126.
Der Mercedes Strich-Acht spendierte die Rückleuchten für den Amalfi
Der Kofferraum und die Heckpartie wurden neu gestaltet. Die Kofferraumlinie fällt beim Amalfi CS 1800 zum Heck hin stärker ab als beim Fiat 132. Die Rückleuchten, der Tankdeckel und das Heckblech des Amalfi CS 1800 stammten vom Mercedes Strich-8. Der Tankeinfüllstutzen wurde von der Seite ins Heckblech verlagert; dafür war die Konstruktion eines neuen Tanks erforderlich. Zierteile wurden von verschiedenen deutschen Serienfahrzeugen entnommen: die Rückspiegel vom VW K 70, die vordere Stoßstange vom VW Passat, die hintere Stoßstange vom BMW 02 und die seitlichen Stoßleisten vom BMW 5er (E12).
Der Innenraum wurde ebenfalls mit einigem Aufwand verfremdet. Anstelle des Bezugs aus Holzimitat erhielt der Armaturenträger einen Anstrich mit schwarzem Kräusellack. Fiats Kippschalter wurden durch große Zugschalter von Bosch ersetzt. Die Mittelkonsole schließlich kam wiederum vom modellgepflegten BMW 02 ab 1971. Außerdem wurde die Kopfstützenform geändert und diese mit VW-Korbflechtmuster-Kunstleder bezogen.
Vom VW Passat B1 stammte die Frontpartie des Amalfi
Der Amalfi CS 1800 war in den ersten beiden Staffeln der Serie regelmäßig zu sehen. Zunächst wurde er als hellblaues Vorführfahrzeug eingesetzt, später erschien er in gelber Lackierung ("Securitagelb") als Kundenwagen der Serienfigur Schmitting. Ab der dritten Staffel trat das Fahrzeug nur noch als Kulissenelement auf. In der vierten Staffel wurde es farblich umgestaltet und mit der Aufschrift "Karzinom 6" versehen.
Nach dem Ende der Serie wechselte das Fahrzeug mehrfach den Besitzer. Im Jahr 1980 wurde es als Hauptgewinn bei einem Preisausschreiben der Zeitschrift Funk Uhr ausgelobt. 1982 erlitt das Auto in Seligenstadt einen Brandschaden. Nach erfolglosen Restaurierungsversuchen wurde es 1983 bei einem Schrotthändler in Offenbach verschrottet.
Spender der seitlichen Zierleisten war ein BMW 5er (E12)
Der Verbleib des Amalfi CS 1800 war über Jahrzehnte nicht dokumentiert. Das Fahrzeug galt als verschollen und entwickelte sich zum Symbol für schlechte Fahrzeugqualität. Unter Fans der Serie und in der Automobilszene erreichte das Auto Kultstatus und war Gegenstand zahlreicher Spekulationen.
Auch außerhalb Deutschlands wurde das Fahrzeug noch viele Jahre nach Ende der Serie thematisiert. Die rekonstruierte Geschichte des Amalfi wurde erst 2022 umfassend veröffentlicht. Ab 2017 initiierte ein Sammler aus Remagen einen Nachbau des Amalfi CS 1800. Das Fahrzeug auf ebenfalls Fiat-132-Basis ist seit 2020 straßenzugelassen und war bereits auf mehreren Oldtimermessen zu sehen.
Ob diese Geschichte auch Ferrari weiß? Zumindest ist ein Rechtsstreit um den Namen ausgeschlossen. Es gab allerdings zwischen 1994 und 2000 tatsächlich eine reelle Automarke namens Amalfi Sportscars in England. Dort entstanden zwei Exemplare des Passero, der dem Lamborghini Countach ähnelte, aber kürzer war. Für den Antrieb standen Vierzylindermotoren vom Fiat X 1/9 und Lancia Beta zur Wahl. Schon wieder Fiat, möchte man fast sagen ...
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