Fiat Bravo/Brava (1995-2001): Brav oder Oh?
Das einstige Auto des Jahres wird jetzt 30 Jahre alt
Manch einer kennt dieses Sprichwort: Doppelt gemoppelt hält besser. Das denkt sich auch Fiat vor 30 Jahren. Denn der Nachfolger des Tipo wird seinerzeit zweigeteilt. Heraus kommen der Fiat Bravo und der Fiat Brava (Typ 182).
Es handelt sich um zwei Versionen desselben Fahrzeugs: den Bravo, ein dreitüriges Steilheck und den Brava, einen fünftürigen Fastback. Der Name Bravo wird im Januar 2007 mit dem völlig neuen Fiat Bravo wiederbelebt, der den Stilo ablöst. Der Name Brava findet schon in den 1980er-Jahren in den Vereinigten Staaten für den Fiat 131 Verwendung.
Bildergalerie: Fiat Bravo (1995-2001)
Das doppelte Flottchen kommt bei den Journalisten gut an: Der Fiat Brava wird zusammen mit dem Bravo zum Auto des Jahres 1996 gewählt. Und zwar vor dem Peugeot 406 und dem Audi A4 B5.
Zwei Erben des Tipo
Blicken wir zurück: Verkauft sich der Tipo anfangs noch sehr gut auf dem europäischen Markt, so bleiben die Käufer nach ersten, katastrophalen Crashtests fast völlig aus. Die dramatischen Einbrüche im Verkauf dieses Modells bringen den ohnehin schon angeschlagenen Fiat-Konzern in zusätzliche Schwierigkeiten.
Zu spät erkennt Fiat, dass der Tipo in den Sicherheitsaspekten nicht soweit verbessert werden kann, dass er konkurrenzfähige Sicherheit bietet. Aus diesem Grund entwickelt man die beiden komplett neuen Modelle Bravo und Brava, die die bis dahin am schnellsten konzipierten Fahrzeuge im Fiat-Konzern sind.
Fiat Bravo (1995-2001)
Fiat Brava Trofeo
Nur gut zwei Jahre dauert es von den ersten Entwürfen bis zum Produktionsbeginn. Erstes Ziel ist eine zeitgemäße Sicherheitsausstattung, damit sich das Debakel des Tipo nicht wiederholt. Bei einem Euro-NCAP-Crashtest in Zusammenarbeit mit dem ADAC und dem ÖAMTC erhält der Brava jedoch nur zwei von vier möglichen Sternen. Die Fahrgastzelle sei immer noch zu schwach, mit schon kleinen Verbesserungen wäre jedoch ein dritter Stern möglich.
Bravo/Brava und Tipo unterscheiden sich stark im Styling und im Fahrverhalten. Das Fahrwerk des Bravo ist auf ein präziseres Fahrverhalten abgestimmt, während man den Brava auf mehr Komfort trimmt. Die Innenausstattung und viele der Karosseriefarben sind nur bei der einen oder anderen Version vorhanden.
Bildergalerie: Fiat Brava (1995-2001)
Die Autos werden als leise, futuristisch und sparsam beworben. In den italienischen Werbespots von Fiat hieß es "Fiat Bravo. Fiat Brava. La Scelta“, was so viel heißt wie “Fiat Bravo. Fiat Brava. Die Wahl.“ Das soll darauf hinweisen, dass es sich um sehr ähnliche Autos handelt, die jedoch wahlweise als sportlicher Dreitürer oder als praktischer Fünftürer angeboten werden. Der Bravo ist 4,02 Meter lang, der Brava 4,19 Meter.
Mutiges Design und ein Fünfzylinder
Peter Davis, der damalige Leiter des Styling Centers von Fiat, sagt, dass man mit der Arbeit am Bravo und Brava unmittelbar nach der Fertigstellung des Coupé und der Barchetta begonnen habe. Das Design habe man bis an die Grenze getrieben, um sich von den Wettbewerbern zu unterscheiden.
Bravo und Brava sind mit völlig neuen Motoren ausgestattet, das Basismodell mit einem 1,4-Liter-12-Ventiler mit zunächst 75 PS (55 kW). Drei weitere Benzinmotoren stehen zur Verfügung: der 1,6-Liter mit 90 PS (66 kW), der 1,8-Liter-16-Ventiler mit 113 PS (83 kW) und der 2,0-Liter-Fünfzylinder des Spitzenmodells HGT, der 147 PS (108 kW) leistet und eine Höchstgeschwindigkeit von 213 km/h ermöglicht. Im Jahr 1999 löst das Modell 155 HGT das ältere Modell ab und bietet eine höhere Leistung von 155 PS (114 kW).
Fiat Bravo (1995-2001)
Außerdem sind zwei Turbodieselmotoren erhältlich: Beides 1,9-Liter-Vierzylinder, von denen einer 75 PS (55 kW) und der andere 100 PS (74 kW) leistet. Der ADAC testet 1995 einen Brava S 1.4 mit 75 PS zum Preis von 23.900 Mark. Man attestiert dem Vierzylinder eine erstaunliche Laufruhe und eine überraschende Elastizität. Gelobt wird die gute Serienausstattung, Kritik gibt es für die etwas zu kurzen Sitzflächen vorne. 380 bis 775 Liter Gepäck passen in den Kofferraum des Brava, der Bravo muss sich mit 280 bis 630 Liter begnügen.
Werbung mit Schumi
Brava und Bravo ist kein allzu großer Erfolg beschieden. Im Herbst 1998 findet schließlich ein neu entwickelter Common-Rail-Dieselmotor in den Kompaktwagen Verwendung. Gleichzeitig wird der als unelastisch und durstig charakterisierte 1,4-Liter-Benziner aus dem Programm genommen und durch einen neuen 1,2-Liter-16V ersetzt.
Diese Änderungen im Motorenangebot finden im Rahmen eines Facelifts statt, bei dem kleinere optische Details (wie lackierte Stoßleisten) sowie die Ausstattungsvarianten überarbeitet werden. Fortan gehören auch Seitenairbags zur Serienausstattung. Ende 1999 führt Fiat das Abarth-Zubehör für den Bravo ein, erhältlich sind sportlichere Felgen und ein Bodykit,
Vom Marea und Multipla
Die Stufenhecklimousine und der Kombi werden seit Sommer 1996 als Fiat Marea angeboten. Letzteres Modell erhält zur Unterscheidung größere Stoßfänger und eine breitere Spur. Ein weiteres Fahrzeug auf Basis des Bravo/Brava ist übrigens der bis heute optisch umstrittene Fiat Multipla.
Bereits nach sechs Jahren werden Brava und Bravo im Oktober 2001 durch den Fiat Stilo abgelöst. In Ägypten dagegen bleibt der Brava erster Generation noch bis 2003 in Produktion. Im Frühjahr 2007 wird der Stilo dann wiederum durch eine neue Bravo-Generation abgelöst. Diese ist nur als Fünftürer erhältlich – also in jener Modellvariante, die früher Brava heißt. Ein Wiederaufleben des Namens Brava ist somit eher unwahrscheinlich geworden.
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