105 PS starker Kompaktwagen mit 1,6-Liter-Selbstzünder im Test

Der Trend ist klar: Immer kleiner und dennoch immer stärker werden die Motoren. Dieses Downsizing hat mit den hohen Spritpreisen und dem Zwang zu niedrigeren CO2-Emissionen zu tun. Und es betrifft auch die Diesel. So geht auch Fiat nun allmählich von den 1,9-Liter-Dieseln auf kleinere Aggregate über. Neu im Bravo sind zwei 1,6-Liter-Selbstzünder mit 105 und 120 PS. Wir haben die 105-PS-Version getestet, um zu sehen, was man erwarten darf.

Jetzt zwei 120-PS-Diesel
Wer einen Diesel will, konnte den Bravo bisher nur mit 1,9-Liter-Triebwerken bestellen. Eine 120- und eine 150-PS-Variante standen zur Verfügung. In Zukunft werden vier Diesel angeboten. Den Einstieg markieren nun die beiden neuen 1,6-Liter mit 105 und 120 PS. Die gleiche Leistung wie der letztere bietet der weiterhin gelistete 1,9-Liter. Schließlich wird der bekannte 150-PS-Diesel mit ebenfalls 1,9 Liter Hubraum weiter angeboten.

105-PS-Diesel mit starkem Vorwärtsdrang
Die 1,6-Liter-Selbstzünder wurden vollkommen neu entwickelt. Das 105-PS-Aggregat erreicht ein maximales Drehmoment von bulligen 290 Newtonmetern, die bereits bei 1.500 U/min anliegen. Das ist auch im Vergleich mit Konkurrenzmodellen ein guter Wert. Und er lässt sich in der Praxis deutlich spüren: Der Bravo macht mit dem 105-PS-Diesel richtig Spaß. Schon bei niedrigen Drehzahlen liefert der Italiener kräftigen Druck und drängt voran wie frisch entfesselt. Man fühlt sich deutlich schneller, als es der Sprintwert von 11,3 Sekunden für die Beschleunigung auf Tempo 100 belegt.

Leicht raues Leerlaufgeräusch
Die Common-Rail-Einspritzung arbeitet mit bis zu 1.600 bar und normalen Magnetventilen – anders als etwa Renaults 105-PS-Diesel, der Piezoventile besitzt und deshalb besonders geräuscharm arbeitet. Der Allerleiseste ist der neue Fiat-Selbstzünder daher nicht. Vor allem im Stand ist das typische raue Dieselgeräusch doch deutlich zu vernehmen. Beim Fahren bleibt die Geräuschentwicklung im Rahmen, bis auf ein leichtes Dröhnen im mittleren Drehzahlbereich.

Niedriger Spritverbrauch
Der Motor wird serienmäßig mit einer Sechsgang-Schaltung kombiniert, die beim Schalten für unseren Geschmack ein wenig zu viel Widerstand leistet. Ab Mai soll es optional ein automatisiertes Schaltgetriebe geben, mit dem der Spritverbrauch des Bravo noch etwas niedriger als bei der Schaltversion ist. Mit dem serienmäßigen Getriebe verbraucht die 105-PS-Variante nur 4,5 Liter auf 100 Kilometer. Dieser von Fiat angegebene Wert liegt im Feld der vergleichbaren Modelle recht gut. So verbrauchen etwa der entsprechende Ford Focus ebenfalls 4,5 Liter, der Peugeot 308 sowie der Renault Mégane 4,7 Liter. Alle diese Aggregate sind 1,5- oder 1,6-Liter-Aggregate. Mit 5,2 Litern verbraucht der 1.7 CDTi im Opel Astra schon etwas mehr, und der 1,9-Liter-Diesel im gleichen Modell schluckt gleich 5,8 Liter. Hier zeichnet sich ein Zusammenhang ab, der den Effekt von Downsizing deutlich macht: je kleiner der Hubraum, desto niedriger der Verbrauch.

Der Effekt von Downsizing
Noch ganz im alten Stil ist der Klassenprimus VW Golf mit seinem 1,9-Liter-Diesel gehalten; er braucht mit Partikelfilter und Sechsgang-Getriebe 5,5 Liter. Doch auch VW bleibt nicht untätig in puncto Spritverbrauch. Die Bluemotion-Variante erreicht durch aerodynamische und andere reibungsmindernde Maßnahmen einen Verbrauch von 4,5 Liter. Einen dritten Weg geht BMW etwa beim 1er mit einem Start-Stopp-System. Ein ähnliches System stellt Fiat auf dem Genfer Auto-Salon unter dem Beinamen Aria vor. Laut Fiat-Pressesprecher Thomas Kern könnte es schon bald in Serie gehen.

Schon Euro-5-konform
Zur Umweltfreundlichkeit merkt Fiat noch an, dass die neuen italienischen Diesel im Gegensatz zu den Konkurrenzaggregaten bereits die Euro-5-Abgasnorm erfüllen. Um die hierfür erforderlichen Stickoxid-Grenzwerte einhalten zu können, muss das Gemisch etwas fetter eingestellt werden, was zu einem höheren Verbrauch führt. Dass der neue Motor dennoch zu den sparsamsten seiner Klasse gehört, ist umso lobenswerter. Zum Thema passt auch, dass der neue Bravo serienmäßig mit einem Partikelfilter ausgerüstet wird.

Weiche Abstimmung
Abgesehen vom Motor hat sich der Bravo nicht verändert. Weiterhin baut das Auto hinten auf eine Verbundlenkerachse, nicht wie beispielsweise der VW Golf auf die aufwendigere Mehrlenkerachse. Die Abstimmung ist recht weich und damit besser für lange Autobahnstrecken als für die sportliche Landstraßenkurverei geeignet. Der ausschließlich als Fünftürer erhältliche Bravo hat im Fond etwas wenig Platz. Sowohl die Knie- wie die Kopffreiheit ist recht beschränkt. Das Kofferraumvolumen in der fünfsitzigen Konfiguration ist mit 400 Liter großzügig, doch bei umgeklappten Sitzen werden daraus nur 1.175 Liter, was unter Klassendurchschnitt liegt. Außerdem müssen die Vordersitze zum Umklappen der Fondmöbel vorgerückt werden. Beim Ausladen stört die hohe Ladeschwelle.

Ab 18.350 Euro
Den 105-PS-Diesel gibt es ab 18.350 Euro. Dafür erhält man die Ausstattung Active, die neben Sicherheitskomponenten wie ESP und sieben Airbags auch ein paar Komfortdetails umfasst: Eine fernbedienbare Zentralverriegelung, elektrisch einstellbare Außenspiegel und elektrische Fensterheber sind schon in der Grundversion an Bord. Die dritte Kopfstütze im Fond fehlt jedoch. Wer diese plus die oft georderten Extras Klimaanlage und CD-Radio haben will, wählt die Dynamic-Variante für 19.950 Euro. Schließlich gibt es die Emotion-Variante, die eine Klimaautomatik, Alufelgen, elektrische Fensterheber hinten sowie ein Multifunktionslenkrad besitzt und für 21.450 Euro zu haben ist. Die genannten Preise sind allerdings nur bis zum 10. März 2008 gültig. Danach steigen die Beträge um 350 Euro.

Günstige Preise
Vergleichen wir die Preise des zweiten Ausstattungsniveaus mit der Konkurrenz. Bei Fiat werden wie gesagt 19.950 Euro aufgerufen. Damit liegt das Auto günstig. Für den fünftürigen Ford Focus Style 1.6 TDCi zahlt man zum Beispiel 20.500 Euro, und auch andere Konkurrenten wie der Peugeot 308, der Citroën C4 und der Opel Astra sind teurer. Der VW Golf 1.9 TDI Edition mit Partikelfilter, Sechsgang-Getriebe und fünf Türen schlägt gar mit 22.700 Euro zu Buche.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der neue Diesel hat uns überzeugt. Auf der Straße macht er mit seinem kräftigen Durchzugsvermögen so viel Spaß, dass man sich allenfalls wegen möglicher Tempoverstöße Sorgen machen muss, nicht aber wegen zu wenig Power. Außerdem liegt der 105-PS-Diesel mit 4,5 Liter Verbrauch im Konkurrenzvergleich gut. Dazu erfüllt das Auto auch die Euro-5-Abgasnorm, was die Konkurrenz noch nicht schafft. Die Umwelt würde sich freuen, wenn dann – sagen wir mal, im Jahr 2009 – noch ein Start-Stopp-System dazukommt. Der Geldbeutel freut sich schon jetzt über den neuen Bravo-Diesel, denn auch hier schneidet der Bravo im Vergleich zum Wettbewerb gut ab.

  • Antrieb
    95%
    sehr kräftiger, durchzugsstarker Diesel
    niedriger Spritverbrauch
  • Fahrwerk
    80%
    unauffällige Lenkung
    deutliche Wankneigung in Kurven
  • Karosserie
    70%
    schönes Karosseriedesign
    wenig Platz im Fond, unpraktischer Kofferraum
  • Kosten
    95%
    im Vergleich zur Konkurrenz günstiger Preis
    ESP serienmäßig

Preisliste


Fiat Bravo 1.6 Multijet 16V (105 PS) Active

Grundpreis: 18.350 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie (durchgehend für vorn und hinten)
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Klimaanlage 1.200
Klimaautomatik erhältlich ab Dynamic
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
CD-Radio 650
elektr. Schiebedach 1.150
Metalliclackierung 520
Leichtmetallfelgen ab 600
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer)
Tempomat 280
Lederausstattung erhältlich ab Dynamic
Xenonlicht ab Dynamic erhältlich
Nebelscheinwerfer 190 (mit Kurvenlichtfunktion)
Knieairbag Serie
Dritte Kopfstütze hinten -
Reifendrucksensor 270
Lederlenkrad 180
Sitzheizung vorne 180
Rußpartikelfilter Serie
elektronische Einparkhilfe hinten 330
elektronische Einparkhilfe vorn und hinten 530
Reifenreparaturkit Serie
Notrad 50
elektrischer Zuheizer Serie
Multifunktionslenkrad 170
asymmetrisch geteilt umklappbare Rückbank Serie

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Turbodiesel mit Common-Rail-Einspritzung 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.598 
Leistung in PS 105 
Leistung in kW 77 
bei U/min 1.500 
Drehmoment in Nm 290 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltung 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.530 
Spurweite hinten in mm 1.524 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung an Quertraverse mit unteren Dreieckslenkern, McPherson-Federbeine, Stabilisator 
Radaufhängung hinten Einzelradaufhängung an Längslenkern, Verbundlenkerachse, Schraubenfedern 
Bremsen vorn innenbelüftete Scheiben, 284 mm 
Bremsen hinten Scheiben, 251 mm 
Wendekreis in m 10,4 m (Spur) 
Räder, Reifen vorn 6J x 15, 195/65 R 15 91 H (Active) 
Räder, Reifen hinten 6J x 15, 195/65 R 15 91 H (Active) 
Lenkung elektrische Zahnstangenlenkung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.336 
Breite in mm 1.792 
Höhe in mm 1.498 
Radstand in mm 2.600 
Leergewicht in kg 1.435 
Zuladung in kg 435 
Kofferraumvolumen in Liter 400 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 1.175 
Anhängelast, gebremst in kg 1.300 
Dachlast in kg 50 
Tankinhalt in Liter 57 
Kraftstoffart Diesel 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 187 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 11,3 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 4,5 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 5,8 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 3,8 
CO2-Emission in g/km 119 
Schadstoffklasse Euro-4-zertifiziert, Euro 5 wird laut Hersteller erfüllt 

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