Motor1 Numbers: Warum sich Elektroautos nicht durchsetzen
Hier kommen die Gründe, weshalb die westlichen Verbraucher nicht positiv auf ein immer größeres Angebot reagieren ...
In diesem Jahr war zu beobachten, wie die starke Nachfrage nach Elektroautos von 2022 und 2023 nachließ. Die Verkäufe oder Zulassungen dieser Fahrzeuge stiegen in Europa, den USA und vielen anderen Märkten zwar weiter an, allerdings mit geringeren Raten.
Im Gegensatz dazu verlagert China mit seiner massiven Industrie und seinen Anreizen immer mehr Fahrerinnen und Fahrer von Benzin- oder Dieselfahrzeugen auf batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs) oder Plug-in-Hybride (PHEVs) von BYD, GWM oder Geely. Während der Anteil der Elektrofahrzeuge (BEV und PHEV) in China bis Oktober 40 Prozent betrug, lag er in Europa bei 22 Prozent und in den USA bei 9,9 Prozent.
Was geschieht in der Branche und warum reagieren die westlichen Verbraucher nicht positiv auf ein breiteres und wettbewerbsfähigeres Angebot an Elektrofahrzeugen?
1. Der Preis
Dies ist der Hauptgrund, warum viele Menschen in Europa und den USA keine Elektrofahrzeuge kaufen. Sie sind einfach zu teuer im Vergleich zu Verbrennern. Trotz der anhaltenden Bemühungen der Hersteller, erschwingliche Modelle anzubieten, und trotz großzügiger staatlicher Anreize in einigen entwickelten Volkswirtschaften ist die heutige Realität alles andere als vielversprechend. Die Kaufprämien selbst wurden in großen Märkten wie Deutschland gestrichen, was zu einem Einbruch der Verkaufszahlen führte.
Nach Angaben von JATO lag der durchschnittliche Verkaufspreis eines Elektroautos im September 2024 in Europa 32 Prozent und in den USA 18 Prozent über dem eines Autos mit Verbrennungsmotor.
Der Preisunterschied ist immer noch sehr groß, vor allem wenn man bedenkt, dass die Preise insgesamt in den letzten fünf Jahren dramatisch angestiegen sind.
Durchschnittlicher Verkaufspreis eines Neuwagens
| Europäische Union | Vereinigte Staaten | |
| 62.582 Euro | BEV | 69.404 Dollar |
| 77.649 Euro | PHEV | 82.325 Dollar |
| 47.581 Euro | ICE | 59.021 Dollar |
Daten: Jato, September 2024
2. Aufladen
Obwohl sich die Ladeinfrastruktur in Europa, den USA und vielen anderen Ländern verbessert, ist sie für viele potenzielle Käuferinnen und Käufer von Elektroautos immer noch ein großes Fragezeichen. Nach Angaben der ACEA gab es Ende letzten Jahres in der Europäischen Union insgesamt 630.000 öffentliche Ladepunkte.
Die EU-Industrie verkaufte rund 8,2 Millionen Elektro-, Plug-in-Hybrid- und Hybrid-Autos zwischen 2015 und 2023. Das sind 13 Elektroautos pro öffentlichem Ladepunkt, wenn man davon ausgeht, dass alle diese Fahrzeuge noch im Einsatz sind. Im Falle der USA steigt das Verhältnis auf fast 29 Fahrzeuge an. Dies ist eine große Anzahl von Fahrzeugen pro Lader.
Verhältnis von Verkäufen/Registrierungen zu öffentlichen Ladepunkten
3. Der Restwert
Da elektrifizierte Fahrzeuge relativ neu in der Branche sind (es gibt sie noch nicht seit Jahrzehnten wie Benzin- oder Dieselfahrzeuge), gibt es noch viele Mythen und Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit. Es gibt auch Bedenken hinsichtlich des Lebenszyklus der Batterien, die im Durchschnitt 28 Prozent der Kosten ausmachen, und einen erheblichen Mangel an Gebrauchtwagen, die den Menschen die Elektrifizierung näher bringen und ein Beispiel geben.
4. Die Reichweite
Das Tanken eines Verbrenners ist keine angenehme Angelegenheit. Man muss die Tankstelle finden, das Auto ausschalten und einige Minuten warten, bis der Tank voll ist. Der ganze Vorgang kann je nach Warteschlange an der Tankstelle etwa fünf Minuten dauern. Wie lästig wäre es, wenn sich diese Zeit auf 30 bis 50 Minuten verlängern würde?
Schnellladegeräte und bessere Batterien sollten diese langen Wartezeiten vermeiden. Aber bis heute braucht ein Autofahrer für das Aufladen eines Elektrofahrzeugs viel länger als für das Tanken eines Benziners. Allerdings halt nur bei Strecken, die über die Reichweite hinausgehen. Und die liegt in der Regel deutlich über dem durchschnittlichen Fahrpensum eines Tages. Ein weiterer E-Vorteil: Man kann das Auto zuhause laden.
Durchschnittliche Reichweite der verfügbaren Autos in Deutschland im dritten Quartal 2024
Elektroautos (angegebene Reichweite WLTP) |
Benzin- und Dieselfahrzeuge (angegebene Reichweite basierend auf dem Tankinhalt multipliziert mit dem angegebenen kombinierten WLTP-Verbrauch) | |
| 457 | Reichweite in km mit einer Ladung / mit einem Tankinhalt | 866 |
Der Autor des Artikels, Juan Felipe Munoz, ist Spezialist für die Automobilindustrie bei JATODynamics.
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