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Motor1 Numbers: Porsche wächst nicht mehr so schnell wie früher

Nicht nur der negative Trend bei Elektroautos gehört zu den Ursachen. Wir gehen der Sache auf den Grund ...

Motor1 Numbers: Porsche wächst nicht mehr so schnell wie früher
Bild von: Motor1.com

Auch Menschen mit hohem sozialen und monetären Status können schwere Zeiten durchmachen. In der Automobilbranche könnte man sagen, dass dies gerade auf Porsche zutrifft. Der weltweit für seine Sportwagen (und mittlerweile auch SUVs und Limousinen) bekannte Premium-Hersteller hat schon viele Widrigkeiten gemeistert. Doch die Zeiten haben sich geändert ...

Porsche ist eine starke Marke des VW-Konzerns. In den letzten 15 Jahren war Porsche in der Lage, erfolgreich in neue Segmente vorzudringen und neue Modelle und Antriebsstränge einzuführen, die vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar waren. Dank Qualität, Leistung und gutem Marketing hat Porsche seine weltweiten Verkaufszahlen zwischen 2009 und 2023 fast verdreifacht. Andere Marken wie Tesla, Cupra, Dacia und BYD mögen in einem kürzeren Zeitraum noch schneller gewachsen sein, aber ihre Autos sind nicht so teuer wie die von Porsche.

Dieser bemerkenswerte Erfolg hat es Porsche ermöglicht, die Segmente der Elektroautos mit relativem Erfolg selbstbewusst zu erkunden. Der Porsche Taycan ist heute eines der meistverkauften Luxus-Elektroautos und ein gutes Marketingbeispiel dafür, dass die Elektrifizierung dem Image einer Sportwagenmarke nicht zwangsläufig schaden muss. Allerdings tauchen auch neue Probleme auf.

Die Herausforderungen

Im vergangenen Jahr stellte Porsche mit 320.200 Einheiten weltweit einen neuen Rekord beim Jahresabsatz auf, nachdem das Unternehmen 16 Jahre in Folge gewachsen war (mit Ausnahme in den Corona-Jahren). Es scheint jedoch, dass die Marke nicht in der Lage sein wird, diesen Rekord bis zum Ende des Jahres zu übertreffen. Die jüngsten veröffentlichten Zahlen zeigen, dass sich die weltweiten Auslieferungen zwischen Januar und September auf 226.000 Einheiten beliefen, was einem Rückgang von fast 7 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2023 entspricht.

Weltweite Auslieferungen [Quelle: Porsche].

Laut dem Bericht des Unternehmens ist der Hauptgrund für diesen Rückgang die sinkende Nachfrage in China, die um 29 Prozent zurückging. Bei den Modellen gibt es zwei klare Trends, die die schwierige Zeit erklären, die Porsche durchmacht. Erstens verzeichnet der Porsche Taycan starke Rückgänge auf einem Markt, auf dem die Nachfrage nicht mehr wächst, zumindest in Europa und den USA.

Der Taycan hat auch mit wachsender Konkurrenz in China zu kämpfen, dem mit Abstand größten EV-Markt der Welt. Zu allem Überfluss wurde der Taycan auf der IAA 2019 in Frankfurt enthüllt, was bedeutet, dass er seit fünf Jahren auf dem Markt ist. Allerdings mittlerweile in einer überarbeiteten Version.

Der Fall des Macan

Der andere, besorgniserregendere Trend betrifft den Macan. Mit der Einführung der zweiten Generation, die nur als Elektroauto erhältlich ist, versucht der Bestseller von Porsche immer noch, die Verkaufszahlen des Autos mit Verbrennungsmotor der vorherigen Generation zu übertreffen. Porsche hat die erste Generation aus einigen Schlüsselmärkten zurückgezogen, um sich stärker auf den neuen vollelektrischen Macan zu konzentrieren. Der Verbrenner-Macan ist auf der deutschen Website der Marke nicht mehr erhältlich. Dies ist unter anderem auch in Frankreich, den Niederlanden, Spanien und Österreich der Fall.

Porsche-Lieferungen nach Modell von Januar bis September

Der neue Macan kostet im Durchschnitt auch 22 Prozent mehr als die vorherige Generation. Dieser Anstieg ist vor allem auf den Wechsel vom Benzin- zum 100-prozentigen Elektroantrieb zurückzuführen. Verschärft wird die Situation durch die wachsenden Ängste und die negative Einstellung gegenüber Elektrofahrzeugen in Europa. Der neue Macan wurde jedoch nicht überall eingeführt, so dass der Modellwechsel den Absatz weiterhin beeinträchtigt.

Durchschnittlicher Einzelhandelspreis von Modellen/Versionen in Deutschland, * im Jahr 2023 [Quelle: Jato].

Die Daten zeigen, dass Porsche nicht mehr hauptsächlich durch seine Elektromodelle oder den Wechsel von ICE zu BEV wächst. Bedeutet dies, dass der allgemeine Negativtrend bei Elektroautos auch Auswirkungen auf die einst sicheren Luxusmarken hat?

*Der Autor des Artikels, Juan Felipe Muñoz, ist Spezialist für die Automobilindustrie am Forschungsinstitut der Europäischen Union – JATODynamics.