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Audi RS Q8 Performance (2025) mit 640 PS im Test

Stärkster Verbrenner-Audi aller Zeiten, Ring-Rekordhalter - aber reicht das Mini-Facelift wirklich für die heftige Konkurrenz?

Audi RS Q8 Performance (2025) im Test
Bild von: Audi

Audi hat seinem bisher schon mächtig beeindruckenden Performance-SUV RS Q8 ein Facelift angedeihen lassen und ihm in diesem Zuge eine neue Performance-Variante spendiert. Selbige leistet 40 PS mehr als der normale RS Q8. Damit stehen 640 PS zu Buche, was für den Titel "stärkster Serien-Verbrenner-Audi aller Zeiten" reicht. 

Einen neuen Nordschleife-Rekord für SUVs hat der kraftmeiernde Koloss auch noch zum Fahrtermin mitbegracht. 7:36,698 Minuten - etwas über zwei Sekunden schneller als der Porsche Cayenne Turbo GT, fast fünf Sekunden schneller als der bisherige RS Q8. Ob sich das spürbar im Fahrverhalten niederschlägt und ob die Modellpflege weitere Vorteile mit sich bringt? Wir konnten es nun in Erfahrung bringen. 


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Exterieur | Interieur | Fahrbericht | Fazit


Was ist das?

Audis jüngster Beitrag zum "viel zu schnelle Riesen-SUVs"-Segment. Ein Segment in dem gerade wieder mal erstaunlich viel passiert. Da kann von allen möglichen Stellen noch so viel über Klima/Elektro/Welt retten gezeigefingert werden, Menschen mit dem entsprechenden Budget lieben einfach sehr große SUVs mit sehr großen Motoren. Aston Martin DBX707, Lamborghini Urus Hybrid, Porsche Cayenne Turbo E-Hybrid, Range Rover Sport SV - alle relativ neu oder frisch geliftet und in der Käufergunst weit oben. 

Damit das auch beim RS Q8 so bleibt, hat Audi nun das Facelift-Skalpell rausgeholt. Die Klinge blieb dabei jedoch eher fein. Den größten Nachrichten-Wert hier hat tatsächlich angesprochene Performance-Variante. Dank Feinschliff an Auspuff und Motorelektronik entwickelt der 4,0-Liter-Biturbo-V8 in dieser Applikation 640 PS und 850 Nm Drehmoment. Genug für 3,6 Sekunden von 0-100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 305 km/h (optional). Dann noch die Ring-Zeit von gut unter 7:40 Minuten und das in einem 2,35 Tonnen schweren Hochsitz - wenn Sie mögen, jetzt wäre der richtige Zeitpunkt Mund und Augen sehr weit aufzureißen. 

Der RS Q8 Performance verfügt serienmäßig über Carbon-Keramik-Bremsen und wenn Sie wollen, können Sie eine lautere Abgasanlage ordern, welche die Nachbarn vielleicht nicht so gerne mögen werden, Sie aber wahrscheinlich umso mehr. Jap, auch im Jahr 2024 klingt dieses Auto damit noch absolut großartig.

Audi RS Q8 Performance (2025) im Test
Foto: Audi
Audi RS Q8 Performance (2025) im Test

Das könnte auch daran liegen, dass man das Fahrzeug von etwas Dämmung befreit hat. Man habe sich da mal den Lamborghini Urus angeschaut, sagt mir ein Audi-Mann, und habe gesehen, dass da durchaus noch was geht. Offensichtlich ging da noch was, der Top-Q8 hat klanglich definitiv an Kernigkeit zugelegt, wirft mit grandiosen Geräuschen nur so um sich. 

Obwohl sich die meisten Kunden hierzulande für den neuen Performance entscheiden werden, behalten die Ingolstädter den "normalen" RS Q8 weiterhin im Angebot. Hier bleibt es bei 600 PS, 800 Nm, einer 0-100km/h-Zeit von 3,8 Sekunden und je nach Buchung zwischen 250 und 305 km/h Topspeed. 

Obwohl es bei Porsche und Lambo (nutzen ja die gleiche Plattform) den V8 längst auch als Plug-in-Hybrid gibt, setzt Audi weiterhin auf klassische Attribute. Wobei: Natürlich haben wir es hier mit einem 48-Volt-Mildhybrid zu tun, samt Zylinderabschaltung und Segel-Funktion. Gänzlich wegzaubern können die Ingenieure den Verbrauch aber freilich nicht. Offiziell sind es um die 13 Liter. Je nach Fahrweise können Sie da noch den ein oder anderen Liter anrechnen.  

Schnelle Daten Audi RS Q8 Performance (2025)
Motor Biturbo-V8; 3.996 ccm
Getriebe 8-Gang-Automatik
Antrieb Allradantrieb
Leistung 471 kW (640 PS) bei 6.000 U/min
max. Drehmoment 850 Nm bei 2.300 - 4.500 U/min
Basispreis 155.700 Euro

In puncto Fahrwerk bleibt nahezu alles, wie es bisher war. Wie sich das für ein Facelift gehört, hat man etwas Feinschliff an der Abstimmung von Federn und Dämpfern betrieben, aber Revolutionäres ist nicht passiert. Weiterhin vertraut der RS Q8 für die Bändigung seines Umfangs auf eine Hinterradlenkung, eine 48-Volt-Wankstabilisierung sowie ein Sportdifferenzial an der Hinterachse.

Die Preise starten bei 141.900 Euro für den RS Q8, der RS Q8 Performance kostet mindestens 155.700 Euro. 

Exterieur

Es bleibt dabei: Wenn Sie lieber unter dem Radar fliegen, ist der RS Q8 vermutlich nicht die richtige Anschaffung. Breitere Backen (10 mm vorne, 5 mm hinten verglichen mit einem herkömmlichen Q8), dickere Seitenschweller, die klassischen ovalen Auspuff-Endrohre sowie eine angsteinflößende Front kennzeichnen das Topmodell.

Audi RS Q8 Performance (2025) im Test
Foto: Audi
Audi RS Q8 Performance (2025) im Test

Mit der jüngsten Überarbeitung erhält das Auto neue Lichtsignaturen, einen neu gestalteten Grill, (noch) mehr Präsenz an der Front sowie einen aggressiveren Diffusor samt vertikalem Formel 1-Style-Reflektor am Heck. Ab Werk steht der RS auf 22-Zöllern, gegen Aufpreis kriegen Sie aber auch geschmiedete 23-Zoll-Räder, die trotz ihrer Größe ein wenig Gewicht abschaben.

Abmessungen Audi RS Q8 Performance (2025)
Länge x Breite x Höhe 5.022 mm x 2.007 mm x 1.686 mm
Radstand 2.998 mm
Gewicht (inkl. Fahrer) 2.350 kg
Zuladung 740 kg
Kofferraumvolumen 605 - 1.755 Liter
Stützlast 140 kg
Anhängelast 3.500 kg

Nach wie vor gehört der RS Q8, trotz seiner Ausmaße, zu den geschmackvolleren Vertretern seiner Zunft. 

Interieur

Menschen, die einen Q7 oder Q8 von vor dem Facelift kennen, werden sich auch hier drin sehr schnell zurecht finden. Oder anders: Die Neuerungen im Wohnzimmer halten sich in Grenzen. Noch immer sieht das alles fantastisch aus. Sehr geschmackvoll, qualitativ extrem hochwertig mit einem eher kühlen, technischen Look, der gut zur Marke passt. 

Die Grafiken des Infotainmentsystems sind scharf, die Konnektivität ist auf der Höhe und die Reaktionszeiten passen ebenfalls. Man muss halt mögen, dass man für so gut wie alles auf Bildschirmen herumdappen muss, weil es wenig physische Knöpfe gibt. 

Audi RS Q8 Performance (2025) im Test
Audi RS Q8 Performance (2025) im Test
Audi RS Q8 Performance (2025) im Test
Foto: Audi

Durch das Layout mit dem 10,1-Zoll-Screen und dem eigenen 8,6-Zoll-Klimasteuerungs-Display darunter geht das in diesem Fall aber in Ordnung. Das 12,3-Zoll-Instrumentendisplay gehört - auch wenn es gefühlt schon ewig existiert - noch immer zum Besten, was es in puncto Grafik und Konfigurierbarkeit auf dem Markt gibt. Einige RS-spezifische Grafiken, etwa (neuerdings) weiße Tachoscheiben, einige Performance-Anzeigen oder ein Schaltblitz, peppen das Cockpit-Ambiente auf. 

Schön: Das RaceTex-Lenkrad hat beim RS Q8 noch richtige Knöpfe und keine Touchflächen. Die knallroten RS-Tasten, die in einigen neueren Audis Schnellzugriff zu den Individual-Modi verschaffen, sind hier ebenfalls noch absent. Halb so wild, denn das Volant fasst sich sehr gut an und ist nicht zu dick. Die Schaltpaddles könnten etwas schicker sein und ein etwas extravaganteres Schaltgefühl geben, aber die meisten Kunden werden die Dinger vermutlich eh kaum benutzen.  

Das Gestühl mit seiner sehr schön gemachten Steppung ist überaus bequem, verwöhnt zudem mit Heizung/Belüftung. Wer die weiterhin überraschend stark ausgeprägten querdynamischen Fähigkeiten des Fahrzeugs häufiger ausnutzt, würde sich vielleicht ein wenig mehr Halt wünschen, aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. 

Bildergalerie: Audi RS Q8 Performance (2025) im Test

Auf der "Ich kann nicht nur sauschnell, sondern auch praktisch"-Seite glänzt der RS Q8 mit Unmengen an Platz im Fond, der durch die verschiebbare Rückbank auch einstellbar ist. Trotz der schärferen Dachlinie verfügt er über ein Kofferraumvolumen von 605 bis 1.755 Liter. Das ist ein wenig mehr als beim RS 6 Avant und in etwa auf dem Niveau der Performance-SUV-Konkurrenz um BMW X6 M, Porsche Cayenne Coupé und Co.

Fahrbericht

An Selbstvertrauen mangelt es den Herrschaften von Audi Sport nach dem Nürburgring-Rekord eher nicht und so schickte man die Journalisten-Schar ohne Umschweife auf die Rennstrecke. Das in den Fels gehauene Auf und Ab von Castelloli nahe Barcelona in diesem Fall. Jetzt kommt wieder der Spruch, den keiner mehr hören kann bei einem SUV, das sich als Supercar verkleidet hat, aber es stimmt eben auch hier wieder: Der RS Q8 geht um die Kurve, wie er es nicht dürfte für ein Auto seiner Größe und vor allem seines Gewichts.

Um Sie zu beruhigen: Man hat aber auch ständig das Gefühl, dass sich wirklich alles, was der Konzern-Technik-Baukasten zu bieten hat, unglaublich anstrengen muss, damit das so gut funktioniert. Sprich: Von Leichtfüßigkeit oder nuanciertem Handling (wie sollte das auch gehen?) sind wir hier weit entfernt. Eher ist es so, dass der RS Q8 Performance die Strecke wie eine Horde wütender, hungriger Bullen niederstampft, lenkt und bremst.

Audi RS Q8 Performance (2025) im Test
Foto: Audi
Audi RS Q8 Performance (2025) im Test

Sportdiff und Wankstabis stemmen sich mit allem was sie haben gegen das drohende Ausgehen von Strecke, aber sie machen es mit großem Erfolg und so bleibt letztlich nichts als bewundernde Anerkennung für diese Streitaxt-ähnliche Rennstrecken-Performance, auch wenn selbst der gigantische 10-Kolben-Keramik-Anker nach drei flotten Runden mit sehr weichem Pedal an seinen Grenzen schabte. Dennoch ein fahrdynamisch fokussierteres Erlebnis als etwa mit dem Porsche Cayenne Coupé Turbo E-Hybrid, der ja nochmal gut 150 Kilo mehr auf die Waage bringt. 

Jetzt dürfte das Reüssieren auf der Rennstrecke dem Gros der Kundschaft sowas von dermaßen egal sein. Umso besser, dass der RS Q8 Performance auch auf der Straße einen ziemlich schlanken Fuß macht. Na gut, das passt jetzt als Bild vielleicht nicht ganz so gut, aber Sie wissen schon, was ich meine. 

Fahrleistungen Audi RS Q8 Performance (2025)
0-100 km/h 3,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit bis zu 305 km/h
Verbrauch 13,1 - 13,6 Liter
Emissionen 297 - 310 g/km CO2

Das liegt übrigens nur zum Teil daran, dass er auch einen flott gefahrenen Landstraßen-Stint mit bestaunenswerter Agilität und Beweglichkeit in ein jederzeit höchst amüsantes Erlebnis verwandelt. Da zeigt sich einmal mehr die Zauberei dieser elektrischen Wankstabilisierung, denn während das Auto längs durchaus Bewegung in der Federung hat und auch so niemals unkomfortabel daherkommt, tut sich im Seitenaufbau so gut wie gar nix.

Das Auto bleibt dermaßen flach, gerät seitlich nie aus den Fugen, kurvt mit Verve und zieht auch hinten schön mit. Das aber niemals driftig oder übermäßig heckbetont. Obwohl das Sport-Differenzial maximal bis zu 85 Prozent der Kraft nach hinten schicken kann, geht es beim RS Q8 um maximale Traktion. 

Das Ganze kombiniert mit einer gut gewichteten, präzisen Lenkung, die nicht ultraschnell agiert, aber das Auto dadurch auch nicht zu einem nervösen Bündel macht, das versucht, Gewicht durch Hibbeligkeit zu vertuschen. Das ist gut. 

Audi RS Q8 Performance (2025) im Test
Audi RS Q8 Performance (2025) im Test Stefan Wagner
Audi RS Q8 Performance (2025) im Test
Foto: Audi

Der andere, im Alltag deutlich wichtigere Teil des RS Q8-Erlebnisses ist der herausragenden Bandbreite des adaptiven Luftfahrwerks zu verdanken. Das Auto ist nicht so rasiermesserscharf unterwegs wie etwa ein BMW X6 M, fühlt sich wahrscheinlich auch ein wenig schwerer an. Aber es bewegt sich trotzdem noch wahnsinnig dynamisch und obendrein schlägt es den BMW (und die meisten anderen Konkurrenten) beim Federungskomfort windelweich. Klicken sie den Wagen in den Comfort-Modus und er verändert sein Wesen komplett, wird zum sanften, reisetauglichen Riesen. Klingt auch wieder so klischeebehaftet, aber probieren Sie es einfach mal aus. 

Beim Motor dann bitte auch gleich, denn mit ihm verhält es sich ganz ähnlich. Er kann dezent, relativ leise und entspannt, braucht dann auch mal einen kleinen Schnaufer, bevor er antritt. Oder Sie konfigurieren ihn in den "Volle Attacke"-Status und erhalten ein extrem giftig ansprechendes Monstrum, das brabbelt und grunzt und brüllt und Sie mit einer Gewalt in den Sitz presst, wie das ein 640-PS-V8 nun mal so macht. 

Fazit: 8/10

Von allen Performance-SUVs im Super-Schwergewicht ist der Audi RS Q8 unserer Meinung nach der talentierteste Allrounder mit der insgesamt größten Bandbreite an Dingen, die er außergewöhnlich gut kann. 

Er bietet wohl nicht das raffinierteste Handling, aber durch seine schiere Gewalt und den unglaublich gut abgestimmten Einsatz seiner diversen Tech-Gimmicks erzeugt er ein Fahrerlebnis, dass absolut beeindruckt. Dass es darüber hinaus unfassbar effektiv ist, zeigt die Rekord-Runde auf der Nordschleife. 

Im Zusammenspiel mit dem hervorragenden Komfort, der tollen Qualität und der sehr guten Platzverhältnisse eine mehr als solide Wahl in diesem Segment. Am Ende stellt sich aus Enthusiasten-Sicht natürlich immer die Frage, ob es nicht vernünftiger wäre, einen dynamischeren, sparsameren Audi RS 6 Avant zu kaufen. Aber Fans von Performance-SUVs haben ihre Gründe (Übersicht, Komfort, Platz) und die kann man hier dann auch nachvollziehen.