Suzuki Swift GTi (1989) im Kurztest: Der etwas andere GTI
Das Kürzel sorgte nicht nur bei VW für viel Vergnügen
Lang lebe der Sport! Nur nicht bei Suzuki. Dort wurde mit dem letzten Modellwechsel beim kleinen Swift die flotte Version mit zuletzt 129 PS einfach aufs Abstellgleis geschoben. Doch man weiß durchaus um die eigene sportliche Vergangenheit und besitzt einen Swift GTi von 1989. Ihn konnten wir jetzt fahren.
Twin Cam! 16 Valves! Electronic Petrol Injection! Schon die Seitenbeschriftung schreit den heißen Scheiß der 1980er-Jahre förmlich heraus. Und der damalige Prospekt von Suzuki preist die Windschnittigkeit (cW 0,35) dank der ganzen Spoiler und Schweller. Das weltweit erste Kompaktfahrzeug mit 1,3 Liter-Motor, zwei obenliegenden Nockenwellen, 16 Ventilen und elektronischer Benzineinspritzung. Das sei der Swift GTi (GXi als Fünftürer), befindet die Broschüre von 1986 ganz unbescheiden.
Bildergalerie: Suzuki Swift GTi (1989)
Kompakt nach damaligen Maßstäben freilich. Was vor rund 40 Jahren noch 3,67 Meter beim Dreitürer und 3,77 Meter beim Fünftürer bedeutete. Löblich: Auch der ganz aktuelle Nachkomme der Swift-Familie bleibt noch klar unter vier Meter. Sein Opa ist 1,54 Meter breit und wiegt aus heutiger Sicht nahezu unglaubliche 750 Kilogramm. Das merkt man spätestens am blechernen Klang beim Zuwerfen der Türen.
Unser Testobjekt (leider nur für eine kurze Ausfahrt) führt ein gänzlich unprosaisches Datenblatt mit sich. Darauf steht: 413 GTi, 10/1989, 1.298 ccm, G-Kat, 101 PS, Rot, Fahrgestellnummer JSA0AA33S00100376. Ein später Vertreter der ersten Swift-Generation also. Und selten dazu. Wann haben Sie das letzte Mal einen Swift von 1989 gesehen? Gar als GTi?
Wir sprechen allerdings jeden Leser frei, der jetzt "Keine Ahnung" sagt. Denn wie so viele japanische Kleinwagen der 1980er-Jahre hat auch der Swift ein Keine-Ahnung-Design. Schreib Toyota, Daihatsu oder Mitsubishi dran, es merkt eh niemand. Zur Ehrenrettung sei aber festgehalten, dass sich auch ein Opel Kadett E nicht unbedingt ins Hirn gebrannt hat.
Suzuki pries einst das Platzangebot und die durchdachten Vordersitze. 35 Jahre später sind sie zu weichen gemütlichen Sesseln mutiert, heute definiert man Sportsitz im wahrsten Wortsinne ein wenig enger. Den plüschigen Eindruck unterstreicht das wenig aufregende Armaturenbrett. Zumindestens verraten das GTi-Lenkrad und der Drehzahlmesser, dass hier nicht Omi zum Einkaufen fährt. Bemerkenswert hingegen für den Autofahrer der 2020er-Jahre ist die grandiose Übersicht dank schmaler Dachsäulen.
Welche Musik macht Swift? Also Suzuki, nicht Taylor. Zunächst eher brummige Töne, wenig deutet auf ein sportliches Modell hin. Sind die offiziellen Werte nur Makulatur? 8,6 Sekunden auf 100, 182 km/h Spitze, 113 Nm bei 5400 U/min. Durchaus nicht, man muss sich von seiner Turbo-verwöhnten Fahrweise verabschieden. Stattdessen die Gänge laaaaaange ausdrehen, zumal sich das Fünfgang-Getriebe eh hakelig schalten lässt.
Dann erst mutiert der Ausritt vom langweiligen Gedudel zum spritzigen Vergnügen. Einen markanten Klang entwickelt der Vierzylinder zwar auch dann nicht, aber man kommt dem Hit von Frau Swift nahe: "Baby, I'm just gonna shake, shake, shake, shake, shake, I shake it off, I shake it off (hoo-hoo-hoo)."
Passenderweise ist übrigens auch Taylor wie unser Auto ein Jahrgang 1989. Damals kostete der Swift GTi knapp über 18.000 Mark. Ein gleichstarker Corsa GSi kostete rund 2.500 DM mehr. Heutzutage sind beide fast kaum noch zu finden. Das Problem ist weniger die Bezahlbarkeit als die Verfügbarkeit.
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