Die Wahrscheinlichkeit, jemals einen neuen Alfa Romeo 33 Stradale zu Gesicht zu bekommen, dürfte sehr gering sein. Passend zum Namen wird es nur 33 Exemplare des "Trentatre" geben. Wir hatten jetzt die Gelegenheit, ein Exemplar aus der Nähe begutachten zu können. Einzig auf eine Sitzprobe mussten wir verzichten, strömender Regen hatte den Rasen am Comer See in Matsch verwandelt.

Beim renommierten "Concorso d'Eleganza Villa d'Este", der seit 1929 die schönsten Oldtimer und seit 2022 auch die faszinierendsten Prototypen prämiert, hat der neue Alfa Romeo 33 Stradale den begehrten "Design Concept Award" gewonnen. Glückwunsch!

Bildergalerie: Alfa Romeo 33 Stradale triumphiert beim „Concorso di Eleganza di Villa d'Este 2024“

Der neue, speziell angefertigte Wagen basiert direkt auf dem Tipo 33, einer Ikone der 1960er Jahre, die auch heute noch als eines der schönsten Autos aller Zeiten gilt. Alfa Romeo jedenfalls ist vom modernen Nachfolger völlig begeistert: "Der Erfolg des prächtigen neuen 33 Stradale wird durch seine unbestrittene skulpturale Schönheit bestimmt, mit der Einführung neuer Designelemente der neuen Stilsprache der Marke. Insbesondere das Exterieur verkörpert "notwendige Schönheit" und zeichnet sich durch ein perfektes Gleichgewicht zwischen Proportionen, Volumen und Verarbeitung der Oberflächen aus."

Okay, da gingen den italienischen Kollegen wohl die "Cavalli" durch. Aber ein wahrer Kern ist durchaus dran, wenn man unmittelbar vor dem 33 Stradale des Jahres 2024 steht. Speziell in Alfa-Rot sieht der Supersportwagen einfach toll aus. Auch für jene, die gut 40 Jahre jünger sind als ich: Drei kleine Kinder reißen sich spontan von ihrer Mutter los und umschwärmen mit einem "Guck mal!" und "Papa hat doch auch ein Auto mit Kleeblatt" den 33 Stradale.

Alfa 33 Stradale im Erstkontakt (2024)

Unsereiner war so frei, den kleinen deutschen Fans die Bedeutung des "Quadrifoglio Verde" auf den Schmetterlingstüren zu erklären. Das grüne vierblättrige Kleeblatt ist das Symbol für die Rennsporterfolge der Marke seit 1923 Ugo Sivocci in einem Alfa das Langstreckenrennen Targa Florio auf Sizilien gewann. Glück kann man schließlich immer gut gebrauchen.

Auffallend ist die Gestaltung des für Alfa Romeo charakteristischen Kühlergrill, das Scudetto, in einer minimalistisch-metallischen Ausführung. Er wird eingerahmt von elliptischen Scheinwerfern. Die Flanken des neuen Alfa Romeo 33 Stradale weisen dynamische und schlanke Linien mit Flügeltüren und zwei großen seitlichen Lufteinlässen auf.

Durch den mittig im Chassis positionierten Motor (dazu später mehr) rückt das Cockpit nach vorne. Die Verglasung der Flügeltüren und das großflächige Sonnendach gewähren der Besatzung einen Ausblick fast wie aus dem Cockpit eines Flugzeugs. Das Heck mit der scharfen Abrisskante und den runden Leuchten ist ein klarer Verweis auf den historischen Alfa Romeo 33 Stradale.

Alfa 33 Stradale im Erstkontakt (2024)

Die Aerodynamik des neuen 33 Stradale ist mit cW 0,375 auf dem Papier nicht so bereauschend. Entscheidend ist aber der Fakt, dass der Wagen auch bei hoher Geschwindigkeit keinen Auftrieb produziert. Sofern einer der glücklichen Besitzer sich jemals in solche Sphären wagt ...

Diesen Effekt erreichten die Designer ohne aktive aerodynamische Systeme wie beispielsweise verstellbare Spoiler. Das Resultat ist eine puristische Linie getreu dem Motto erfolgreichen Rennwagen-Designs: bellezza necessaria – die Schönheit ergibt sich aus der Funktion (wörtlich: "notwendige Schönheit").

Die Innenausstattung zeichnet sich durch minimalistisches Design und hochwertige Materialien aus. Das zentrale Instrument ist eine moderne 3D-Interpretation der Teleskop-Form der Armaturen klassischer Alfa Romeo. Das Lenkrad ist frei von Schaltern und Knöpfen, ein weiterer Beleg für die Konzentration auf das Wesentliche. Alle Bedienelemente sind stattdessen auf der Mittelkonsole und am Dachhimmel angeordnet, was an Flugzeuge erinnert.

Alfa 33 Stradale im Erstkontakt (2024)
Alfa 33 Stradale im Erstkontakt (2024)
Alfa 33 Stradale im Erstkontakt (2024)

Für das Interieur können Kunden wählen: das klassische TRIBUTO und das sportliche ALFA CORSE. Die Armaturentafel und der Mitteltunnel sind in Aluminium, Kohlefaser, Leder und Alcantara ausgeführt. Die eng anliegenden Sportsitze sollen für starken Seitenhalt und gleichzeitig hohen Komfort sorgen.

Für den neuen Alfa Romeo 33 Stradale stehen zwei technologisch komplett unterschiedliche Antriebsvarianten zur Wahl. In der Verbrennerversion kommt der in anderen Sportmodellen der Marke wie der Giulia Quadrifoglio bewährte V6-Biturbo-Motor zum Einsatz, dessen Leistung auf 456 kW (620 PS) gesteigert wurde und der über ein Achtgang-Automatikgetriebe mit Doppelkupplung (DCT) die Hinterräder antreibt. Mit dem neu entwickelten rein elektrischen Antrieb liegt die Systemleistung bei 552 kW (entsprechend 750 PS), die auf alle vier Räder übertragen wird.

Die Höchstgeschwindigkeit beträgt bei beiden Versionen 333 km/h. Für die Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h benötigt der neue Alfa Romeo 33 Stradale weniger als drei Sekunden. Das am Comer See gezeigte Fahrzeug stammt noch aus der Vorserie: Die Produktion der 33 Kundenfahrzeuge wird voraussichtlich im Juni 2024 beginnen. Die Fahrzeuge werden von der italienischen Karosseriefirma Touring Superleggera hergestellt.

Einer der nur 33 Mal gebauten Alfa Romeo 33 Stradale geht an den US-Amerikaner Glynn Bloomquist. Der Unternehmer aus Texas entschied sich für Rosso Villa d’Este in Kombination mit einer in Weiß gehaltenen Frontpartie – eine Hommage an die Werksrennwagen Alfa Romeo Tipo 33 aus den 1960er Jahren.

Alfa 33 Stradale für den US-Amerikaner Glynn Bloomquist

Alfa 33 Stradale für den US-Amerikaner Glynn Bloomquist

Alfa 33 Stradale in Königsblau

Alfa 33 Stradale in Blu Reale

Der japanische Unternehmer Noriaki Uchino ist ein weiterer künftiger Stradale-Besitzer. Sein großer Wunsch war die Lackierung seines Autos in Blu Reale. In dieser Farbe wurde 1967 nur ein einziger der historischen Vorläufer ausgeliefert. Uchino verbindet mit Blu Reale außerdem den italienischen Himmel, der seiner Meinung nach einen weltweit einzigartigen Blauton zeigt. Dazu wählte er Scheinwerferdetails und Bremssättel in Rot sowie Leichtmetallfelgen in glänzendem Schwarz. Beim Kühlergrill griff der Japaner zur klassischen Version mit dem historischen Wappen von Alfa Romeo.

Bildergalerie: Alfa 33 Stradale im Erstkontakt (2024)