Mazda und der Wankelmotor gehören untrennbar zusammen. Genauer gesagt, der Kreiskolbenmotor, mit dessen Entwicklung unter NSU-Lizenz die Japaner 1961 begannen. Die Ingenieure um den späteren Mazda-Präsidenten Kenichi Yamamoto bekamen die gröbsten Probleme gelöst und machten den Motor zum Millionending. Alleine der RX-7 der ersten Generation verkaufte sich fast 500.000-mal.

Der erste Mazda-Wankelmotor von 1961
Der erste Mazda-Wankelmotor von 1961

Indes blieben der Verbrauch und das Abgasverhalten des Kreiskolbenmotors stets Knackpunkte. Sie waren mit der Grund dafür, dass mit dem RX-8 der bislang letzte Wankel-Pkw im Jahr 2012 beerdigt wurde. Trotzdem hat man in Hiroshima die rotierenden Gedanken nie ganz aufgegeben. Und so kann Mazda allen Wankelianern freudig verkünden: Der Kreiskolbenmotor kehrt zurück!

Offiziell heißt es: "Mazda führt in der ersten Jahreshälfte 2022 in Europa und den USA eine neue Antriebsversion des Mazda MX-30 ein: Das Elektrofahrzeug der Marke ist dann zusätzlich auch in einer Variante mit Kreiskolbenmotor erhältlich, der einen Generator zur bordeigenen Stromerzeugung antreibt. Der neuartige Plug-in-Hybridantrieb, der die Räder immer elektrisch antreibt, ermöglicht neben rein elektrischem Fahren auf kürzeren Strecken auch das Zurücklegen längerer Distanzen mit Unterstützung des Kreiskolbenmotors." 

Small Rotary Engine -  Multiple Electrification Technology
Das MX-30-Chassis mit Wankelmotor und Elektroantrieb

Der Wankelmotor (streng genommen stimmt diese Bezeichnung nicht, da Felix Wankel ursprünglich ein anderes Konzept im Sinn hatte) treibt also den MX-30 nicht direkt an. Vielmehr arbeitet er zur Unterstützung des Elektromotors mit konstanter Drehzahl, was den Verbrauch im Rahmen hält. Ein weiterer Pluspunkt ist die Laufruhe des Kreiskolben-Prinzips, zur Verlängerung der Reichweite rumpelt also nicht wie beim BMW i3 ein Motorradmotor los.

Ein Plus an Reichweite kann der Mazda MX-30 gut gebrauchen, denn sein nur 35,5 kWh großer Akku reichte in unserem Test lediglich für knapp über 200 Kilometer. Fans der japanischen Marke werden sich daran erinnern, dass das Unternehmen bereits 2012/13 einen elektrischen Mazda-2-Prototypen gebaut hatte, in dem der Wankel als Range Extender erprobt wurde. Damals handelte es sich um ein Einscheiben-Aggregat im Heck mit 330 Kubikzentimeter Hubraum und gut 30 PS Leistung.

Mazda-Wankelmotor als Range Extender
Mazda-Kreiskolbenmotor als Range Extender

Nach ähnlichem Prinzip arbeitete bereits 2010 auch der Audi A1 e-tron. Seine Reichweite betrug laut Hersteller im Stadtverkehr über 50 Kilometer, die Höchstgeschwindigkeit 130 km/h. Er verfügte über eine Spitzenleistung von 75 kW (102 PS). Als Batterie fungierte ein Paket aus Lithium-Ionen-Modulen, das vor der Hinterachse in der Bodengruppe liegt.

War die Energie der Batterie erschöpft, lud ein Einscheiben-Wankelmotor die Batterie nach. Dieser so genannte Range Extender betrieb einen Generator, der 15 kW Ladeleistung erzeugte. Wenn er die Batterie nachlud, erzielte der A1 e-tron eine zusätzliche Reichweite von 200 Kilometer.

20 A1 e-tron wurden 2011 in München erprobt, danach verfolgte Audi das Projekt nicht weiter. Welche Leistung der Wankelmotor im Mazda MX-30 haben wird, ist noch unklar. Wir rechnen aber aus Platzgründen mit einer Einscheiben-Version und einer Leistung zwischen 30 und 50 PS.

Bildergalerie: Mazda MX-30 (2020) im Test