Nicht ein einziges Teil wurde vom alten SL oder dem AMG GT übernommen

Mit ein paar Ausnahmen wie dem Mazda MX-5, dem etwas schrägen VW T-Roc Cabrio oder dem offenen BMW 4er ist das Mainstream-Cabrio im Prinzip tot. Selbst Luxusmarken verkleinern ihr Angebot an Cabriolets, einfach weil die Beliebtheit des Segments in den letzten 10 bis 15 Jahren so rapide abgenommen hat. Mercedes ist da keine Ausnahme. Der SLC ist bereits Geschichte, weitere Modelle wie das S-Klasse Cabrio werden folgen.

Auch der AMG GT Roadster wird nach nur einer Generation gestrichen. Allerdings macht er Platz für den neuen SL, der deutlich sportlicher ausgelegt wird, um die Lücke zu füllen. Freunde der Ikone dürfen also aufatmen, die langlebige Sport-Leicht-Formel darf weiter existieren. 

Erstmals kümmern sich allerdings die Herrschaften von AMG um die Entwicklung des Roadsters. Ein von Grund auf neuer SL wird noch in diesem Jahr vorgestellt. Erlkönigbilder haben wir ja schon einige zu Gesicht bekommen, jetzt erfahren wir auch, was die Grundlage für das Auto bilden wird, denn Mercedes zeigt uns das neue Leichtbau-Chassis des Roadsters. 

Die neue Roadster-Architektur besteht aus der Kombination eines Aluminium-Spaceframe mit einer selbsttragenden Struktur. Mercedes zieht hier natürlich nur zu gern Parallelen zum ersten SL von 1952, dessen Konstruktion wie die des kommenden SL "sprichwörtlich auf einem weißen Blatt Papier" begonnen habe. Sprich: Kein einziges Bauteil wird vom Vorgänger-SL oder beispielsweise dem AMG GT Roadster übernommen.

Die Kreation eines 2+2-Sitzer-Layouts, das obendrein eine große Bandbreite verschiedener Antriebe beherbergen können muss, stellte für die Ingenieure eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar, erklären die Schwaben. Das Endresultat ist eine Kombination aus Aluminium, Stahl, Magnesium und Faserverbundwerkstoffen, das, wie es immer so schön heißt, für "höchstmögliche Steifigkeit bei niedrigem Gewicht" sorgen soll. 

Im Vergleich zur Vorgängerbaureihe steigt die Torsionssteifigkeit der Rohbaustruktur laut Hersteller um 18 Prozent. Die Quersteifigkeit liegt 50 Prozent über dem Wert des AMG GT Roadsters, die Längssteifigkeit ist 40 Prozent höher. Die ebenfalls verbesserte Einleitungssteifigkeit für die Fahrwerksanbindung soll ein sportliches Fahrverhalten mit präzisem Handling und hoher Agilität ermöglichen. Rund 270 Kilo soll das Gewicht des reinen Rohbaus ohne Türen, Motorhaube und Heckdeckel sowie ohne Anbaumontageteilen betragen.

Mercedes-AMG betont auch, dass eine der Hauptprioritäten der Entwicklung ein möglichst niedriger Schwerpunkt gewesen sei. Zudem muss der neue SL die unternehmenseigenen Crash-Anforderungen erfüllen, die laut Mercedes in einigen Bereichen strikter sind als die gesetzlich vorgeschriebenen. 

Klingt nach jeder Menge Arbeit, dennoch war die Vorentwicklung laut Mercedes in nur drei Monaten erledigt. Von der Auftragserteilung an ein zunächst nur sechs Personen starkes Team bis zur Serienfreigabe habe es weniger als drei Jahre gedauert.

Was irgendwie nach digitalem Hokus Pokus klingt: Offenbar ist die bei der digitalen Entwicklung verwendete Software inzwischen so gut, dass man Serienwerkzeuge bauen kann, ohne je einen realen Chassis-Prototypen hergestellt zu haben. Aber keine Sorge, liebe Interessenten, laut Mercedes erfüllte das Auto bereits beim ersten realen Crashtest die internen Anforderungen. 

Die Fertigung des neuen SL erfolgt am Standort Bremen, wo bereits der Vorgänger vom Band lief. 2022 dürfte es mit den Auslieferungen losgehen. 

 

 

Bildergalerie: Mercedes-AMG SL 2022 Chassis