Hier kommt die Track-Variante des krassen T.50

Gordon Murray Automotive hat erstmals seinen auf die Rennstrecke ausgerichteten Supersportwagen T.50s Niki Lauda vorgestellt. Es handelt sich dabei um eine nochmals sportlicher ausgelegte Version des T.50 für den Einsatz auf der Rennstrecke. Das Datum der Enthüllung wurde bewusst ausgewählt: Der 22. Februar war der Geburtstag des 2019 verstorbenen Lauda.

Der Lauda-T.50 wiegt nur 852 Kilogramm und wird von einer grundlegend überarbeiteten Version des von Cosworth entwickelten 3,9-Liter-V12 des T.50 angetrieben, der 725 PS leistet, bis auf 12.100 U/min dreht und über ein neu entwickeltes Xtrac-Sechsgang-Paddelschaltgetriebe arbeitet. Die fortschrittliche Aerodynamik, unterstützt von einem 400-mm-Hecklüfter, erzeugt bis zu 1.500 kg Abtrieb für ein optimales Fahrverhalten auf der Strecke.

Lediglich 25 T.50s Niki Laudas werden hergestellt, die jeweils 3,1 Mio. britische Pfund (vor Steuern, aktuell gut 3,6 Millionen Euro) kosten. Die Produktion wird im Januar 2023 im Fertigungszentrum von Gordon Murray Automotive in Dunsfold in der britischen Grafschaft Surrey beginnen, nachdem der Durchlauf der 100 "normalem" T.50 abgeschlossen ist.

Lassen wir Gordon Murray selbst reden: "Als wir den McLaren F1 GTR entwickelten, wurde er aus dem F1-Straßenfahrzeug entwickelt. Der T.50s Niki Lauda wurde jedoch von Beginn an parallel zum T.50 entwickelt. Unser Ziel beim T.50 war klar: das beste Fahrerauto für die Straße zu bauen. Beim T.50s Niki Lauda war es genauso klar: das beste Fahrerauto für die Rennstrecke zu bauen.

Wir hatten kein Interesse daran, die ultimative Rundenzeit zu erreichen oder ein Raumschiff mit Überbereifung und übermäßigem Abtrieb zu schaffen, das auf Kosten der Mitwirkung des Fahrers geht, denn letztendlich muss man über die Fähigkeiten und die Fitness eines F1-Fahrers verfügen, um das Beste aus ihnen herauszuholen."

Gordon Murray Automotive T.50s Niki Lauda

Die einschneidenden aerodynamischen Eigenschaften des T.50s Niki Lauda verraten sofort sein Leistungspotential. Eine markante Mittelflosse zur Verbesserung der Stabilität ist mit einem Niki Lauda-Logo versehen. Am Heck bleibt der markante 400-mm-Ventilator des T.50 erhalten, begleitet von einem noch größeren Heckdiffusor und einem neuen Delta-Flügel. Der hintere Kühlergrill ist mit einem T.50s-Emblem und dem Schriftzug "Fan Car" (doppeldeutig: Ventilator auf englisch und der Fan einer Person) versehen.

Die aerodynamischen Elemente setzen sich an der Vorderseite des Autos fort. Die dort befindlichen Luftleitbleche sind so geformt, dass der Luftstrom zu den seitlichen Lufteinlässen verbessert wird, in denen die Ölkühlsysteme für Motor und Getriebe untergebracht sind. Besitzer können ihren T.50s durch die Wahl der Farben und Lackierungen individuell anpassen, sodass keine zwei Autos gleich sind.

Murray: "Das Styling des T.50s ist komplett von der Aerodynamik bestimmt, aber dennoch attraktiv. Nicht ein einziges Karosserieblech wurde vom T.50 übernommen, aber das Straßenfahrzeug hat eine so starke und klassische Form, dass es immer noch durchscheint."

Gordon Murray Automotive T.50s Niki Lauda

Der von Cosworth entwickelte 3,9-Liter-V12-Motor unterschiedet sich drastisch von der Version des Motors, der den T.50 antreibt. Er ist noch leistungsstärker und dreht außerdem schneller. Seine Leistung beträgt 711 PS bei 11.500 U/min, auf dem Weg zu einem Drehzahllimit von 12.100 U/min. Mit 178 PS/Liter übertrifft die spezifische Leistung des V12 im T.50s Niki Lauda die des alles beherrschenden Cosworth DFV Formel-1-Motors. Das Leistungsgewicht von 835 PS/Tonne übertrifft das eines LMP1-Saugwagens.

Der Motor des T.50s Niki Lauda wird von einer neu entwickelten, auf dem Dach montierten Hochleistungs-Ram-Airbox gespeist (die die maximale Leistung auf 725 PS anheben kann). Das maximale Drehmoment beträgt 485 Nm und wird bei 9.000 U/min geliefert. Darüber hinaus soll eine neu entwickelte, maßgeschneiderte geradlinige Abgasanlage für ein neues Niveau beim Motorklang sorgen. 

Gordon Murray Automotive T.50s Niki Lauda

Zu den weiteren Änderungen gehören vollständig überarbeitete Zylinderköpfe und Nockenwellen sowie ein höheres Verdichtungsverhältnis von 15:1. Dank akribischer Aufmerksamkeit für jedes Detail wiegt diese neue Version des Cosworth GMA V12 nur 162 kg, 16 kg weniger als der bereits leichteste V12-Straßenmotor aller Zeiten.

Die gewichtssparenden Maßnahmen erstrecken sich auf die Ansaug- und Abgasanlage und die Steuerungssysteme sowie den Motor selbst. Alle Ventile bestehen aus Titan, während es aufgrund des zusätzlichen Gewichts des Getriebezugs und der elektronischen Steuerung keine variable Ventilsteuerung gibt.

Das vereinfachte Ansaugsystem verfügt über 12 Drosselklappengehäuse oben am Motor, die direkt von der Airbox im Rennsportstil gespeist werden. Auf Katalysatoren in der Abgasanlage wird verzichtet. Die Anlage hat dünnere Inconel-Wände und kann von kleineren Schalldämpfern profitieren, da lediglich die Lärmgrenzwerte für Rennstrecken eingehalten werden müssen.

Das verbaute maßgeschneiderte IGS-Sechsgang-Paddelschaltgetriebe von Xtrac (Sofortschalt­getriebe) ist darauf ausgelegt, den hohen Anforderungen gerecht zu werden, die durch die Aufmachung und das Gewicht des T.50s gestellt werden. Im Rahmen der Bemühungen von Xtrac, wo immer möglich Gewicht einzusparen, sind auch die Zahnräder leichter und tragen zu einer Gewichtsreduzierung von insgesamt 5 kg bei. Sowohl das Getriebe als auch die Kupplung werden elektronisch betätigt.

Bildergalerie: Gordon Murray Automotive T.50

Die Übersetzungsverhältnisse wurden so gewählt, dass sie für optimale Leistung auf der Strecke, optimalen Fahrspaß und optimale Einbeziehung des Fahrer sorgen, und liefern eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 321 bis 338 km/h. Außerdem wird eine Reihe engerer Übersetzungsverhältnisse angeboten, die für kürzere Strecken optimiert sind, sodass die Besitzer über die an der Lenksäule montierten Paddel das Maximum aus allen sechs Gängen herausholen können. In dieser Konfiguration erreicht der T.50s Niki Lauda rund 273 km/h.

Der T.50s Niki Lauda ist um einen speziell entwickelten leichten Kohlefaser-Monocoque herum aufgebaut. Er ist auf Gewichtsreduzierung und strukturelle Steifigkeit hin optimiert und unter Anwendung fortschrittlicher Technologien zur Teilebindung konstruiert. Die Kohlefaser wird dabei um einen Aluminiumwabenkern gewickelt.

Diese Steifigkeit und Festigkeit trägt in Verbindung mit präzise konstruierten verformbaren Bereichen auch zur außergewöhnlichen Insassensicherheit des T.50s bei. Die Passagiere werden darüber hinaus durch eine "Sicherheitsfahrgastzelle" nach F1-Art geschützt.

Die äußeren Karosseriebleche, die alle spezifisch für den T.50s sind, bestehen ebenfalls aus ultraleichten Kohlefasern. Für Fenster und Windschutzscheiben werden Scheiben verwendet, deren Gewicht gegenüber der Straßenfahrzeugspezifikation weiter reduziert wurde.

Gordon Murray Automotive T.50s Niki Lauda

Im T.50s Niki Lauda kommt dieselbe geschmiedete Aluminium-Doppelquerlenker-Vorder- und Hinterradaufhängung wie im T.50 zum Einsatz. Die Federn, Dämpfer und der Stabilisator wurden jedoch neu spezifiziert, um das Fahrverhalten auf der Rennstrecke zu optimieren, während die Bodenfreiheit vorne auf 87 mm und hinten auf 116 mm verringert wurde.

Teil des Trackspeed-Pakets ist es, dass das Fahrwerk des T.50s Niki Lauda angepasst werden kann, um das ideale Setup für den Besitzer zu finden. Sowohl die Fahrwerkseinstellungen als auch die Aerodynamik sind vollständig einstellbar.

Der T.50s Niki Lauda behält die Zahnstangenlenkung des T.50 bei, allerdings wurde die Lenkübersetzung überarbeitet. Die Carbon-Keramik-Scheiben von Brembo wurden ebenfalls vom T.50 für den T.50s Niki Lauda übernommen (370 mm x 34 mm vorne/340 mm x 34 mm hinten), mit Sechskolbensätteln vorne und Vierkolbensätteln hinten.

Bremsanlage und Aerodynamik in Kombination ergeben eine unglaubliche Verzögerung von 3,5 g. Um sicherzustellen, dass die Bremsen ihr sagenhaftes Leistungsvermögen den ganzen Renndurchgang hindurch behalten, wurden neue Leitungen um jedes Rad herum entworfen, um die Bremsenkühlung zu verbessern.

Gordon Murray Automotive T.50s Niki Lauda

Der T.50s ruht auf einzigartigen und außergewöhnlich leichten geschmiedeten 18-Zoll-Rädern aus Magnesium mit einem Gewicht von jeweils weniger als 6 kg. Sie verfügen über leichte Radnaben im Formel-1-Stil und einen Zentralverschluss. Auf den Rädern sitzen Michelin Slick-Reifen, die vorne 250 mm (25/64 18 Zoll) und hinten 300 mm (30/68 18 Zoll) breit sind. Eine Regenreifenoption wird ebenfalls angeboten.

Zur Aerodynamik gehört auch ein neuer, 1.758 mm breiter, heckmontierter Delta-Flügel, für dessen Gestaltung der Frontflügel des 1983er Brabham BT52 Formel-1-Wagens von Murray die Inspiration bot.

Vorne verfügt der T.50s über einen Splitter mit einem zentralen Flügelabschnitt, der riesige Lastzahlen generiert, um die des Heckflügels auszugleichen. Außerdem wurde eine Mittelflosse hinzugefügt, die sich von der Oberseite des Dachs bis zur Hinterkante des Fahrzeugs zieht, wurde ebenfalls hinzugefügt, um die Gierstabilität zu erhöhen.

Die große vertikale Fläche stellt sich beim Durchfahren von Kurven mit hoher Geschwindigkeit in den Luftstrom und hilft dabei, dem Moment des Fahrzeugs in Richtung Kurvenaußenseite entgegenzuwirken.

Gordon Murray Automotive T.50s Niki Lauda

Um den Luftstrom weiter zu verbessern und die Mittelflosse unterbringen zu können, befinden sich die Ölkühlsysteme für Motor und Getriebe jetzt in seitlichen Lufteinlässen. Die Verlagerung dieser Systeme nach weiter unten trägt dazu bei, den Schwerpunkt des Fahrzeugs zu optimieren.

Da sich die Antriebsstrangkühler direkt hinter den Vorderrädern befinden, wurden Luftleitbleche hinzugefügt, um die von den Vorderrädern ausgehende turbulente Nachlaufströmung zu steuern und einen sauberen Luftstrom zu den seitlichen Lufteinlässen zu gewährleisten.

Der T.50s Niki Lauda behält den 400-mm-Bodeneffektventilator des T.50 unverändert bei, dieser läuft hier jedoch in einem einzigen High-Downforce-Modus mit 7000 U/min. Der T.50s besitzt auch eine viel einfachere Kanalanordnung, bei der ein permanent offener Kanal zum neu gestalteten Heckdiffusor hinunter führt.

Wie das Fahrwerk kann auch die Aerodynamik des T.50s Niki Lauda an die Vorlieben des Besitzers angepasst werden, indem der Abtrieb bei Bedarf erhöht oder verringert wird. Um die Aerodynamik des Fahrzeugs abzustimmen, sind die Frontdiffusoren einstellbar, ebenso wie eine geschlitzte Klappe am Heckflügel. Die Hochgeschwindigkeitsabstimmung kann durch Änderungen bei der Bodenfreiheit des Fahrzeugs weiter verfeinert werden.

Gordon Murray: "Irgendwann haben wir 1.900 kg Abtrieb erreicht, aber wir haben ihn auf 1.500 kg reduziert, um das Auto für die Besitzer besser handhabbar zu machen."

Gordon Murray Automotive T.50s Niki Lauda

Der T.50s Niki Lauda behält die fahrerorientierte mittlere Sitzposition des T.50 bei, sodass der Fahrer einen ungehinderten Blick auf die Strecke hat und den perfekten Platz einnehmen kann. Der Fahrer sitzt auf einem vollwertigen Kohlefaser-Rennsitz mit Längsverstellung und ist durch einen Sechs-Punkt-Gurt gesichert.

Der T.50s ist ein Zweisitzer, der über einen festen Beifahrersitz mit Vier-Punkt-Gurt links vom Fahrer verfügt. Auf der rechten Seite befindet sich anstelle eines Sitzes ein Feuerlöschsystem. Der Platz, der früher als Beifahrerfußraum diente, wird von einer vertikalen Schaltanlage eingenommen, die der im legendären McLaren F1 GTR ähnelt. Auf Wunsch des Besitzers kann das Auto ohne Beifahrersitz bestellt werden, um weiteres Gewicht zu sparen und ein noch fokussierteres Fahrgefühl zu erzeugen.

Das rechteckige Carbonlenkrad beinhaltet nur die Bedienelemente, die der Fahrer benötigt. Dazu gehören Tasten für die Traktions- und Startsteuerung sowie den Boxenfunk/die Gegensprechanlage Fahrer zu Beifahrer und die Auswahl des Leerlaufs. 

Gordon Murray Automotive T.50s Niki Lauda

Um unnötige Ablenkungen zu vermeiden, besitzt der T.50s einen einzigen digitalen Bildschirm. Hier werden wichtige Fahrzeug- und Motordaten sowie Aerodynamikdaten, die Gangwechselanzeige, Telemetrie, Rundenzeit, Reifendrücke und -temperaturen, G-Kräfte und ein Kamera-Video-Feed angezeigt.

Gordon Murray: "Der T.50s wurde zu Ehren von Niki benannt, um an seinen berühmten Sieg mit dem Brabham BT46B-Fan-Car beim Großen Preis von Schweden 1978 zu erinnern. Niki war ein großartiger Rennfahrer und er war auch ein guter Freund und es ist absolut passend, dass wir an seinem Geburtstag den T.50s Niki Lauda auf den Markt bringen. Niki hätte die Innovationen und die technischen Details in unserem Autos geschätzt."

Die Familie Lauda äußerte sich wie folgt: "Wir sind sehr stolz, dass Gordon Murray Automotive das neue Auto nach Niki benannt hat. Es wäre ihm eine große Ehre gewesen, mit einem Auto in Verbindung gebracht zu werden, das von Gordon entworfen und entwickelt wurde, mit dem ihn eine langjährige Verbundenheit und Freundschaft verband."

Zusätzlich wird jedes Fahrgestell der 25 Fahrzeuge individuell nach einem der Grand-Prix-Siege von Gordon Murray auf unterschiedlichen Rennstrecken benannt. Das erste Fahrzeug wird die Bezeichnung Kyalami 1974 erhalten, und nachfolgende Fahrzeuge werden in chronologischer Reihenfolge nach den 24 darauf folgenden Siegen benannt.

Gordon Murray Automotive T.50s Niki Lauda

Jedes Auto wird außerdem mit einem speziell in Auftrag gegebenen Buch über das Rennen ausgeliefert, nach dem es benannt ist und das Murrays Betrachtungen auf und Erinnerungen an den Sieg enthält.

Käufer eines T.50s Niki Lauda erhalten einen maßgeschneiderten und personalisierten Service, von der ersten Interessenbekundung bis zum Spezifikations-, Herstellungs- und Übergabezeitraum sowie die gesamte Zeit hindurch, in der sie das Fahrzeug besitzen.

Jedes der 25 individuell spezifizierten Fahrzeuge wird einzigartig sein, sowohl in Bezug auf das Setup als auch in Bezug auf die Auswahl der Farben und Lackierungen.

Ein Trackspeed-Paket wird ebenfalls enthalten sein, das sowohl technische Unterstützung als auch die gesamte Ausrüstung umfasst, die zum Fahren des Autos auf einer Strecke erforderlich ist, einschließlich eines vollständigen Satzes Boxenwerkzeuge und Tankausrüstung.

Kunden werden zu einem Tag auf der Rennstrecke eingeladen, um das Fahrwerk als auch die Aerodynamik auf ihren Fahrstil und ihre Erfahrung abzustimmen. Außerdem werden die Eigentümer in den Genuss einer eintägigen Ausbildung am T.50s Niki Lauda kommen, damit sie das Maximum aus ihrem Fahrzeug herausholen können. Auch für den vom Eigentümer benannten Techniker wird eine eintägige Unterweisung stattfinden, um ihn bei der Vorbereitung des Fahrzeugs auf Renntage zu unterstützen.

Darüber hinaus wird es eine fortlaufende technische Unterstützung geben, damit Besitzer ihr Fahrzeug bei Veranstaltungen und Renntagen auf der ganzen Welt fahren können. Gordon Murray Automotive plant in Zukunft eigene Sonderveranstaltungen für Besitzer von T.50s Niki Lauda.

Gordon Murray Automotive arbeitet eng mit Stefan Ratel und seiner SRO-Organisation zusammen, um einen GT1-Sportclub zu gründen, der exklusive Renntage anbieten wird, die auf die Veranstaltungen der GT World Challenge Europe auf einigen der renommiertesten Strecken Europas abgestimmt sind. Dies ist ein erster Schritt mit Blick auf die Schaffung einer zukünftigen Supercar-Rennserie.

Bildergalerie: Gordon Murray Automotive T.50s Niki Lauda