Nissan richtet seinen Fokus auf China, Japan und Nordamerika

Renault hustet und seine Bündnispartner Nissan und Mitsubishi bekommen einen Schnupfen. Seit dem unfreiwilligen Angang des früheren Konzernchef Carlos Ghosn steckt die Allianz in der Krise. Am härtesten ist Renault getroffen, dort sind Milliardenhilfen vom französischen Staat im Gespräch.

Jetzt hat Renault-Nissan-Mitsubishi bekannt gegeben, wie man in Zukunft zusammenarbeiten möchte. Das Ziel ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität der drei Partnerunternehmen.

Leitlinie der Zusammenarbeit ist das sogenannte "Leader-Follower"-Prinzip für Fahrzeuge und Technologien, um mehr Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit dieser Bereiche zu erreichen. Die drei Unternehmen wollen auf den bestehenden Vorteilen der Allianz aufbauen wie beispielsweise gemeinsamer Einkauf, indem sie ihre jeweiligen Führungspositionen und geografischen Stärken zur Unterstützung ihrer Partner nutzen.

"Die Allianz ist eine einzigartige strategische und operative Partnerschaft in der Automobilwelt und verschafft uns einen starken Vorteil in der sich ständig verändernden globalen Automobillandschaft", sagt Jean-Dominique Senard, Vorsitzender des Alliance Operating Board und Renault Präsident. "Das neue Geschäftsmodell wird es der Allianz ermöglichen, die Stärken und die Leistungsfähigkeit der einzelnen Unternehmen optimal zu nutzen und gleichzeitig auf ihren jeweiligen Kulturen und Traditionen aufzubauen. Die drei Unternehmen werden alle Fahrzeugsegmente und Technologien in allen Regionen abdecken und ihre jeweilige Wettbewerbsfähigkeit, nachhaltige Rentabilität und soziale und ökologische Verantwortung ausbauen."

Als Basis für die Zusammenarbeit wurden folgende Grundsätze im Bereich Fahrzeuge verabschiedet:

  • Stärkere Standardisierung - von Plattformen bis zu Karosserieteilen
  • Pro Fahrzeugsegment sollen ein "Mutterfahrzeug" (Leader-Car) und "Schwesterfahrzeuge" von dem leitenden Unternehmen entwickelt werden.
  • Die Leader-Cars und die ihnen folgenden Fahrzeuge sollen für alle Marken unter Verwendung der wettbewerbsfähigsten Konfiguration hergestellt werden, gegebenenfalls auch durch gemeinsame Produktion.
  • Die Zusammenarbeit bei leichten Nutzfahrzeugen wird fortgeführt. Hier kommt das "Leader-Follower"-Modell bereits erfolgreich zum Einsatz.

Insgesamt erwarten die Allianzpartner eine Reduzierung der Modellinvestitionen um bis zu 40 Prozent für Modelle, die komplett auf Basis dieses Ansatzes entwickelt und gebaut werden. Diese Vorteile sollen zusätzlich zu den bereits heute realisierten Synergien umgesetzt werden.

Die Allianz verabschiedete zudem das Prinzip, verschiedene Regionen der Welt als Referenzregionen für die einzelnen Partner zu definieren. Dabei wird sich jedes Unternehmen auf seine Kernregionen konzentrieren mit dem Ziel, dort zu den wettbewerbsfähigsten zu gehören und die Wettbewerbsfähigkeit der Partner zu erhöhen.

In diesem Rahmen wird Renault die Referenz für Europa, Russland, Südamerika und Nordafrika, Nissan in China, Nordamerika und Japan sowie Mitsubishi Motors in den ASEAN-Staaten und Ozeanien.

Indem jedes Unternehmen in den jeweiligen Regionen zum Referenzunternehmen wird, können Fixkosten besser geteilt werden bei gleichzeitiger Nutzung der Stärken jedes einzelnen Partners.

Nach dem "Leader-Follower-Modell" wird die künftige Aktualisierung der jeweiligen Fahrzeugpaletten erfolgen. Beispiele dafür sind:

  • Die Erneuerung des C-SUV-Segments nach 2025 wird von Nissan verantwortet, während die künftige Erneuerung des B-SUV-Segments in Europa von Renault geleitet wird.
  • In Lateinamerika werden die B-Segment-Plattformen standardisiert und von vier auf nur noch eine Plattform für Renault und Nissan umgestellt.
  • In Südostasien und Japan werden die Allianzpartner weitere Möglichkeiten der Kooperation verfolgen, wie zum Beispiel die Zusammenarbeit im Bereich Kei Cars zwischen Nissan und Mitsubishi Motors.

Insgesamt sollen bis 2025 fast 50 Prozent der Modelle der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi auf Basis des "Leader-Follower"-Programms entwickelt und produziert werden.

Im Bereich der Technologien wollen die Allianzpartner ihre Stärken nutzen, damit jedes Unternehmen von den Investitionen in Plattformen, Antriebstechnik und Technologien profitiert. Diese Teilung hat sich bei der Entwicklung von Antriebssträngen und Plattformen als effizient erwiesen und ermöglichte beispielsweise die erfolgreiche Einführung der CMF-B-Plattform für den Renault Clio und den Nissan Juke oder der Kei-Car-Plattform für den Nissan Dayz und den Mitsubishi eK. Die Plattformen CMF-C/D und CMF-EV werden bald folgen.

Das "Leader-Follower"-Modell wird von Plattformen und Antriebssträngen auf alle Schlüsseltechnologien ausgeweitet. Dabei übernimmt jeweils ein Unternehmen die Führungsrolle:

  • Autonomes Fahren: Nissan
  • Fahrzeug-Vernetzung: Renault für Android-basierte Plattformen, Nissan für die "China"-Plattform
  • Fahrzeug-Elektronikarchitektur (e-Body): Renault
  • Elektroantrieb (E-Powertrain): CMF-A/B-Segment ePowertrain: Renault; CMF-EV ePowertrain: Nissan, Plug-in-Hybrid C/D-Segment: Mitsubishi

Im Gespräch, aber noch nicht bestätigt, sind Werksschließungen von Nissan in Spanien und Indonesien. Bis 2023 will der Hersteller seine weltweite Produktion um 20 Prozent auf rund 5,4 Millionen Fahrzeuge drosseln. Parallel soll die globale Modellpalette von derzeit 69 auf 55 Modelle verschlankt werden.