Ein Wasserstoff-Auto braucht angeblich zwei- bis dreimal mehr Strom für eine Strecke

Elektroauto oder Wasserstofffahrzeug – was ist die bessere Lösung? Der Glaubenskrieg tobt. VW erklärt nun, wo nach Ansicht des Konzerns die Vorteile des reinen (das heißt batteriebetriebene) Elektrofahrzeugs (BEV) gegenüber der Brennstoffzelle liegen. Und warum man sich in Wolfsburg eindeutig für das Elektroauto entschieden hat.

Der Klimawandel und die CO2-Flottengrenzwerte der EU machen einen Wechsel vom Verbrenner zum Elektroauto unabdingbar, so VW. Aber einen elektrischen Antrieb haben sowohl Wasserstoffauto als auch das BEV.  Die Gretchenfrage lautet also: Soll man eher auf die Batterie als Energiespeicher setzen oder den Wasserstoff? Oder gar beides in gleichem Maße vorantreiben?

VW hat sich bekanntermaßen für das reine Elektroauto und die Batterie entschieden. Als Belege für die Richtigkeit seiner Entscheidung führt VW nun gleich mehrere aktuelle Studien an. So geht das Bundes-Umweltministerium davon aus, dass Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) teurer als ein Elektroantrieb bleiben, da für ihre Produktion auch mehr Energie aufgewendet werden muss.

Auch die Initiative Agora Verkehrswende weist darauf hin, dass Wasserstoff und E-Fuels ohne die Verwendung von Ökostrom keine ökologisch sinnvolle Alternative sind. Beim aktuellen und absehbaren Strommix habe das E-Auto die mit Abstand beste Energiebilanz.

Aus der Sicht des Fraunhofer-Instituts werden synthetische Kraftstoffe und Antriebstechnologien wie Wasserstoff in Kombination mit der Brennstoffzelle zwar eine Rolle spielen – allerdings weniger im Pkw-Bereich, als im Langstrecken- und Schwerlastverkehr sowie im Schienen-, Flug- und Schiffsverkehr. Diese Segmente werden erst in späteren Phasen der Energiewende, also jenseits des Jahres 2030, und eng verknüpft mit dem Ausbau erneuerbarer Energien umgestellt.

VW: Elektroauto oder Wasserstofffahrzeug?
So funktioniert ein Brennstoffzellen-Fahrzeug

Die wasserstoffbasierte Brennstoffzellen-Technik hat aus der Sicht von VW einen entscheidenden Nachteil: Sie ist sehr ineffizient – und zwar sowohl hinsichtlich ihres Wirkungsgrads als auch ihrer Betriebskosten. Das bestätigt auch die Studie "Automobilindustrie 2035 – Prognosen zur Zukunft" von der Unternehmensberatung Horváth & Partners, die beide Antriebsarten für E-Autos aus Kundensicht verglichen hat.

VW vergleicht nun die Effizienz der beiden Techniken, wobei aus der Pressemitteilung nicht immer klar hervorgeht, wo aus der Studie zitiert wird und wo Erkenntnisse von VW referiert werden. Wenn VW nicht eindeutig vermerkt, dass aus der Studie zitiert wird, schreiben wir im Folgenden daher "laut VW". 

Laut VW verliert man beim reinen (batteriegetriebenen) Elektroauto nur acht Prozent der Energie beim Transport, bevor der Strom im Akku des Autos landet. Beim Umwandeln der elektrischen Energie zum Antrieb des E-Motors gehen noch einmal 18 Prozent verloren. Damit kommt das batteriebetriebene E-Auto je nach Modell auf einen Wirkungsgrad von 70 bis 80 Prozent.

VW: Elektroauto oder Wasserstofffahrzeug?
Elektroauto und Wasserstoffauto: Wirkungsgrade im Vergleich

Beim Wasserstoff-Auto sind die Verluste deutlich größer: 45 Prozent der Energie gehen bereits bei der Gewinnung von Wasserstoff durch die Elektrolyse verloren. Von den übrig gebliebenen 55 Prozent gehen noch einmal 55 Prozent beim Umwandeln von Wasserstoff in Strom im Fahrzeug verloren. Damit kommt das wasserstoffbetriebene E-Auto nur auf einen Wirkungsgrad von 25 bis 35 Prozent. Bei alternativen Kraftstoffen ist die Effektivität noch einmal deutlich schlechter. Der Gesamtwirkungsgrad liegt hier laut VW bei nur 10 bis 20 Prozent.

"Ein Wasserstoff-Auto verbraucht für die gleiche Strecke zwei- bis dreimal mehr Strom als das Batterie-Auto."

Konkret heißt das: Ein Wasserstoff-Auto verbraucht für die gleiche Strecke zwei- bis dreimal mehr Strom als das Batterie-Auto (BEV). Beim Pkw wäre Wasserstoff daher ein schwerwiegender Irrweg, so VW.

Dabei bietet Wasserstoff durchaus vielversprechende Perspektiven – nur eben nicht beim Auto. Die Investitionen sollten sich lieber auf andere Bereiche konzentrieren, in denen sie ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll sind: in der Industrie, im Schwerlastverkehr, in Flugzeugen und Schiffen.

VW: Elektroauto oder Wasserstofffahrzeug?
VW ID.3: Hoffnungsträger Nummer Eins der Wolfsburger in Sachen Elektromobilität

Auch jenseits der Umweltbilanz spricht für VW alles für das BEV: Die Technik ist ausgereift, die Zahl der Modelle wächst ständig. Aktuelle Elektroautos liegen laut VW auch bereits auf dem Preisniveau vergleichbarer Verbrenner. Das Wasserstoff-Auto wird dagegen immer teurer bleiben als das Batterie-Auto – aufgrund der komplexen Technik und der hohen Kraftstoffkosten.

"Und das Thema Langstrecke? Das spielt schon bald keine Rolle mehr. Mit der neuen E-Auto-Generation steigen die Reichweiten auf 400 bis 600 Kilometer, gleichzeitig wird das Laden immer schneller."

Schon heute bezahlen Autofahrer beim Wasserstoff-Auto rund neun bis zwölf Euro je 100 Kilometer, beim Batterie-Auto sind es nur zwei bis sieben Euro je 100 Kilometer (je nach Strompreisen in den einzelnen Ländern). Und das Thema Langstrecke? Das spielt laut VW schon bald keine Rolle mehr. Mit der neuen E-Auto-Generation steigen die Reichweiten auf 400 bis 600 Kilometer, gleichzeitig wird das Laden immer schneller, so VW.

VW: Elektroauto oder Wasserstofffahrzeug?
Die Studie Audi h-Tron quattro zeigt, dass sich der VW-Konzern auch mit Wasserstofftechnik beschäftigt

Das Fazit von VW ist eindeutig: Beim Pkw spricht alles für die Batterie und praktisch nichts für den Wasserstoff. Und der Studienleiter Dietmar Voggenreiter von Horváth & Partners fügt die Kernbotschaft seiner Untersuchung hinzu: "Keine nachhaltige Volkswirtschaft kann es sich erlauben, die doppelte Menge an regenerativer Energie zu verwenden, um mit Brennstoffzellen-Pkw anstatt mit Batteriefahrzeugen zu fahren."

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