Bei Mechatronik wird der Luxusliner zum Drift-König

Diese Frage spaltet die Oldtimerszene: Darf man moderne Autotechnik in eine nostalgische Karosserie verpflanzen? Nun gut, es gibt Replikas, die nach diesem Konzept verfahren. Oder immer mehr Elektro-Umbauten, etwa werksseitig der Jaguar E-Type, die Käfer der US-Firma Zelectric, ein E-Umbau des VW Bus T2 von VW Nordamerica oder schließlich die Käfer mit dem Antrieb des VW e-Up von der Firma eClassics. Oder denken sie an die besonders in den USA verbreiteten "Restomods", alte Autos mit neuer Technik. Bereits seit den 1990er-Jahren verfolgt Mechatronik in Pleidelsheim bei Stuttgart einen eigenen Ansatz: Alte Mercedes-Modelle mit neuer Mercedes-Technik. Der jüngste Streich driftet sich aktuell bei YouTube in unsere Herzen: Eine S-Klasse der Baureihe 116 mit dem V8 der älteren AMG-63er-Varianten.

Doch der Reihe nach: Seit ihrer Firmengründung im Jahr 1997 hat sich die Mechatronik GmbH als einer der international bekanntesten Fachbetriebe für Mercedes-Klassiker etabliert. Auf über 6.000 Quadratmeter kümmert sich ein Team von über 40 Mitarbeitern um Reparatur- und Wartungsarbeiten, Teil- oder Vollrestaurierungen, Technikumbauten oder Prototypenbau bis hin zum Oldtimerhandel. Soll heißen: Sie können ihren Mercedes-Klassiker dort auch ganz normal wieder in einen Topzustand bringen lassen.

Oder Sie wählen beispielsweise einen Mercedes SL "Pagode" der Baureihe 113 mit gewohnter Optik, aber viel moderner Technik unter dem Blech. So sorgt dort dann ein V8 namens M 113 mit 279 PS Leistung für Vortrieb. "New-Tech Series" nennt Mechatronik diese Art von Umbau, die es auch für die großen Zweitürer der Baureihe 111 gibt. Lassen wir kurz Mechatronik selbst zu Wort kommen:

"Alle Motoren, die den Weg in einen New-Tech Umbau finden, müssen strenge Qualitätskriterien erfüllen, bevor sie zur Generalüberholung in unserem hauseigenen Motorenbau zugelassen werden. Geringe Laufleistungen sowie das erfolgreiche Durchlaufen eines umfangreichen Überprüfungsverfahrens bei unseren Motorenexperten sind Grundvoraussetzungen. Im Anschluss werden alle Motoren in penibler Handarbeit komplett überholt. Bevor die Aggregate verbaut werden, erfolgt ein letzter Test auf dem Motorenprüfstand, bei dem abschließend nochmals sämtliche Funktionswerte geprüft werden. Erst mit positiven Abschluss dieses zweitägigen Prüfverfahrens erhält der Motor die finale Freigabe der Qualitätskontrolle und steht zum Einbau bereit.

Mechatronik Mercedes W116 mit M156-Motor

Ergänzt wird die Antriebseinheit jeweils durch das 5-Gang Automatikgetriebe (NAG1) von Mercedes-Benz, das vor dem Einbau vergleichbare Qualitätsanforderungen erfüllen muss. Die optimale Abstimmung zwischen Motor und Getriebe gewährleistet einerseits den souveränen Fahrkomfort und andererseits auch ein sportliches und dynamisches Fahrverhalten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt dieses Antriebspakets zeigt sich in puncto Werkstattservice. Jedes Mechatronik Fahrzeug kann grundsätzlich von jedem Mercedes-Benz Servicepartner weltweit via Motordiagnose geprüft werden und erübrigt dadurch die aufwendige Suche nach einem Classic-Spezialisten."

Jetzt folgt der nächste Streich. Grundlage hierfür bildet die S-Klasse der Baureihe 116 (1972 bis 1980), jener dicke Chrom-Dampfer, den Jüngere meist nur aus Berichten über RAF-Attentate kennen. Natürlich gab es schon damals V8-Motoren, an der Spitze im 450 SEL 6.9 ein Block mit 6,9 Liter Hubraum und 286 PS Leistung. Doch das toppt Mechatronik nun spielend: Unter die mächtige Haube des 6.9 wanderte laut Video der M 156, jener 6,2-Liter-Saug-V8, der einst im C 63, E 63 und S 63 eingebaut wurde. Leistung? 457 bis 525 PS, dazu im Original eine Siebengang-Automatik.

Leider können wir zu den technischen Details nur spekulieren. Offiziell heißt es diesbezüglich seitens Mechatronik: "Bei dem hier gezeigten Fahrzeug handelt es sich um einen Prototypen aus unserer New-Tech Series, welches sich gegenwärtig in der Erprobung befindet. Daher werden wir aktuell keine näheren technischen Informationen veröffentlichen. Diese werden erst im Zuge der Markteinführung mitgeteilt."

Bildergalerie: Mechatronik Mercedes W116 mit M156-Motor