Neuer 1er auf Fronttriebler-Plattform mit deutlich mehr Platz und innovativer Technik zur Verbannung von Untersteuern

Die meisten von Ihnen dürften es mitbekommen haben: In Kürze wird BMW die neue und insgesamt dritte Generation seines kompakten 1ers vorstellen. Selbiger wird die BMW-Fangemeinde spalten, wie es schon lange nicht mehr der Fall war. Das liegt vornehmlich daran, dass er erstmals von Hinterrad- auf Vorderradantrieb wechselt. Auch das dürfte Ihnen nicht entgangen sein. Dem Großteil der Käuferschaft eines Einstiegs-BMW dürfte dieser Umstand relativ egal oder nicht einmal bewusst sein. Aber natürlich reden wir hier noch immer über die Bayerischen Motoren Werke. Es gibt nach wie vor eine Menge an Kunden, die deren Autos aufgrund überlegener Fahrdynamik kaufen. Sprich: Auch ein frontgetriebener 1er muss sich gut bewegen. Und jetzt hat uns BMW auch mitgeteilt, wie man das bewerkstelligen möchte. 

Natürlich haben die Münchner bereits mehrere Jahre Erfahrung mit ihrer UKL-Frontantriebsplattform. Und Autos wie X1, X2 oder der 2er Active Tourer fahren ja auch mehr als ordentlich. Aber hier handelt es sich um SUVs, Crossover und Vans, nicht um Kompaktautos mit gehobenem Fahrspaß-Anspruch. Im Falle des neuen M135i sogar um einen waschechten Kompaktsportler. Letzterer wird zwar über Allradantrieb verfügen, aber eben erstmals über einen frontlastigen, bei dem maximal 50 Prozent der Kraft nach hinten wandern. Also braucht man innovative Technologien, wenn man "in der Premium-Kompaktklasse neue Maßstäbe im Bereich Fahrdynamik setzen" will, wie BMW es verspricht. 

Eine entscheidende Komponente für die "besonders hohe Agilität" des neuen 1er soll ausgerechnet vom Elektroauto i3s kommen. Dort kam die sogenannte ARB-Technologie (Actornahe Radschlupfbegrenzung) erstmals zum Einsatz. Die Idee dahinter: Hier sitzt die Anti-Schlupfregelung nicht im Steuergerät des ESP, sondern direkt im Motorsteuergerät. Die Informationen werden so dreimal schneller weitergeleitet. Die Münchner versprechen, dass die für den Kunden erlebbare Regelung sogar bis zu zehnmal schneller passiert. Diese feinfühligere und fixere Art der Traktionskontrolle soll den Grip an der Vorderachse spürbar erhöhen und das typische Untersteuern deutlich verringern. Auch eine serienmäßige Gier-Momenten-Verteilung soll zu gesteigerter Agilität beitragen, in dem sie mit gezielten Bremseingriffen arbeitet. Ein dritter Punkt ist eine besonders steife Karosserie. Zusätzliche Verstrebungen im Hinterwagen sollen diese weiter verbessern.

BMW 1er (2019) Erprobungsfahrt

Von besonderer Bedeutung dürften diese Maßnahmen vor allem beim vorläufigen Topmodell M135i xDrive sein. Wie der X2 M35i erhält er den neuen 2,0-Liter-Turbo-Vierzylinder mit 306 PS und 450 Nm. Über eine Achtgang-Automatik geht die Kraft an alle vier Räder. An der Vorderachse kommt zusätzlich ein Sperrdifferenzial zum Einsatz. Wie bei den Hauptkonkurrenten Mercedes-AMG A 35 und VW Golf R erwarten wir eine 0-100-km/h-Zeit von gut unter fünf Sekunden. Später soll Gerüchten zufolge sogar eine Variante mit um die 400 PS geplant sein, die in direkte Konkurrenz zum kommenden AMG A 45 tritt.  

Aber das sind letztlich Randaspekte, denn hauptsächlich geht es natürlich um die "Brot-und-Butter-1er" wie einen 118i oder einen 120d. Diese profitieren vor allem beim Platzangebot vom neuen Frontantriebslayout mit Quermotoren. Ein niedrigerer Mitteltunnel wird das Raumgefühl insgesamt verbessern. Hinten soll es 33 mm mehr Beinfreiheit und 19 mm mehr Kopffreiheit geben. Und man kommt leichter rein und raus, was jeder, der den aktuellen 1er-Fond häufiger entern muss, nur begrüßen wird. Außerdem wächst der Kofferraum um 20 auf 380 Liter.  

Ob sich ein 1er auch mit Frontantrieb fährt, wie es sich für einen BMW gehört, können wir Ihnen vermutlich im Sommer sagen. Wir rechnen mit der offiziellen Vorstellung des Autos im Juni oder Juli. Bis Ende 2019 wird der neue 1er dann auch beim Händler stehen.

Bildergalerie: BMW 1er (2019) Erprobungsfahrt