Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten die Briten die Firma einfach nur loswerden

Aktuelle Nachrichten deuten darauf hin, dass die Kooperation von Ford und Volkswagen bei den Nutzfahrzeugen zu einer vollständigen Fusion führen könnte. Eine solcher Merger würde auf einen Schlag den Automarkt umkrempeln. Dabei hätte sich schon früher ein solcher Riesenkonzern bilden können. Denn 1948 hatte Ford es in der Hand, Volkswagen zu übernehmen -- zum Nulltarif. Henry Ford II jedoch lehnte ab.

 

Um zu verstehen, wie es zu dem Gratis-Angebot kam, müssen wir ein wenig ausholen. Das Nazi-Regime wollte schon in den 30er-Jahren die motorisierte Individualmobilität fördern. So entstand der KdF-Wagen (für Kraft durch Freude), aus dem später der Käfer werden sollte. Der Name Käfer wurde angeblich von der New York Times aufgebracht, die 1938 zum ersten Mal die englische Bezeichnung "beetle" verwendete.

 

1943 KdF Type 60 Beetle
1943 KdF Type 60 Beetle
1943 KdF Type 60 Beetle

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren die britische Besatzungsmacht für das Werk in Wolfsburg verantwortlich. Die Firma hatte die Produktion wieder aufgenommen, und im Jahr 1945 entstanden dort immerhin 1.785 Käfer. Die Briten wollten sich allerdings nicht in die Autoindustrie einmischen und suchten bald nach jemandem, der das Werk übernehmen sollte. Sir William Rootes, der Eigentümer des damals größten britischen Autoherstellers (der Rootes Group) war 1947 die erste Wahl, doch er lehnte ab.

Und jetzt kommt Henry Ford II ins Spiel. Im März 1948 traten die Briten mit dem amerikanischen Industriellen in Kontakt. Die Briten waren bereit, die gesamte Firma VW umsonst abzugeben. Doch Ford-Manager Ernest Breech riet ab: "Mr. Ford, ich glaube nicht, dass das, was uns hier angeboten wird, einen Pfifferling wert ist." Die Sitzung wurde vertagt, wie Walter Henry Nelson in seinem Buch Small Wonder (gratis verfügbar bei Archive.org) berichtet.

 

1943 KdF Type 60 Beetle
1943 KdF Type 60 Beetle
1943 KdF Type 60 Beetle

Dass das Werk Wolfsburg nur wenige Kilometer von der sowjetischen Besatzungszone entfernt lag, dürfte gegen eine Übernahme gesprochen haben. So war Breech mit seiner Meinung wohl nicht allein. Auch andere Ford-Führungskräfte äußerten Bedenken, so Andrea Hiott in ihrem Buch Thinking Small: The Long, Strange Trip of the Volkswagen Beetle. Mit der gescheiterten Übergabe an Ford und nach einem ebenfalls nicht erfolgreichen Versuch eines Abkommens mit dem Australian Reparations Council gaben die Briten auf. Sie übergaben die Firma an Heinz Nordhoff, der im Januar 1948 die Werksleitung übernommen hatte. Nordhoff machte einen Erfolg aus Volkswagen. Doch nun hat Ford vielleicht bald eine zweite Chance auf eine Fusion ...

Bildergalerie: 1943 KdF Type 60 Beetle