Der Kompakte wartet mit einer sensationellen Windschlüpfigkeit auf

Bis zur IAA in Frankfurt (13. bis 25. September 2011) müssen wir uns noch gedulden, dann wird die neue Mercedes B-Klasse vorgestellt. Beim Händler steht das Modell erst im November 2011. Der Stuttgarter Hersteller gewährt aber bereits jetzt einen Einblick in die Details der Technik: Sie reichen von der Aerodynamik bis zur Sicherheit des Kompakten.

Außerordentlich niedriger cW-Wert
Mit der neuen B-Klasse beweist Mercedes, dass ein steiles Heck nicht automatisch einen schlechteren cW-Wert bedeuten muss. Das Problem: Normalerweise bilden sich hinter dem Auto starke Luftwirbel. Sie haben eine Sogwirkung, die ein Fahrzeug förmlich nach hinten zieht. Feintuning reduzierte den Sog so, dass ein cW-Wert von 0,26 möglich wird. Das ist laut Mercedes der Spitzenwert im Segment. Verschiedene Maßnahmen tragen dazu bei, Luftverwirbelungen in den Radhäusern zu minimieren. Ein optional erhältliches ECO-Technologiepaket wird den cW-Wert sogar weiter drücken: auf 0,24. Das wäre genau so gut, wie das weltweit aktuell windschlüpfigste Serienauto, das E-Klasse Coupé. Damit lässt es sich kräftig an Sprit sparen: Laut Mercedes bewirkt jede Verringerung des cW-Werts um 0,01 bei 130 km/h einen Minderverbrauch von bis zu 0,4 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer.

Neue Benziner-Generation
Komplett neu ist der von Mercedes entwickelte 1,6-Liter-Turbobenziner mit Piezo-Injektoren und Multifunkenzündung. Der Vierzylinder wiegt 137 Kilogramm. Trotz Aufladung fällt das Verdichtungsverhältnis des Direkteinspritzers mit 10,3:1 relativ hoch aus. Damit die Verbrennung nicht zu heiß wird und dem Motor schadet, ist unter Volllast die Anreicherung mit zusätzlichem Kraftstoff nötig. Dessen Verdampfung sorgt für Kühlung. Mercedes hat dafür gesorgt, dass dies erst oberhalb von 200 km/h nötig ist. Darunter wird nun Sprit eingespart. Das gleiche Ziel hat die serienmäßige Start-Stopp-Automatik. Verbrauchswerte nannte Mercedes allerdings noch nicht. Den Benziner gibt es im B 180 mit 122 PS und im B 200 mit 156 PS. Die Drehmomente betragen 200 beziehungsweise 250 Newtonmeter. Die Benziner können auch in anderen Baureihen eingesetzt werden. In der B-Klasse sind sie quer eingebaut, doch ist ebenso eine Längsinstallation möglich.

Diesel mit Downsizing
Für die Diesel-Aggregate der B-Klasse bedient sich Mercedes bei den größeren Baureihen. Der in der C-, E-, und S-Klasse eingesetzte und dort längs eingebaute 2,2-Liter-Vierzylinder wird im kompakten Modell mit einem auf 1,8 Liter verkleinerten Hubraum quer verwendet. Viel Feinarbeit, beispielsweise in Form reduzierter Reibung oder beim Wirkungsgrad des Turboladers, sollen das Aggregat effizienter machen. Wie der Turbo-Benziner wird der Diesel in zwei Leistungsstufen angeboten: mit 109 und 136 PS. Die Drehmomente betragen 250 und 300 Newtonmeter. Auch bei den Selbstzündern ist eine Start-Stopp-Automatik serienmäßig mit an Bord.

Weiterentwicklung des ,Sandwich"-Bodens
Neben den Diesel- und Benzin-Aggregaten ist künftig auch der Einsatz alternativer Antriebe denkbar. Die neue B-Klasse bekommt aber keinen kompromisslosen ,Sandwich"-Boden mehr wie der Vorgänger. Stattdessen ist der Fahrzeugboden so gestaltet, dass er in einer alternativen Variante produziert werden kann und dann beispielsweise Platz für Batterien bietet.

Schaltung manuell oder mit Doppelkupplung
Für die B-Klasse wurden neue, kompakte Schalt- und Automatikgetriebe entwickelt. Das manuelle Getriebe ist mit sechs Gängen ausgestattet. Bei der Automatik handelt es sich um ein Doppelkupplungsgetriebe – DCT genannt – mit sieben Gängen und nassen Lamellenkupplungen. Der Fahrer kann beim DCT aus drei Schaltmodi wählen: Automatisch funktionieren ,Economy" und ,Sport", bei ,Manuell" darf der Fahrer selbst die Schaltarbeit übernehmen. Komfortabler wird mit dem DCT das Anfahren im Start-Stopp-Betrieb. Eine zusätzlich eingebaute elektrische Ölpumpe hält in der Stopp-Phase den Druck aufrecht, solange die mechanische Pumpe inaktiv ist. Wird der Motor aktiviert, kann das Getriebe sofort wieder loslegen. Neu ist beim DCT, dass die Parkstellung des Getriebes per einfachem Knopfdruck elektrisch ausgelöst wird. Der Getriebewahlhebel kann so hinter dem Lenkrad verschwinden, was Platz in der Mittelkonsole schafft.

Dynamisch, aber komfortabel
Ein dynamischeres Fahrverhalten bei gleichzeitig gutem Komfort soll der B-Klasse die Kombination aus einer elektromechanischen Lenkung, einer Vierlenkerhinterachse, einem niedrigeren Schwerpunkt sowie einem weiterentwickelten ESP bescheren. Die elektromechanische Lenkung verbraucht nur Energie, wenn tatsächlich gelenkt wird. Das optionale Sportpaket kommt mit einer direkter abgestimmten Lenkung. Ebenso das geplante Sportmodell – das möglicherweise einen AMG-Zusatz trägt. Die elektrische Servolenkung ermöglicht zudem Lenkassistenz-Funktionen, die an das ESP gekoppelt sind. So gibt die Lenkung bei Übersteuern einen kurzen Impuls in die richtige Korrektur-Richtung, in welche der Fahrer daraufhin instinktiv steuern soll. Korrigiert wird auch beim Bremsen, wenn sich die Räder links und rechts auf verschieden griffigen Fahrbahnbelägen befinden. Ebenso wird der Einfluss von Seitenwind oder der Straßenneigung kompensiert. Zu guter Letzt ermöglicht die elektrifizierte Lenkung auch einen aktiven Parkassistenten. Der Wendekreis beträgt laut Mercedes unter 11 Meter. Die Scheibenbremsen rundum verfügen über eine Hold-Funktion.

Mit adaptivem Bremsassistenten
Die neue B-Klasse ist mit einer verlängerten Knautschzone ausgestattet. Die Aufprallenergie wird über eine besondere Crash-Trägerstruktur unter dem Fahrzeug nach hinten geleitetet. Daneben ist das Fahrzeug serienmäßig mit Airbags für Knie, Rumpf und Kopf ausgerüstet. Optional wird es den Rumpfschutz auch für die hinteren Passagiere geben. Stolz ist Mercedes darauf, Assistenzsysteme aus den größeren Baureihen in die B-Klasse integriert zu haben. So kommt ein radargestützter Bremsassistent serienmäßig zum Einsatz. Er warnt den Fahrer zwischen 30 und 250 km/h optisch und akustisch bei Kollisionsgefahr. Der Fahrer muss dann das Bremspedal betätigen, woraufhin das System eine kontrollierte Bremsung einleitet. Dem Hintermann wird dabei der maximal mögliche Raum gegeben, selbst rechtzeitig stoppen zu können.

Entwicklung im Simulator
Probefahrten der neuen B-Klasse finden auf der Straße und auch im Simulator statt, den Mercedes seit Ende 2010 betreibt. In ihm können die Assistenzsysteme mit echten Fahrern an Bord getestet werden. Das entsprechende Fahrzeugmodell sitzt dabei auf einer Plattform, die sich bewegt und so Beschleunigung, Verzögerung sowie Querkräfte simuliert. Auf einer 360-Grad-Leinwand wird die komplette Umgebung dargestellt, in der hochdynamische Fahrmanöver gefahrlos möglich sind. Die neue B-Klasse gehört zu den ersten Modellen, bei deren Entwicklung der Simulator mit einbezogen wurde.

Neue B-Klasse: Details